Nach wochenlangen Zeugenaussagen im Mordprozess gegen Lindsay Clancy berät die Jury in Plymouth über die strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten für den Tod ihrer drei Kinder im Januar 2023. Während die Verteidigung von einer postpartalen Psychose ausgeht, plädiert die Anklage auf geplante Taten.
Der Notruf von Patrick Clancy und die Entdeckung des Tatorts
Im Plymouth Superior Court in Massachusetts befindet sich der aufsehenerregende Fall von Lindsay Clancy in den Händen der Geschworenen. Nach 22 Verhandlungstagen und fünf Wochen Zeugenaussagen von Ärzten, Ersthelfern, Verwandten und dem ehemaligen Ehemann blieben die Beratungen am Ende der Woche ohne Urteil, wie unter anderem aus Berichten von Associated Press hervorgeht. Die Geschworenen in dem vielbeachteten Prozess um Lindsay Clancy hätten in dieser Woche mit ihren Beratungen begonnen, bis zum Freitagnachmittag jedoch noch kein Urteil gefällt. In den vergangenen fünf Wochen habe die Jury Aussagen von Ärzten, Ersthelfern, Angehörigen und sogar dem ehemaligen Ehemann von Clancy gehört. Nun wäge sie die Frage ab, ob sie für die Tötung ihrer drei kleinen Kinder in ihrem Haus in Massachusetts im Jahr 2023 strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden sollte. Beide Seiten stimmten darin überein, dass Clancy die Tat begangen habe. Ihre Anwälte argumentierten jedoch, dass die ehemalige Entbindungs- und Hebammenpflegekraft zum Tatzeitpunkt an einer postpartalen Psychose gelitten habe und eine mangelhafte psychische Gesundheitsversorgung ihren Zustand verschlimmert habe. Die Staatsanwaltschaft argumentiere hingegen, dass sie die Tötungen absichtlich geplant habe. Sollte Clancy verurteilt werden, könnte ihre Strafe bis zu lebenslanger Haft betragen. Wird sie für nicht schuldig befunden, könnte sie freigelassen werden oder in einer psychiatrischen Einrichtung bleiben. Der Notruf von Patrick Clancy und die Entdeckung des Tatorts


Am ersten Tag der Zeugenaussagen schilderte der ehemalige Ehemann Patrick Clancy die Ereignisse jenes Tages im Januar 2023, an dem die drei Kinder Cora, Dawson und Callan starben. Patrick Clancy war zum Zeitpunkt des Todes ihrer Kinder mit Lindsay Clancy verheiratet, sie seien inzwischen jedoch geschieden. Er berichtete, dass er das Haus verlassen hatte, um Essen und Medikamente zu besorgen. Als er zurückkehrte, empfing ihn eine ungewöhnliche Stille. She killed the kids!
Patrick Clancy, Ehemann
Die Geschworenen hörten im Gerichtssaal die siebeneinhalbminütige Notrufaufnahme, in der Patrick Clancy den Rettungsdienst alarmierte und kurz darauf im Keller die leblosen Kinder entdeckte. Clancy, 36, hat sich in dem Verfahren wegen Mordes ersten Grades im Zusammenhang mit dem Tod ihrer drei Kinder, der fünfjährigen Cora, des dreijährigen Dawson und des acht Monate alten Callan, nicht schuldig bekannt. Clancy räumt ein, die Kinder am 24. Januar 2023 in ihrem Haus in Duxbury getötet zu haben. Danach habe sie sich die Kehle aufgeschnitten und sei aus einem Fenster gesprungen, wobei sie sich das Genick gebrochen habe. Psychische Krise, Medikamente und medizinische Behandlung im Fokus
Psychische Krise, Medikamente und medizinische Behandlung im Fokus
Der Kern des Verfahrens dreht sich um den psychischen Zustand der ehemaligen Entbindungs- und Hebammenpflegekraft. Während die Anklage unter der Führung von Staatsanwältin Jennifer Sprague argumentiert, dass Clancy wusste, was sie tat, und gezielt handelte, betont die Verteidigung um Rechtsanwalt Kevin Reddington eine schwere postpartale Psychose. Im Laufe wochenlanger Aussagen habe der Verteidiger Kevin Reddington versucht, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass Clancy in den Monaten vor den Tötungen eine schwer psychisch kranke Frau gewesen sei, die verzweifelt versucht habe, Hilfe zu bekommen. Die Aufzeichnungen zeigten, dass sie mehrere Ärzte aufgesucht, eine Telefonseelsorge angerufen und mehr als ein Dutzend Medikamente ausprobiert habe, in der Hoffnung, Linderung von den belastenden Gedanken zu finden, die sich in ihren Alltag drängten. Das System habe sie auf ganzer Linie im Stich gelassen, völlig überfordert von der Schwere ihrer Erkrankung, habe Reddington argumentiert. Der Fall drehe sich sehr wohl um die postpartale Betreuung von Frauen, habe er in seinem Plädoyer gesagt. In seinem Schlussplädoyer am Donnerstag habe er ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Experten der Anklage, die ausgesagt hatten, Clancy solle zur Verantwortung gezogen werden, Männer gewesen seien. Er erklärte, dass diese Männer in den Gerichtssaal kämen, die nicht einmal den Unterschied zwischen Psychose und Schizophrenie kennten, und fügte hinzu, dass sie auch postpartale Erkrankungen nicht verständen. Am 20. August hätten sich 400 dieser Frauen in Rosa gekleidet vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Susan Clancy erklärte, dass sie sich unwohl gefühlt habe, dass er unter Schlaflosigkeit gelitten habe, dass sie ihren Appetit verloren habe und dass sie sehr ängstlich und traurig gewesen sei. Beratungen der Jury und Beweismittel im Plymouth Superior Court

