Das Kernkraftwerk Golfech in Südfrankreich wurde am 22. Juni 2026 vorübergehend abgeschaltet, als die Temperatur des zur Kühlung genutzten Flusses Garonne die gesetzlich zugelassene Obergrenze von 28 Grad Celsius erreichte. Brid Nelligan, Sprecherin der französischen Energieversorgerin EDF, erklärte, dass dies eine „Vorsichtsmaßnahme“ sei, um Umweltvorschriften einzuhalten. Das Kraftwerk entnahm Wasser aus der Garonne und leitete es nach der Kühlung mit erhöhter Temperatur zurück – ein Prozess, der nun aufgrund der Hitzewelle eingeschränkt wird. EDF kündigte an, weitere Reaktoren im Land zu drosseln, darunter einen im Kraftwerk Nogent-sur-Seine, der am 23.”
Kernkraftwerke unter Druck
Laut Daten von Ember Energy mussten im Juli 2025 Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von mindestens sieben Gigawatt abgeschaltet werden – mehr als die gesamte Stromversorgung Irlands. Die Netzmanager des französischen Stromnetzes, RTE, gaben jedoch an, dass die aktuellen Einschränkungen im Vergleich dazu weniger gravierend seien und den Strombedarf in Frankreich nicht beeinträchtigen würden.
Erneuerbare Energien und Hitze
Die Rekordhitze beeinträchtigt nicht nur Kernkraftwerke, sondern auch erneuerbare Energien. Solaranlagen verlieren bei Temperaturen über 25 Grad Celsius an Effizienz, wobei jeder Grad Celsius über dieser Schwelle den Wirkungsgrad um 0,4 bis 0,5 Prozent senkt, wie Ioanna Vergini, Gründerin von wfy24.com, gegenüber Euronews Earth erklärte. Im vergangenen Sommer litten Solarparks in Spanien und Griechenland unter deutlichen Produktionsverlusten, während gleichzeitig der Bedarf an Klimaanlagen stark stieg. In einigen Regionen erreichten die Solarmodule Oberflächentemperaturen von 65 Grad, was den Stromertrag um fast 20 Prozent reduzierte.
Windkraftanlagen stoßen bei extremen Wetterbedingungen ebenfalls an ihre Grenzen.
Klimawandel und Energieversorgung
Die Herausforderungen für das Stromnetz sind in der Zukunft voraussichtlich noch stärker, da der Klimawandel zu häufigeren und intensiveren Hitzewellen führt. Jean-Paul Harreman, Direktor des Energieinformationsdienstleisters Montel, betonte, dass der gestiegene Kühlbedarf der Hauptfaktor für die Belastung des europäischen Stromnetzes sei. Selbst Länder, die in der Vergangenheit kaum auf Kühltechnologien zurückgegriffen haben, setzen nun verstärkt auf Klimaanlagen – in Großbritannien hat die Nutzung von Klimaanlagen sich seit 2022 verdoppelt.
Zukünftige Herausforderungen
Die aktuelle Hitzewelle unterstreicht die Notwendigkeit, die Resilienz der Energieversorgung zu stärken. Experten warnen, dass sowohl Kernkraftwerke als auch erneuerbare Energien aufgrund des Klimawandels weiteren Anpassungen unterliegen werden. Die Herausforderung besteht darin, die Energieerzeugung zu diversifizieren und gleichzeitig die Auswirkungen extremer Wetterbedingungen zu minimieren. Die Zukunft der Energieversorgung hängt davon ab, wie gut Systeme auf die zunehmenden klimatischen Belastungen reagieren können.
Die Rekordhitze von 2026 hat gezeigt, dass das europäische Stromnetz unter Druck steht. Während Kernkraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden, müssen erneuerbare Energien ihre Effizienz steigern, um den Bedarf zu decken. Die langfristige Strategie wird auf Innovationen und angepasste Infrastrukturen abzielen, um klimatische Extremereignisse zu bewältigen.
