Ein massives Erdbeben der Stärke 7,4 hat weite Teile Westkolumbiens erschüttert und mindestens 132 Todesopfer gefordert, wie aktuelle Regierungsangaben belegen. Der kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella, der erst drei Tage vor der Katastrophe sein Amt antrat, hat den nationalen Notstand ausgerufen, um die Finanzierung der Wiederherstellungsmaßnahmen zu beschleunigen.
Ausmaß der Zerstörung und Opferzahlen
Nach offiziellen Angaben gibt es neben den mindestens 132 Toten etwa 570 Verletzte. Die Behörden warnen jedoch, dass die Zahl der Opfer steigen könnte, da viele Menschen unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermutet werden. Insgesamt kollabierten mindestens 61 Gebäude vollständig. Die Zerstörungen umfassen zudem 1.575 beschädigte Wohnhäuser, wovon 37 komplett zerstört wurden, sowie 52 Schulen und 18 Krankenhäuser.
Die betroffenen Regionen und Städte verzeichnen unterschiedliche Opferzahlen:
- Pereira (Risaralda): In der Hauptstadt der Kaffeeregion wurden mindestens 40 Tote gemeldet. In der Metropolregion kollabierten 65 Gebäude, wobei Menschen in 15 davon eingeschlossen sein sollen.
- Valle del Cauca: Gouverneurin Dilian Francisca Toro berichtete von mindestens 27 Todesopfern, darunter drei Kinder. In der Stadt Cali stürzten 32 Gebäude ein.
- Chocó: In der Region, in der das Epizentrum lag, bestätigte die Gouverneurin Nubia Córdoba-Curi 12 Tote und 84 Verletzte.
- Manizales: Hier wurden drei Tote und hunderte Verletzte gemeldet; zehn bis zwölf Gebäude stürzten ein.
Geologische Details und betroffene Infrastruktur
Das Beben ereignete sich am Montag, den 10. August 2026, um 07:34 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von etwa 103 Kilometern. Das Epizentrum lag nahe dem Dorf San José del Palmar in der Provinz Chocó, laut dem kolumbianischen geologischen Dienst. Es handelt sich dabei um das stärkste Erdbeben, das in den letzten zehn Jahren in Kolumbien registriert wurde. Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt Bogotá spürbar, etwa 400 Kilometer vom Epizentrum entfernt, und wurden auch in den Nachbarländern Venezuela, Ecuador und Panama wahrgenommen.

Die Infrastruktur wurde massiv beeinträchtigt. Sechs Flughäfen – in Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura – mussten den kommerziellen Flugverkehr aufgrund struktureller Schäden einstellen. Zudem sind 18 Straßen beschädigt, und die Strom- sowie Telefonversorgung ist in mehreren Gebieten unterbrochen.
Rettungsmaßnahmen und humanitäre Lage
Präsident de la Espriella hat ein Hauptkommando in Bogotá sowie regionale Kommandozentralen in Quibdó, Armenia und Cali eingerichtet. Schwerverletzte Patienten werden derzeit nach Medellín transportiert, da die dortigen Krankenhäuser über ausreichende Kapazitäten verfügen. In Pereira wurde in einigen Stadtteilen eine Ausgangssperre bis Dienstag 05:00 Uhr Ortszeit verhängt.

Besonders kritisch ist die Lage in der Provinz Chocó. Die Region gilt als eine der ärmsten Kolumbiens und weist eine hohe afrokolumbianische Bevölkerung auf. Während das Land Vorschriften für erdbebensicheres Bauen besitzt, werden diese insbesondere in wirtschaftlich schwachen Regionen oft nicht eingehalten, was das Ausmaß der Schäden verstärkte.
Kulturelle und historische Verluste
Neben der zivilen Infrastruktur wurden bedeutende Bauwerke beschädigt. In Manizales kollabierte die historische Metropolitan-Kathedrale Basilica of Our Lady of the Rosary teilweise, wobei auch ein Turm der Kathedrale beschädigt wurde. In Pereira zeigten verifizierte Aufnahmen den Einsturz eines Gebäudes auf der Plaza Bolívar, dem Hauptplatz der Stadt.
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