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Unternehmen

Abzocker-Initiative verpufft: Manager kassieren Millionen mehr

Die 2013 lancierte «Abzocker-Initiative» verliert in der Schweiz massiv an Wirkung, da langfristige Bonus- und Aktienprogramme die offiziell ausgewiesenen Managergehälter weit übersteigen. Laut Berichten erhalten Spitzenmanager wie der ehemalige Holcim-Chef Jan Jenisch durch verzögerte Optionen Summen, die um ein Vielfaches über den jährlichen Geschäftsberichten liegen.

Die massive Diskrepanz bei den Managergehältern

Die ursprüngliche Absicht der «Abzocker-Initiative» war es, die Vergütungen von Konzernchefs in der Schweiz zu begrenzen. Doch eine Analyse der SonntagsZeitung zeigt, dass die Wirkung der Vorlage weitgehend verpufft ist. Der Grund liegt in komplexen, langfristigen Bonus- und Aktienprogrammen, die es Führungskräften ermöglichen, Jahre nach der offiziellen Zusage zusätzliche Millionenbeträge zu kassieren. Besonders drastisch fällt die Differenz bei Jan Jenisch aus, dem ehemaligen Chef von Holcim. Während sein Geschäftsbericht für das Jahr 2024 eine Vergütung von 5,1 Millionen Franken ausweist, schätzt die Stiftung Ethos, dass er effektiv rund 48 Millionen Franken erhalten hat. Diese enorme Differenz resultiert aus leistungsabhängigen Optionen, die bereits im Jahr 2020 zugesprochen und im Jahr 2025 ausgeübt wurden.
ManagerUnternehmenOffizielle VergütungGeschätzte Auszahlung
Jan JenischHolcim5,1 Mio. CHF~48 Mio. CHF
Vasant NarasimhanNovartis15 Mio. CHF~25 Mio. CHF
Mario GrecoZurich Insurance10,4 Mio. CHF~15,5 Mio. CHF
Auch bei anderen Grosskonzernen wie Novartis und Zurich Insurance klaffen die Zahlen weit auseinander. Bei Novartis erhielt CEO Vasant Narasimhan laut Berichten tatsächlich fast 25 Millionen Franken, obwohl offiziell nur 15 Millionen ausgewiesen wurden. Bei der Zurich Insurance belief sich die effektive Vergütung von CEO Mario Greco auf rund 15,5 Millionen Franken, statt der offiziell gemeldeten 10,4 Millionen. Selbst bei der UBS ist die wahre Vergütung von CEO Sergio Ermotti noch nicht vollständig abgebildet. Sein langfristiger Bonusplan wird erst im Jahr 2027 fällig. Aufgrund des gestiegenen Aktienkurses wird der aktuelle Wert dieses Programms auf etwa 20 Millionen Franken geschätzt, was seine effektive Vergütung für das Jahr 2023 auf insgesamt rund 30 Millionen Franken heben würde.

Versagen der Klimapläne und der Selbstregulierung

Parallel zu den Fragen der Vergütung steht die Schweizer Wirtschaft unter Druck, ihre Nachhaltigkeitsziele einzuhalten. Eine Auswertung der Stiftung Ethos ergab, dass die Selbstregulierung in der Klimaberichterstattung weitgehend versagt hat. Von 129 untersuchten Unternehmen aus dem SPI-Index weisen lediglich 44 Unternehmen Klimapläne auf, die mit dem Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad vereinbar sind. Vincent Kaufmann, Direktor der Stiftung Ethos Kaufmann kritisiert dabei insbesondere den Schweizer Weg der Selbstregulierung. Während die EU strengere Vorgaben macht, setzt die Schweiz auf freiwillige Regeln, was laut Ethos nur für die „guten Schüler“ funktioniere. Die Bankenbranche hingegen verteidigt diesen Ansatz. Lena Dringel von der Schweizerischen Bankiervereinigung betont, dass die Selbstregulierung Flexibilität schaffe und die Branche sich noch in einer frühen Phase der Erstellung von Klimaplänen befinde.

Sinkendes Vertrauen der Aktionäre in ESG-Daten

Sinkendes Vertrauen der Aktionäre in ESG-Daten
Photo: it boltwise
Die mangelnde Substanz der Berichterstattung spiegelt sich auch in den Abstimmungsergebnissen der Aktionäre wider. Wie IT Boltwise berichtet, ist die durchschnittliche Zustimmung zu ESG-Berichten (Environment, Social, Governance) in der Schweiz auf 94 Prozent gesunken. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 95 Prozent im Vorjahr und 97 Prozent im Jahr 2022. Besonders bei einzelnen Unternehmen ist die Unzufriedenheit spürbar. Während viele Berichte im Bereich
durchschnittlich akzeptiert
liegen, werden andere
deutlich kritisiert
. Ascom und die Genfer Kantonalbank erreichten lediglich eine Zustimmung von 74 Prozent. Auch der Bekleidungshersteller Calida (75 Prozent) und die Swiss Marketplace Group (78 Prozent) verzeichneten schwächere Ergebnisse. Aktionäre betrachten diese Berichte zunehmend nicht mehr als Marketingmaterial, sondern als Compliance-Dokumente. Der Fokus verschiebt sich von der reinen Veröffentlichung hin zur Validität und Prüfbarkeit der Daten. Unternehmen müssen nun massiv in ihre Datenpipelines investieren, um sicherzustellen, dass Kennzahlen aus verschiedenen Quellen – etwa aus dem Energiemanagement oder den HR-Systemen – konsistent und nachvollziehbar sind.

Strategische Risiken für die Schweizer Corporate Governance

Die aktuelle Entwicklung offenbart eine tiefe Kluft in der Schweizer Corporate Governance. Auf der einen Seite stehen die massiven, oft intransparenten Auszahlungen an Top-Manager, die den Geist der «Abzocker-Initiative» unterlaufen. Auf der anderen Seite steht eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die zwar existiert, aber oft nicht die nötige Tiefe und Verlässlichkeit besitzt, um das Vertrauen der Investoren langfristig zu sichern. Für die Unternehmen bedeutet dies ein wachsendes Risiko. Werden die Diskrepanzen bei den Managergehältern nicht durch transparentere Strukturen korrigiert, könnte der politische Druck auf strengere staatliche Regulierungen zunehmen. Gleichzeitig wird die Qualität der ESG-Daten zum entscheidenden Faktor für die Akzeptanz durch institutionelle Anleger, die Klimapläne als zentrales Instrument zur Risikobewertung nutzen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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