Eine neue Untersuchung von Mammutknochen deutet darauf hin, dass Menschen während der letzten Eiszeit vor allem weibliche Tiere jagten. Ein internationales Forscherteam kam zu diesem Ergebnis, nachdem es die Überreste von mehr als 500 Wollhaarmammuts in Nordamerika, Asien und Europa analysiert hatte, wie im Fachjournal „Current Biology“ berichtet wurde.”
Geschlechterverhältnis als Beleg für menschliche Aktivität
Im Zentrum der Studie stand die Frage, ob massive Ansammlungen von Mammutknochen natürlich entstanden sind oder das Resultat menschlicher Jagd waren. Laut David Díez del Molino von der Universität Stockholm, einem der Studienleiter, konnte diese jahrzehntealte Diskussion durch den Vergleich des Geschlechterverhältnisses in verschiedenen Kontexten vorangetrieben werden.
Die Analyse ergab signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Fundorten:
- Archäologische Kontexte: In Knochenanhäufungen, die ausschließlich aus Eurasien stammen und vermutlich auf Menschen zurückgehen, waren 70 Prozent der Tiere weiblich.
- Natürliche Umgebungen: Bei Fossilien von anderen Fundorten, bei denen die Überreste einzeln an vielen verschiedenen Stellen gefunden wurden, stammten hingegen 66,5 Prozent der Tiere von männlichen Individuen.
Aus diesen Daten leitet das Team ab, dass hauptsächlich menschliche Aktivitäten hinter den massiven Knochenanhäufungen stecken.
Methodik der genetischen Analyse
Das Forschungsteam um Hannah Moots von der Universität Stockholm untersuchte insgesamt das Erbgut von 521 Wollhaarmammuts. Dabei wurden 100 Genome aus größeren Ansammlungen gewonnen, für die es archäologische Hinweise auf menschliche Präsenz gab, wie beispielsweise Feuerstellen, die etwa 20.000 bis 30.000 Jahre alt sind. Die restlichen 421 Genome stammten von Tieren, deren Überreste isoliert gefunden wurden.

Mögliche Gründe für die Bevorzugung von Weibchen
Ob die Jäger der jüngeren Altsteinzeit die weiblichen Tiere bewusst anvisierten, ist laut der Studie nicht vollständig geklärt. Ein Faktor könnte die Körpergröße gewesen sein, da Weibchen kleiner als die männlichen Tiere waren und daher leichter als Beute gedient haben könnten. Zudem vermutet das Team, dass die Routen der von Weibchen geführten Herden für die Menschen berechenbarer waren als die der eher umherstreunenden Bullen.
Erstautorin Moots weist jedoch darauf hin, dass die Realität komplexer gewesen sein könnte. Sollten sich die Wollhaarmammuts ähnlich wie heutige Elefanten in matriarchalisch organisierten Herden bewegt haben, könnten Verteidigungsstrategien der Weibchen Begegnungen mit solchen Herden riskant oder sogar gefährlicher gemacht haben.
Das einzelgängerische Verhalten der Bullen könnte erklären, warum diese häufiger an Einzelfundstätten zu finden sind. Die Forscher vermuten, dass Männchen eher in gefährliches Terrain, wie etwa Erdrutschgebiete oder natürliche Fallen, vordrangen, wo ihre Knochen anschließend erhalten blieben.
Bedeutung der Mammuts und medizinischer Zufallsfund
Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) stellten für die Jäger und Sammler eine essenzielle Ressource dar. Sie lieferten nicht nur Fett, Fleisch und Fell, sondern auch Elfenbein, das für Schmuck und Werkzeuge verwendet wurde. Materialien der Tiere wurden zudem in Bestattungen integriert, beispielsweise in Form von Mammutschulterblättern oder Elfenbeinperlen.

Im Zuge der genetischen Untersuchungen machten die Wissenschaftler eine medizinische Besonderheit fest: Ein untersuchtes Tier wies eine mosaikartige Verteilung der Geschlechtschromosomen auf. In einigen Zellen besaß das Tier nur ein einzelnes X-Chromosom, während es in anderen den für Weibchen üblichen Satz von zwei X-Chromosomen hatte. Ein solches Krankheitsbild ist beim Menschen als n-tv.de bekannt. Laut der Studie ist dies der erste Bericht über ein solches Krankheitsbild bei einer ausgestorbenen Art.
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