Der Epic Games Store steht laut Marktbeobachtern unter massivem Druck, da eine geplante Launcher-Überarbeitung im Schatten von Steams Marktmacht womöglich zu spät kommt. Branchenanalysten bezweifeln eine Trendwende, während der Erfolg von Fortnite gleichzeitig neue Maßstäbe für plattformübergreifendes Marketing setzt.
Die angekündigte Generalüberholung des Epic Games Store kommt möglicherweise zu spät, um die Dominanz des Branchenprimus Steam noch ernsthaft zu gefährden. Emmanuel Rosier, Director of Market Intelligence beim Analyseunternehmen Newzoo, äußerte sich gegenüber Fachmedien skeptisch zu den Aussichten der Plattform. Epic arbeitet zwar an einer modernisierten Benutzeroberfläche mit schnellerem Zugriff, verbesserten Empfehlungen und integrierten Patch-Notizen. Viele Beobachter halten diese Anpassungen angesichts des jahrelangen Rückstands jedoch für überfällig.
Emmanuel Rosier und die Free-Games-Falle beim Epic Games Store
Im Zentrum der Analyse steht das Problem, dass die wöchentlichen Gratis-Spiele von Epic kaum nachhaltige Nutzerbindung erzeugen. Viele Spielerinnen und Spieler loggen sich demnach lediglich ein, um die kostenlosen Titel einzusammeln, nutzen die Launcher-Umgebung danach aber kaum aktiv. Deutsche Analystenberichte spiegeln diese Einschätzung wider und sprechen von einer reinen Sammelleidenschaft statt tatsächlichem Spielbetrieb.
Emmanuel Rosier, Director of Market Intelligence bei Newzoo, erklärte, er sehe ehrlich gesagt nicht, wie sie das Ruder noch herumreißen wollten, da Steam mittlerweile einfach allgegenwärtig sei. Der Epic Games Store locke die Leute mit kostenlosen Spielen an, doch die Nutzer loggten sich ein, schnappten sich die Gratisspiele und spielten sie am Ende nicht einmal, weshalb es fast nur noch ums Sammeln der Spiele und nicht mehr ums Zocken gehe.
Zudem führt die aggressive Strategie mit Gratis-Aktionen und Exklusivtiteln bisweilen dazu, dass Kaufentscheidungen schlicht auf die Konkurrenz gelenkt werden. Probierten Spieler bestimmte Titel wie Blood West bei Epic aus, kaufen sie diese laut Marktbeobachtern im Anschluss häufig doch auf Valves Plattform. Seit dem Start im späten Jahr 2018 versuchte Epic, mit einer reduzierten Umsatzbeteiligung für Entwickler massiv Marktanteile zu gewinnen. Gegen die unangefochtene Stellung von Steam reichte dies bislang jedoch nicht aus.
Fortnite als Marketing-Plattform und die Parallelen zu Konsolenplänen
Während der PC-Store nach Einschätzung der Analysten kaum noch Chancen auf eine Führungsrolle hat, bewertet der Newzoo-Analyst die Rolle von Epic als Entwickler deutlich positiver. Der anhaltende Fokus auf den Shooter Fortnite wird als zentraler Lichtblick gewertet. Die Einbindung von Crossover-Inhalten und Figuren aus anderen Publisher-Universen – darunter Sonic the Hedgehog, Pac-Man, Sora aus Kingdom Hearts oder Joker aus Persona 5 – hat den Titel zu einer umfassenden virtuellen Bühne gemacht.
Sie sind dabei, alles zu tun, was sie können, und ich denke, es funktioniert besser, wenn man den Zustand von Fortnite heute im Vergleich zu vor sechs Monaten oder einem Jahr betrachtet. Emmanuel Rosier, Director of Market Intelligence bei Newzoo
Fortnite funktioniert längst als eigenständige Plattform, auf der Publisher ihre eigenen Marken präsentieren können. Parallel dazu treibt das Unternehmen strategische Partnerschaften voran. So äußerte sich Steve Allison von Epic Games zuvor zu möglichen Expansionen, wonach die Integration des eigenen Stores auf Konsolenhardware wie bei Xbox grundsätzlich auf offene Ohren stoße und ein Start zum Tag der Veröffentlichung angestrebt werde.
Häufige Fronten und strategische Überlastung
Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Stagnation des Stores liegt nach Einschätzung von Marktkennern in der Verteilung der Unternehmensressourcen. Epic habe in den vergangenen Jahren versucht, Konflikte an zu vielen Fronten gleichzeitig auszutragen. Der Wettbewerb gegen Steam lief parallel zu juristischen und geschäftlichen Auseinandersetzungen mit Apple und Google Play im Mobilsektor. Dadurch seien wichtige Kräfte gebunden worden, die im Store-Segment fehlten.

Ob die angekündigten Verbesserungen am Launcher das Ruder noch einmal rumreißen können, bleibt fraglich. Der Markt zeigt sich unerbittlich, und die Nutzergewohnheiten rund um Steam sind tief verankert.
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