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China verbietet versteckte Türgriffe und ruft 4,3 Millionen Autos zurück

China hat mit einer beispiellosen Rückrufaktion von rund 4,3 Millionen Fahrzeugen reagiert, weil versenkbare Türgriffe und versteckte Notentriegelungen bei Unfällen Leben gefährden können. Betroffen sind neun Autohersteller, darunter Marktführer Tesla. Gleichzeitig verbietet die Volksrepublik das umstrittene Design ab Januar 2027 vollständig für Neufahrzeuge.

Ein unscheinbares mechanisches Detail im Fahrzeuginnenraum zwingt die Automobilbranche in China zu einer historischen Kehrtwende. Insgesamt 4,3 Millionen Fahrzeuge müssen nachgebessert werden, weil sich die mechanische Notentriegelung der Türen bei einem Stromausfall nach schweren Kollisionen kaum erkennen lässt. Es handelt sich laut übereinstimmender Berichterstattung um die größte Rückrufaktion, die China jemals erlebt hat.

Tesla dominiert die Massenrückrufe in Peking

Den Löwenanteil dieser massiven Serviceaktion trägt der US-Elektroautopionier Tesla, bei dem fast drei Millionen in China produzierte und importierte Fahrzeuge überprüft werden müssen. Die zuständige chinesische Marktaufsicht SAMR stellte fest, dass die manuellen Notöffnungen farblich kaum von der umliegenden Innenverkleidung zu unterscheiden sind. Betroffen sind dort rund 2,98 Millionen Einheiten der Typen Model 3, Model Y, Model S und Model X, wie die Aufsichtsbehörde bekannt gab.

Neben dem amerikanischen Branchenriesen trifft der Rückruf zahlreiche weitere Automobilmarken. Zu den betroffenen Herstellern zählen Xiaomi mit 390.435 betroffenen SU7-Modellen, Leapmotor mit 371.200 Fahrzeugen der Reihen C01 und C11 sowie Modelle von Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox, Lynk & Co und FAW, wie Branchenbeobachter detailliert aufführen.

Unfälle mit tödlichem Ausgang als Auslöser für die Regulierung

Hintergrund der drakonischen Maßnahmen sind verheerende Vorfälle, bei denen Insassen nach Unfällen in brennenden Elektroautos eingeschlossen blieben, weil weder die elektronische Entriegelung noch die manuellen Hebel funktionierten wie von den Rettern erwartet. Medienberichten zufolge kam es in China zu mehreren solchen Brandkatastrophen, unter anderem mit einem Fahrzeug der Marke Xiaomi SU7.

China verbietet versteckte Türgriffe und ruft 4,3 Millionen Autos zurück
Photo: Oberösterreichische Nachrichten

Auch in Deutschland sorgten ähnliche Tragödien für internationale Aufmerksamkeit und Druck auf die Behörden. Im September 2025 verbrannten ein 43-jähriger Fahrer und zwei neunjährige Schüler in einem Tesla bei Schwerte in Nordrhein-Westfalen, nachdem das Fahrzeug gegen einen Baum geprallt war und die automatische Entriegelung versagt hatte wie ein amtlicher Gutachter feststellte. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich bereits 2022 in Dobbrikow in Brandenburg, wo zwei 18-Jährige auf den Rücksitzen eines Model S starben.

Software-Updates und Warnaufkleber als Übergangslösung

Die technische Nachbesserung der Millionen Fahrzeuge fällt je nach Hersteller unterschiedlich aus, konzentriert sich jedoch vor allem auf deutlichere visuelle Hilfen. Tesla und andere Konzerne wollen die Notöffnungen mit unübersehbaren Warnmarkierungen versehen. Ergänzend dazu spielen die Hersteller automatisierte Over-the-Air-Updates ein, die dafür sorgen sollen, dass sich die Seitenfenster nach einer Kollision selbstständig absenken. Dadurch erhalten Ersthelfer und Passagiere einen physischen Zugang zum Innenraum, selbst wenn die Zentralelektronik ausfällt.

China verbietet versteckte Türgriffe und ruft 4,3 Millionen Autos zurück
Photo: BILD

Unabhängig von der aktuellen Rückrufaktion verschärft Peking die Gesetze für künftige Neufahrzeuge drastisch. Mit dem am 28. Januar 2026 veröffentlichten nationalen Standard GB 48001-2026 verbietet China versenkbare, bündig anliegende Türgriffe als weltweit erster Staat vollständig. Die neuen Vorgaben treten am 1. Januar 2027 in Kraft und verlangen mechanische Betätigungssysteme von innen und außen, die völlig unabhängig von der Stromversorgung funktionieren.

Zweiter Massenrückruf wegen Fahrerüberwachung

Tesla ist von einer zweiten, parallel laufenden Rückrufwelle betroffen, die ebenfalls rund 2,7 Millionen Fahrzeuge im Land umfasst und große Überschneidungen mit den betroffenen Haltern aufweist. Hierbei bemängeln die Behörden das System zur Fahrerüberwachung bei aktivierten Assistenzsystemen. Die bisherige Technik erkenne nicht zuverlässig genug, ob die am Steuer sitzende Person den Blick von der Fahrbahn abwende, weshalb das Unternehmen künftig verstärkt auf die Innenraumkameras zurückgreifen will.

China verbietet versteckte Türgriffe an Autos | Sicherheitsbedenken treffen Tesla und andere Elek…
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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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