Beratungen der Jury und Beweismittel im Plymouth Superior Court
Die zwölf Geschworenen – neun Frauen und drei Männer – forderten im Laufe ihrer Beratungen Einblick in Beweismittel. Der zweite Tag der Beratungen der Geschworenen im Dreifachmordprozess gegen Lindsay Clancy habe am Freitag in Plymouth stattgefunden. Der Richter habe eine kurze Besprechung am Richterpult abgehalten, als die Jury eine Anfrage stellte. Clancys Verteidiger Kevin Reddington habe später bestätigt, dass die Jury einige Beweismittel einsehen wollte, darunter Tüten mit Pillenfläschchen. Reddington erklärte, es handele sich um ein Beweismittel, und fügte hinzu, dass die Jury Beweismittel sehen wolle, die sich in einer Tasche befänden und Beweismittel seien. Reddington habe zudem erklärt, die Jury habe darum gebeten, ein Messer zu sehen – ein blutiges Messer, das auf einem Nachttisch in Clancys Schlafzimmer sichergestellt worden sei. Sie hatte sich die Handgelenke und den Hals aufgeschnitten. Reddington habe sich nicht dazu äußern wollen, warum die Gegenstände wichtig seien. Er erklärte, er müsse die Position des Richters dazu respektieren, und fügte hinzu, er habe lediglich darauf hingewiesen, was die Jury sehen wolle, und das sei alles. Der Rechtsexperte von 7NEWS, Evan Gotlob, ist der Ansicht, dass die Jury nun nach Beweisen für eine vorsätzliche Planung suche, während sie sich methodisch durch die Anfangsphase des Prozesses arbeite. Gotlob erklärte, die Geschworenen könnten nach Hinweisen darauf suchen, dass sie die Taten geplant und keinen psychotischen Realitätsverlust erlitten habe. Gotlob sagte, dass dies wahrscheinlich eine gute Nachricht für die Staatsanwaltschaft sei, da sie lediglich nach diesen Beweisen gefragt habe.

Ein weiterer zentraler Punkt in den Beratungen ist die Frage von Halluzinationen. Der forensische Psychologe Paul Zeizel sagte aus, er habe im Krankenhaus gehört, wie Clancy äußerte, eine unkörperliche männliche Stimme habe ihr befohlen, die Kinder und sich selbst zu töten. Ein von der Anklage aufgerufener Rebuttal-Witness, Psychologe Kirk Heilbrun, äußerte hingegen Zweifel an diesen Halluzinationen und verwies auf Aussagen Clancys während der Tat. Sollte die Jury sie des Mordes ersten Grades schulden sprechen, droht Lindsay Clancy eine lebenslange Haftstrafe. Ein Freispruch könnte hingegen die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung zur Folge haben. Das Gericht wird die Beratungen fortsetzen.
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