Iran bereitet am Freitag, den 3. Juli 2026, die mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei vor. Der 86-jährige Kleriker wurde am 28. Februar bei US-israelischen Luftangriffen getötet. Die Regierung erwartet Millionen von Trauernden in Teheran, um nationale Stärke und Widerstandskraft gegenüber dem Westen und Israel zu demonstrieren.
Die Dimension der Trauerfeierlichkeiten in Teheran
Die iranische Theokratie plant eine Inszenierung, die in ihrem Ausmaß an die Beisetzung von Ayatollah Ruhollah Khomeini im Jahr 1989 erinnern soll. Laut NBC News erwarten die Organisatoren zwischen 15 und 20 Millionen Menschen in der Hauptstadt. Der Bürgermeister von Teheran bezeichnete die bevorstehenden Ereignisse als möglicherweise das größte Einzelereignis in der modernen Geschichte der Stadt.
Die Feierlichkeiten beginnen am Samstag in Teheran und enden am Donnerstag mit der Beisetzung in Mashhad. Mohammad Reza Aref, der erste Vizepräsident und Leiter der Funeral-Organisation, beschrieb die Zeremonie gegenüber The Guardian als „das wichtigste Ereignis dieses Jahrhunderts“ und die am stärksten besuchte Veranstaltung seit der Revolution von 1979.
Um die Massen zu bewältigen, wurde der öffentliche Nahverkehr kostenlos gestellt. Autofahrer werden angewiesen, ihre Fahrzeuge an den Stadträndern zu parken und mit Bussen ins Zentrum zu fahren. Während Geschäfte am Freitag noch geöffnet waren, wird erwartet, dass sie während der offiziellen Trauerzeit geschlossen bleiben.
Die Rolle von General Ahmad Vahidi und der IRGC
Ein zentrales Signal der Macht ist das überraschende Erscheinen von General Ahmad Vahidi, dem Chef der paramilitärischen Islamischen Revolutionsgarde (IRGC). Vahidi, der monatelang aus der Öffentlichkeit verschwunden war, wurde laut Berichten der Associated Press bei einem Treffen zur Planung der Beerdigung sowie bei einer kleineren Gedenkfeier in der Nähe des ehemaligen Wohnsitzes Khameneis gesichtet.

Unter der Führung Khameneis entwickelte sich die IRGC zur dominierenden militärischen, politischen und wirtschaftlichen Kraft des Landes. Die Präsenz Vahidis soll die Kontinuität der Machtstrukturen demonstrieren, während das Regime versucht, seinen Einfluss auf die Straße von Hormus in den Verhandlungen mit den USA über ein dauerhaftes Kriegsende zu nutzen.
„Solange diese Menschen, die (von Gott) auserwählt sind, im Einsatz sind, werden wir definitiv die gleiche Politik des ‚Nein zur Demütigung‘ fortsetzen, die von der Islamischen Republik begründet wurde.
Das Schicksal von Mojtaba Khamenei und die Nachfolge
Trotz zahlreicher Plakate, die die Kontinuität zwischen dem verstorbenen Führer und seinem Sohn Mojtaba Khamenei suggerieren, wird der neue Oberste Führer nicht an der Beerdigung teilnehmen. Mojtaba, 56, wurde bei dem Angriff am 28. Februar schwer verletzt. Bisher gab er nur schriftliche Erklärungen ab; sein genauer Gesundheitszustand bleibt ungewiss.
Der Luftschlag gegen die Regierungsresidenz in Teheran gegen 8:00 Uhr Ortszeit forderte zahlreiche Opfer im engsten Familienkreis.
- Eine Tochter des Obersten Führers
- Ein Schwiegersohn
- Eine 14 Monate alte Enkeltochter
- Die Ehefrau von Mojtaba Khamenei
Die Instabilität der Nachfolge wird durch externe Drohungen verschärft. Israel Katz, der israelische Verteidigungsminister, drohte diese Woche öffentlich, Mojtaba Khamenei sei „für den Tod markiert“. Diese Äußerungen führten laut The Guardian dazu, dass Hardliner im Iran eine Überprüfung der Fatwa gegen den Besitz von Kernwaffen forderten.
Geopolitische Signale und die Symbolik des Widerstands
Die Trauerfeierlichkeiten sind weniger als privater Abschied, sondern als politische Botschaft konzipiert. Ein markantes Detail ist die rote Flagge mit der weißen Kalligrafie „Ya Hussein“, die über dem Sarg in Teheran wehte. Diese Flagge, die ursprünglich aus dem Schrein von Karbala im Irak stammt, symbolisiert im schiitischen Glauben sowohl das vergossene Blut eines ungerecht getöteten Menschen als auch einen Aufruf zur Rache.
Die zeitliche Planung ist ebenfalls symbolisch: Die öffentlichen Feiern beginnen am Samstag, genau an dem Tag, an dem die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung feiern. Zudem wird der Leichnam auf Wunsch irakischer Politiker durch die schiitischen Städte Karbala und Nadschaf getragen, um die regionale religiöse Bindung zu stärken.
„Wir müssen aufstehen und dem Ausland den Ruf der Nation nach Blutvergießen übermitteln, damit die Welt weiß, dass die ehrenhafte und edle Nation des Iran angesichts von Unterdrückung und Arroganz nicht schweigen und das Blut ihres Imams nicht opfern wird.
Die iranische Führung setzt darauf, dass die Trauer die Bevölkerung hinter dem Regime eint. Dies erfolgt jedoch vor dem Hintergrund massiver Proteste im Januar, die durch ein tödliches Vorgehen der Sicherheitskräfte mit Tausenden von Toten endeten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Inszenierung der nationalen Einheit die tiefen inneren Risse der Republik überdecken kann oder ob die Drohungen aus Israel und die Instabilität an der Spitze neue Spannungen provozieren.
Die Sicherheitskräfte haben in Teheran weitreichende Straßensperren und Kontrollen eingerichtet. Während die offizielle Trauerzeit läuft, wird die Welt beobachten, ob der neue Führer Mojtaba Khamenei endlich öffentlich auftritt oder ob die Macht faktisch in die Hände der IRGC und Generäle wie Vahidi übergegangen ist.
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