Tausende kroatische Pilger aus dem Burgenland, Ungarn und der Slowakei haben am vergangenen Wochenende an der traditionellen Kroatenwallfahrt in Mariazell teilgenommen. Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics leitete den Sonntagsgottesdienst und rief in seiner auf Kroatisch gehaltenen Predigt zur Bewahrung von Gemeinschaft, Sprache und Kultur auf.
Die traditionsreiche Veranstaltung in der Wallfahrtsbasilika brachte Gläubige aus drei Ländern zusammen, um ihren christlichen Glauben zu stärken und zu vertiefen.
Bischof Zsifkovics ruft zu Einigkeit und lebendigem Glauben auf
In seiner Predigt in der Wallfahrtsbasilika erinnerte Bischof Ägidius Zsifkovics, der selbst aus dem burgenländischen Stinatz stammt, an die Verantwortung des Einzelnen für das eigene religiöse Leben. Er warnte davor, materiellen Reichtum über das Seelenheil zu stellen.
Vergessen wir angesichts all unseres Reichtums und Wohlstands nicht die Worte Jesu: ‚Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seiner Seele schadet?‘
Ägidius Zsifkovics, Eisenstädter Diözesanbischof
Um den Glauben lebendig zu halten, brauche es konkrete Schritte im Alltag, betonte der Bischof. Dazu zähle das Gebet im persönlichen oder familiären Kreis, der Besuch der Sonntagsmesse in der Pfarrgemeinde, der Empfang der Sakramente wie der heiligen Beichte sowie das Tun von Gutem an Mitmenschen. Gleichzeitig unterstrich der Oberhirte die soziale Bedeutung der Kirche in ländlichen Regionen. Wo Gasthäuser und andere Begegnungsstätten in den Dörfern schließen, müsse die Kirche einen verlässlichen Raum für Gemeinschaft bieten.
Tradition der Wandermuttergottes und reiches religiöses Programm
Ein zentraler Programmpunkt der diesjährigen Zusammenkunft war die Übergabe der sogenannten Wandermuttergottes (Putujuca Marija
). Gläubige aus der ungarischen Gemeinde Siegersdorf (Hrvatski Zidan, Horvátzsidány) übergaben die Marienstatue an die burgenländische Pfarre Neuberg (Nova Gora). Diese Kopie der Mariazeller Marienstatue wurde zum 50-Jahr-Jubiläum der Wallfahrt im Jahr 1973 geschaffen und wandert seither jährlich zwischen verschiedenen kroatischen Gemeinden im Burgenland und Westungarn hin und her, wo sie auch im Jahresverlauf ein beliebtes Ziel für Pilger darstellt.
Das dreitägige Programm umfasste neben den Gottesdiensten auch Rosenkranzgebete, einen Kreuzweg sowie eine Lichterprozession am Samstagabend. Die Geschichte der Veranstaltung reicht bis in das Jahr 1923 zurück. Seither findet sie mit wenigen historischen Ausnahmen – wie während des Zweiten Weltkriegs oder der Corona-Pandemie – jährlich statt.
Bedeutung der Volksgruppe im Burgenland
Die Volksgruppe der Burgenlandkroaten umfasst schätzungsweise 50.000 Mitglieder, die überwiegend im Burgenland, in Ungarn und in der Slowakei leben. Im Burgenland machen sie rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung aus, während ihr Anteil unter den Katholiken der Diözese Eisenstadt bei fast zwanzig Prozent liegt. Zahlreiche kroatische Priester und Ordensleute versehen ihren Seelsorgedienst in den mehr als 30 zweisprachigen Pfarren der Region.

Unser Motto lautet: nicht gegeneinander, sondern füreinander – denn Einigkeit macht stark.
Ägidius Zsifkovics, Eisenstädter Diözesanbischof
Diese Worte unterstreichen das Ziel des Bischofs, den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der verschiedenen Volksgruppen der Diözese Eisenstadt nachhaltig zu fördern und zu stärken.
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