In der künstlerischen Gymnastik basiert die finale Bewertung einer Übung auf dem Zusammenspiel zweier Hauptfaktoren: der Schwierigkeit und der Ausführung. Gemäß Informationen von bbc.co.uk werden diese durch den sogenannten D-Score (Difficulty) und den E-Score (Execution) abgebildet, die jeweils von multinationalen, durch den International Gymnastics Federation (FIG) zugelassenen Kampfrichterpanels bewertet werden.
Die Funktionsweise des D-Scores und E-Scores
Der D-Score beginnt bei null und steigt an, je anspruchsvoller die Übung ist; es gibt nach Angaben der BBC keine Obergrenze für diese Punktzahl. Die Werte basieren auf dem FIG Code of Points, in dem verschiedenen Elementen vordefinierte Werte von der Schwierigkeitsstufe A bis H-J zugeordnet sind. Während „basische Fertigkeiten der A-Stufe, wie ein Handstand oder eine Vorwärtsrolle, 0,1 Punkte einbringen, können „außergewöhnliche“, benannte Pionierbewegungen der Stufen H-J bis zu 0,8 oder 1,0 Punkte erreichen. Zusätzlich gibt es Punkte für die Komposition der Übung, um eine Balance der Fertigkeitstypen zu zeigen, sowie Verbindungspunkte für den fließenden Übergang zwischen den Elementen.”
Im Gegensatz dazu funktioniert der E-Score nach dem Prinzip des Punktabzugs. Jeder Athlet beginnt seine Übung mit einer perfekten 10, von der bei Fehlern abgezogen wird. Die Abzüge erfolgen in folgenden Schritten:
- 0,1 Punkte: kleine Fehler, wie ein geringer Balanceverlust.
- 0,3 Punkte: mittlere Fehler, wie ein signifikanter Balanceverlust.
- 0,5 Punkte: große Fehler, beispielsweise tiefe Hocke bei der Landung.
- 1,0 Punkt: schwere Fehler, wie Stürze.
Berechnungen und Sonderregeln
Die finale Punktzahl ergibt sich aus der Kombination von D-Score und E-Score, nachdem etwaige „neutrale Abzüge berücksichtigt wurden. Diese neutralen Abzüge betreffen Fehler, die nicht direkt mit der technischen Ausführung der Übung zusammenhängen, wie etwa das Verlassen der markierten Fläche, eine Überschreitung der Zeitvorgaben oder Verstöße gegen die Kleidungsvorschriften.
Eine Ausnahme bildet das Springen (Vault). Hier hat jede Übung einen vordefinierten D-Score, sodass lediglich der E-Score bewertet wird.
Benchmarks für Weltklasse-Leistungen
Für Ergebnisse, die zu einer Medaille führen, streben Athleten in der Regel Punktzahlen im Bereich von 14 bis 15 an. Weltklasse-Übungen können Werte im hohen 15er- oder niedrigen 16er-Bereich erreichen. So erzielte die US-Gymnastin Simone Biles während ihrer Dominanz bei den Olympischen Spielen 2016 beispielsweise Werte von 15,933 am Boden, 15,866 beim Springen, 15,433 am Schwebebalken und 14,966 an den Stummelbarren, was eine Gesamtwertung von 62,198 für die Goldmedaille ergab.
Historische Beispiele für hohe Einzelbewertungen finden sich auch bei Kai Zou. Der Gymnast aus Luzhou, der auf Boden und Reckenhänge spezialisiert war, erreichte bei den Spielen in Peking am 17. August am Boden eine Punktzahl von 16,050, womit er Gervasio Deferr (15,775) und Anton Golotsutskov (15,725) übertraf. Zwei Tage später gewann er am Reck mit einer Wertung von 16,200 die Goldmedaille, wobei er Jonathan Horton um 0,25 Punkte und Fabian Hambuechen um 0,325 Punkte schlug. Laut Olympics war Zou damit der erste Chinese seit Ning Li im Jahr 1984, der drei Goldmedaillen in der Gymnastik gewann.
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