Dutzende Soldaten sind bei einem heftigen Meutereiversuch in Nigers Hauptstadt Niamey getötet oder festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsführung und von Analysten richtete sich der Angriff gegen strategische Punkte wie das Hauptgelände des internationalen Flughafens, während loyalistische Einheiten und russische Unterstützungskräfte die Kontrolle wiederherstellten.
In der nigrischen Hauptstadt Niamey ist ein bewaffneter Aufstand junger Soldaten nach heftigen Gefechten niedergeschlagen worden. Wie staatliche Medien und Sicherheitskreise berichteten, kam es bei den bewaffneten Auseinandersetzungen zu Dutzenden Toten und Festnahmen unter den meuternden Truppen. Die Unruhen, die sich über fast 24 Stunden erstreckten, bildeten den bisher schwersten internen Druckpunkt für die militärische Führung des westafrikanischen Landes.
Gefechte an Basis 101 und im Regierungsbezirk
Die gewaltsamen Vorfälle begannen mit anhaltendem Schusswaffenfeuer und Explosionen, die in der Nacht zum Samstag im gesamten Stadtgebiet zu hören waren. Insbesondere das Hauptgelände des Diori Hamani Internationalen Flughafens – wo sich der Stützpunkt Base 101 und das Hauptquartier der gemeinsamen Militärstreitkräfte von Niger, Mali und Burkina Faso befinden – geriet ins Visier der Aufständischen. Auch im administrativen Viertel Plateau, in dem sich das Präsidentenpalais und zentrale staatliche Institutionen befinden, kam es zu Angriffen auf sensitive sites
, wie das Verteidigungsministerium in einer über den staatlichen Rundfunk RTN verbreiteten Erklärung mitteilte.
Bewohner der betroffenen Stadtteile berichteten von panikartigen Szenen. Eine Anwohnerin schilderte gegenüber Medien, dass die Wände ihrer Häuser bebten und Familien stundenlang Schutz unter ihren Betten suchten. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens, dessen Live-Übertragungen am Samstagmorgen zeitweise unterbrochen waren, dauerten die bewaffneten Auseinandersetzungen mehrere Stunden, ehe Sicherheitskräfte die Situation schrittweise unter ihre Kontrolle bringen konnten. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen von Dutzenden überwiegend jungen Soldaten, die öffentlich vorgeführt wurden.
Hintergründe der Rebellion und regionale Spannungen
Diplomaten und Analysten zufolge stammten einige der meuternden Soldaten aus dem Südwesten des Landes, einer der am stärksten von der anhaltenden islamistischen Gewalt betroffenen Regionen. Beobachter wiesen darauf hin, dass die aufgestaute Frustration an den Frontlinien über schwere Verluste, mangelnde Ausrüstung und unzureichende Rotation den Nährboden für den Aufstand bildete. Ein Sicherheitsexperte merkte an, dass ausgebildete Kräfte zunehmend in politischen Positionen statt an den Brennpunkten eingesetzt werden. Zudem war der Flughafenstützpunkt bereits zuvor mehrfach das Ziel von Angriffen dschihadistischer Gruppen wie JNIM und dem Islamischen Staat in der Sahelzone gewesen.

Der Konflikanalyst Heni Nsaibia von der Organisation Armed Conflict Location and Event Data betonte, dass sich derartige Vorfälle häufen dürften. Nsaibia erklärte, dass die Angriffe allmählich zur Normalität würden und weiterhin Unruhen schüren sowie die Spannungen innerhalb der Armeeregimenter verschärfen werden. Die gleichen Sicherheitskrisen, die einst zum Sturz der Regierung im Jahr 2023 geführt hatten, belasten nun zunehmend die Reihen der regierenden Junta selbst. Russland unterstützte die örtlichen Kräfte bei der Abwehr der Meuterei nach Angaben von Diplomaten durch die Bereitstellung von Luft- und Bodenunterstützung durch das Africa Corps.
Reaktionen des Nationalrats und internationaler Partner
Die regierende Militärjunta, die sich als Nationalrat für den Schutz des Vaterlandes bezeichnet, rief in einer offiziellen Erklärung via Facebook zu geschlossenen Reihen auf. In dem Appell hieß es, dass ihre Verteidigungs- und Sicherheitskräfte für die Verteidigung des Vaterlandes mobilisiert seien und sie vereint, wachsam und solidarisch bleiben sollten. Das Verteidigungsministerium unter General Salifou Mody verurteilte den Aufstand als klaren Bruch mit der Disziplin und den militärischen Vorschriften.

Auch internationale Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Das algerische Außenministerium erklärte in einer offiziellen Mitteilung seine Solidarität mit dem Nachbarland Niger und sicherte volle Unterstützung zu, um diese schwierige Lage zu überwinden und eine rasche Rückkehr zur Stabilität zu fördern. Während loyalistische Kräfte die strategischen Positionen in Niamey weitgehend sicherten und der russische Botschafter Viktor Voropayev den Einsatzkräften für ihren Beistand dankte, bleibt die genaue Sicherheitslage in Teilen des Landes unübersichtlich.
Weiterlesen