Der ehemalige italienische Nationalspieler Andrea Pirlo ist am 27. Juli 2026 nicht mehr im Rennen um den Trainerposten der italienischen Nationalmannschaft. Grund für das Scheitern der Gespräche mit dem Fußballverband FIGC sind politische Bedenken wegen Pirlos kommerzieller Verbindungen zu dem russischen Wettunternehmen Fonbet.
Andrea Pirlo hat am Montag offiziell bestätigt, dass er kein Kandidat mehr für die Leitung der italienischen Nationalmannschaft ist. Der 47-jährige Weltmeister von 2006 war nach Absagen von Pep Guardiola und Carlo Ancelotti zum Favoriten auf die Nachfolge von Gennaro Gattuso aufgestiegen. Nun jedoch führten seine Rolle als globaler Markenbotschafter für den russischen Buchmacher Fonbet und entsprechende politische Widerstände zum Abbruch der Verhandlungen.
Die Fonbet-Verbindung und der Vorwurf der russischen Propaganda
Im Zentrum der Kontroverse steht ein Botschaftervertrag, den Pirlo im Oktober unterzeichnete. Diese Zusammenarbeit sei, so Pirlo in einer Instagram-Erklärung, ausschließlich kommerzieller und sportlicher Natur und eng mit seiner Tätigkeit als Trainer des United FC in Dubai verknüpft. Der Verein gehört dem russischen Milliardär Sergej Lomakin, der laut Berichten der Berliner Zeitung ebenfalls bedeutende Interessen an Fonbet hat.

Die Kritik verschärfte sich insbesondere nach einem Besuch Pirlos im Moskauer Luschniki-Stadion, wo er gemeinsam mit seinem ehemaligen Teamkollegen Marco Materazzi an einer Veranstaltung von Fonbet teilnahm. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno, kritisierte diesen Schritt scharf. Die Wahl Pirlos liefe laut Picierno in die exakt entgegengesetzte Richtung einer notwendigen kulturellen und ethischen Revolution im italienischen Fußball.
Jeder, der Russland nach 2022 gefördert hat oder dies tut, sollte kein nationales Amt bekleiden. Carlo Calenda, Vorsitzender der Partei Azione
Pirlo wies die politische Deutung seiner geschäftlichen Kontakte zurück. Er betonte, dass die Zuweisung einer politischen Bedeutung dieser Zusammenarbeit bedeute, ihm Überzeugungen zuzuschreiben, die er nie geäußert hat und die nicht zu ihm gehören.
Interne Krisen beim FIGC und die Rolle von Paolo Maldini
Das Scheitern der Personalie Pirlo könnte eine Kettenreaktion innerhalb des italienischen Fußballverbandes FIGC auslösen. Der neue technische Direktor Paolo Maldini, der sein Amt erst im Juli antrat, hatte sich gemeinsam mit seinem Berater Leonardo stark für Pirlo eingesetzt. Maldini bevorzugte den 47-Jährigen gegenüber anderen Optionen, da er ihn als jemanden sah, der eher bereit sei, neue Richtlinien umzusetzen und jüngere Spieler in einem offensiven System zu integrieren.

Er ist erst seit 16 Tagen im Amt und ist nun mit einer Situation konfrontiert, in der die politische Ebene massiven Einfluss auf die sportliche Entscheidung nimmt.
Reaktionen aus Moskau und politische Ablehnung in Rom
Während italienische Politiker wie Ignazio La Russa, der Senatspräsident, die Ernennung Pirlos als Sprung ins Ungewisse
bezeichneten, reagierte die russische Seite mit Unterstützung.
Die Suche nach einem neuen Nationaltrainer
Mit dem Ausscheiden Pirlos muss der FIGC seine Suche neu ausrichten. Da die Wunschkandidaten Guardiola und Ancelotti bereits abgesagt haben, rücken nun wieder Namen in den Fokus, die das Team bereits in der Vergangenheit geleitet haben.
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