Ein durch Stechmücken übertragenes Tropenvirus rafft in Deutschland und der Schweiz derzeit massenhaft Amseln dahin. Tropenmediziner und Vogelschutzorganisationen registrieren seit Spätsommer stark steigende Verdachtsfälle bei den Singvögeln. Für Menschen besteht nach Angaben von Experten allerdings keine akute gesundheitliche Gefahr.
Das aus Afrika stammende Usutu-Virus breitet sich in diesem Jahr in weiten Teilen Deutschlands und der Schweiz rasant aus. Besonders stark betroffen von der Seuche sind heimische Amselpopulationen, die nach Infektionen oft innerhalb weniger Tage verenden. Während Naturschützer und Tropenmediziner die Bevölkerung um dringende Fundmeldungen bitten, laufen in mehreren Speziallaboren genetische und virologische Untersuchungen auf Hochtouren, wie der Naturschutz feststellt.
Ausbreitung und neue Hotspots des Usutu-Virus
Die aktuelle Ausbruchswelle erfasst neben traditionell wärmebegünstigten Regionen zunehmend auch Gebiete, in denen das Virus bisher nicht aktiv war. So vermeldet das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg für die laufende Saison bereits eine hohe dreistellige Zahl an eingesandten Verdachtsfällen.
Fachleute führen den starken Anstieg vor allem auf klimatische Faktoren zurück. Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus begünstigt haben
, erklärt Lars Lachmann vom Naturschutzbund. Neben dem wärmeren Klima spielt auch die erhöhte Feuchtigkeit eine Rolle, die ideale Brutbedingungen für die übertragenden Stechmücken schafft. Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen
, warnt Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin angesichts der mückenreichen Witterung.
Symptome bei infizierten Singvögeln und regionale Schwerpunkte
In Deutschland verzeichnen die Behörden und Naturschutzorganisationen die meisten Meldungen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Wir haben die meisten Meldungen aus Niedersachsen, knapp dahinter ist dann Nordrhein-Westfalen
, so eine Verbandssprecherin. Das Virus breitet sich in den Regionen aus, wo es bisher nicht aktiv war, was zur Folge hat, dass lokale Populationen noch keinerlei Abwehrkräfte gegen den Erreger bilden konnten.

Situation in der Schweiz und das Infektionsgeschehen
Auch in der Schweiz häufen sich die Funde verendeter Amseln deutlich. Das Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit an der Universität Bern bestätigte nach Untersuchungen von Einsendungen aus verschiedenen Kantonen eine spürbare Häufung der Fälle. Die Meldungen über mehrere tote oder apathische Vögel waren für den Kanton Graubünden auffällig, schildert Sergio Wellenzohn vom dortigen Amt für Jagd und Fischerei. Die letzte vergleichbare Epidemie in der Alpenrepublik lag rund zwei Jahre zurück, während der Ursprung des Erregers auf das Jahr 2006 in Zürich und noch weiter zurückreichende Nachweise in Mitteleuropa Anfang der 2000er-Jahre zurückgeht.
Trotz der regional teils massiven Einbußen bei den Beständen – im Südwesten Deutschlands ging die Amselpopulation in Hauptausbruchsgebieten um etwa 15 Prozent zurück – gehen Fachleute nicht von einer grundsätzlichen Bedrohung der Art aus. Die Populationen erholen sich in der Regel über die folgenden Jahre wieder, wenn eine natürliche Immunität in der Tierwelt einsetzt.
Empfehlungen für Gartenbesitzer und Bürger
Gegen die Ausbreitung des Virus selbst gibt es keine direkten Bekämpfungsmittel. Experten raten jedoch dazu, stehendes Wasser in Topfuntersetzern oder Vogeltränken konsequent zu beseitigen, um den Bruträumen der Stechmücken den Nährboden zu entziehen. Wer einen kranken oder toten Vogel findet, sollte beim Umgang grundsätzliche Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

- Tote Tiere sollten niemals mit bloßen Händen, sondern ausschließlich mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte angefasst und entsorgt werden.
- Verendete oder auffällig apathische Vögel können bei Kreisveterinärämtern abgegeben oder für wissenschaftliche Untersuchungen an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin eingeschickt werden.
- Für den Menschen besteht nach aktuellem Kenntnisstand keine akute gesundheitliche Gefahr durch die von Stechmücken übertragenen Viren, auch wenn in sehr seltenen Einzelfällen leichte Symptome wie Fieber oder Hautausschlag möglich sind.
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