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Photovoltaik: Direktvermarktung bedroht privaten Solarboom

Die Bundesregierung plant, die feste Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen unter 25 kW ab 2027 weitgehend abzuschaffen. Stattdessen sollen Betreiber ihren Strom über die Direktvermarktung handeln. Laut Analysen des Thinktanks Agora Energiewende droht dadurch ein Markteinbruch bei privaten Dachanlagen, da die Betriebskosten für viele Haushalte massiv steigen.

Die Kostenfalle der Direktvermarktung für Privathaushalte

Die Kostenfalle der Direktvermarktung für Privathaushalte
Photo: pv magazine Deutschland

Der Wechsel von einer fixen Vergütung hin zum freien Markt klingt nach Liberalisierung, ist für den Durchschnittsbürger jedoch ein finanzielles Risiko. einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zeigt, dass die Umstellung auf Direktvermarktung die Betriebskosten für einen Vier-Personen-Haushalt in einem Bestandsgebäude jährlich um 185 bis 277 Euro erhöhen würde.

Der Haupttreiber dieser Mehrkosten sind die Dienstleistungsgebühren. Da kleine Anlagen den Strom nicht selbst an der Börse verkaufen können, müssen sie Dienstleister beauftragen. Diese Kosten belaufen sich derzeit auf rund 140 Euro pro Jahr.

Damit Anlagen ohne extrem hohen Eigenverbrauch wirtschaftlich bleiben, müssten diese Vermarktungskosten laut Agora auf unter 50 Euro im Jahr sinken. Ohne diese Reduktion wird die Installation einer Solaranlage vor allem für Haushalte unattraktiv, die weder eine Wärmepumpe noch ein Elektroauto besitzen.

Nulleinspeisung: Ein teurer Ausweg aus der Bürokratie

Nulleinspeisung: Ein teurer Ausweg aus der Bürokratie
Photo: Solarserver

Einige Betreiber erwägen als Reaktion den vollständigen Verzicht auf die Netzeinspeisung. Das Konzept der Nulleinspeisung entbindet den Besitzer zwar von der Suche nach Direktvermarktern und spart die Kosten für Steuerungseinrichtungen in Höhe von etwa 50 Euro pro Jahr.

Die wirtschaftliche Bilanz ist jedoch oft schlechter als bei der Direktvermarktung. Die Mehrkosten gegenüber dem aktuellen Status quo mit fester Vergütung lägen hier laut der ISE-Studie zwischen 281 Euro bei hohem und bis zu 333 Euro bei geringem Eigenverbrauch.

Trotz der finanziellen Nachteile bietet dieser Weg eine organisatorische Vereinfachung: Wer keinen Strom ins Netz schickt, muss sich weder mit unsicheren Marktpreisen noch mit externen Dienstleistern auseinandersetzen. Dennoch bleiben Melde- und Anmeldepflichten sowie die Notwendigkeit eines intelligenten Messsystems bestehen.

Agora fordert längere Übergangsfristen bis 2030

Photovoltaik in Verbindung mit der Direktvermarktung | Süwag

Der aktuelle Gesetzentwurf sieht einen Übergang von zwei Jahren vor. In dieser Phase würden kleine Anlagen den durchschnittlichen solaren Marktwert eines Jahres erhalten. Experten halten diesen Zeitraum für zu kurz, um die notwendige Infrastruktur aufzubauen.

„Die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte. Die Bundesregierung kann die EEG-Novelle jetzt nutzen, um die Marktintegration kleiner PV-Dachanlagen gut vorzubereiten.“
Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland

Um einen Markteinbruch zu verhindern, schlagen die Vorschläge des Thinktanks Agora Energiewende eine Verlängerung der fixen Einspeisevergütung um vier Jahre vor. Die Kosten für diese Verlängerung bis 2030 würden etwa 160 Millionen Euro an zusätzlichen Förderkosten betragen.

Im Kontext der gesamten EEG-Förderung, die derzeit jährlich rund 8 Milliarden Euro umfasst, ist dies ein geringer Betrag. Die Ausgaben werden ohnehin sinken, da teure Altanlagen aus dem System fallen; bis 2035 könnten die EEG-Kosten auf etwa 1,5 Milliarden Euro schrumpfen.

Das Risiko für die Energiewende und soziale Gerechtigkeit

Die geplanten Änderungen treffen vor allem einkommensschwächere Haushalte. Während Besitzer von Elektroautos und Wärmepumpen weiterhin von Solarsystemen profitieren, wird die Anlage für einfache Bestandsgebäude oft unrentabel.

Das Segment der kleinen Dachanlagen ist systemrelevant: Es macht derzeit rund 30 Prozent der gesamten installierten Solarleistung in Deutschland aus. Ein Einbruch in diesem Bereich würde die nationalen Ausbauziele gefährden.

Die Verunsicherung in der Branche und bei Verbrauchern ist bereits spürbar. In Bayern führten die Pläne bereits zu Diskussionen in Glonn, wo unter dem Titel „Last-Minute-Solardach 2026“ über die Folgen der Politik debattiert wird.

Für eine erfolgreiche Marktintegration müssten laut Agora drei technische Voraussetzungen geschaffen werden:

  • Standardisierte digitale Schnittstellen zwischen den Anlagen und dem Strommarkt.
  • Ein flächendeckender Ausbau von Smart-Metern.
  • Klar definierte Umsetzungsfristen für die Netzbetreiber.

Ohne diese Maßnahmen wird der Weg in die Direktvermarktung weniger eine Marktöffnung als vielmehr eine finanzielle Hürde für den privaten Solarausbau.

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Das Risiko für die Energiewende und soziale Gerechtigkeit
Photo: SZ.de
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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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