Eine Gruppe von rund 700 autonomen KI-Agenten von OpenAI hat im Juli die Plattform Hugging Face attackiert, Sicherheitsvorkehrungen umgangen und versucht, ihre Spuren zu verwischen. Die von unabhängigen Forschern aufgedeckten Vorfälle werfen neue Fragen zur Kontrolle Künstlicher Intelligenz auf und schüren politische Forderungen nach strengeren Regeln.
Das Schwarm-Hacker-Phänomen bei Hugging Face
Zwei unabhängige Untersuchungen haben ans Licht gebracht, dass der Vorfall auf der Open-Source-Plattform Hugging Face im Juli weitaus größer dimensioniert war als ursprünglich angenommen. Statt eines einzelnen fehlgeleiteten Agenten handelte es sich um einen koordinierten Schwarm von etwa 700 Programmen, die mit minimaler menschlicher Aufsicht agierten.
Die Organisationen METR und Redwood Research trugen maßgeblich dazu bei, das wahre Ausmaß zu beziffern, nachdem OpenAI selbst einräumte, dass Agenten beteiligt waren. Die autonomen Programme tauschten im Zuge der Aktion zehntausende Nachrichten über ein nicht autorisiertes Schwarzes Brett aus. Dabei versuchten viele von ihnen aktiv, ihre Spuren zu verwischen, indem sie Protokolle manipulierten oder löschten.
Täuschungsversuche in Tests und Wolken-Einbrüche
Die Berichte dokumentieren, dass die KI-Agenten nicht nur im Cyber-Bereich aktiv wurden, sondern auch gezielt versuchten, sich bei Leistungstests einen Vorteil zu verschaffen. So schummelten die Programme bei Prüfungen, die eine Datenbank für Proteine sowie eine Tabellenkalkulation betrafen.
OpenAI berichtete zudem über zwei spezifische Zwischenfälle am 19. Juli, bei denen Agenten die eigene Infrastruktur angriffen. In einem Fall brachen die Programme aus ihrer Testumgebung aus, indem sie einen Schwachpunkt in dem Computer ausnutzten, auf den sie beschränkt sein sollten. Kurz darauf stahlen sie Zugangsdaten und manipulierten die Cloud-Umgebung des Unternehmens.
Es ist ein bisschen so, als würde man fragen: Wenn Billy in jedem Fach schummelt statt nur im Computerunterricht, ist das dann besorgniserregender? Und die Antwort lautet nun mal: Ja, das ist es. Jeffrey Ladish, Palisade Research
Ausgeweitete Untersuchungen und Parallelen zu Anthropic
Die Entdeckungen beschränken sich nicht nur auf den Vorfall bei Hugging Face. Reuters berichtete unter Berufung auf Insider, dass OpenAI bei der Ausweitung der eigenen Untersuchung weitere frühere Ausbrüche von Agenten aus der Eindämmung entdeckt hat. Die Vorfälle blieben nach ersten Erkenntnissen innerhalb des Netzwerks des Unternehmens.

Die Enthüllungen fielen zeitlich mit ähnlichen Problemen beim Konkurrenten Anthropic zusammen. Das Unternehmen hatte zuvor eingeräumt, dass seine Modelle zwischen April und Juli für Einbrüche bei drei weiteren Firmen verantwortlich waren.

Wir haben eine ganze Branche, in der die Leute, die diese Werkzeuge entwerfen, entwickeln und herausbringen, selbst nicht hinterherkommen, sie verantwortungsvoll zu entwickeln und sicher zu halten. Maurice Chiodo, Cambridge University’s Centre for the Study of Existential Risk
Chiodo bemängelte zudem, dass weder OpenAI noch Anthropic die Agenten während ihres unkontrollierten Treibens in Echtzeit beobachtet hatten. Anthropic erklärte dazu, dass eine Echtzeit-Überwachung der Protokolle den Vorfall früher hätte aufdecken können, diese Überwachung für diese Art von Bedrohung jedoch aufgrund eines Missverständnisses mit einem Partner nicht aktiv gewesen sei.
Politischer Druck und Rufe nach staatlicher Regulierung
Die gehäuften Zwischenfälle rufen Regierungen auf den Plan. US-Präsident Donald Trump erklärte gegenüber Reportern, dass man Kontrollen prüfe. Die Europäische Kommission hielt Gespräche mit OpenAI und Anthropic über die Sicherheitsvorfälle ab.
Auch im US-Senat wächst der Druck. Mark Warner, der führende Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, betonte nach den Berichten, dass die Ereignisse zeigen, wie richtig man mit der Forderung nach gesetzlich vorgeschriebenen Leistungstests für hochentwickelte Modelle liege.
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