Eine extreme Hitzewelle führt im Juni 2026 in der Schweiz zu massiven Ernteausfällen bei Gemüse und Kartoffeln. Landwirte wie Thomas Wyssa melden bis zu 40 Prozent Verlust bei Spinat, während die nationale Versorgungssicherheit laut Fenaco auf 42 Prozent gesunken ist. Die anhaltende Trockenheit zwingt Betriebe zu teurer Grundwasserbewässerung und angepassten Arbeitszeiten.
Ernteverluste und Pilzbefall im Seeland
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Im Kanton Freiburg kämpft der Gemüsebauer Thomas Wyssa mit den Folgen des heissesten Junis seit Messbeginn. Auf seinem 50 Hektar grossen Betrieb in Galmiz sind besonders sensible Kulturen betroffen. Wie watson berichtet, schätzt Wyssa, dass 40 Prozent des gesäten Spinats abgestorben sind, insbesondere dort, wo sandige Böden die Hitze stärker binden.
Die extremen Temperaturen verursachen nicht nur direktes Absterben, sondern schaffen auch neue Eintrittspforten für Krankheiten. Lauchzwiebeln zeigen gelbliche bis bräunliche Verfärbungen, die an Sonnenbrand erinnern. Diese geschädigten Blattspitzen begünstigen den Befall durch die Blattfleckenkrankheit, einen Pilz, der eine Kombination aus Hitze und Feuchtigkeit bevorzugt. Für Wyssa entsteht hier ein Teufelskreis: Da es kaum regnet, muss er intensiv bewässern, was wiederum die idealen Bedingungen für den Pilz schafft.
Auch bei den Radieschen treten schwarze Punkte auf, die auf einen Pilzbefall hindeuten. Die betroffenen Waren sind unverkäuflich, was die Betriebe dazu zwingt, nicht befallene Bestände in Noternte-Aktionen schnellstmöglich einzubringen.
Nachtarbeit und teures Grundwasser als Überlebensstrategie
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Um die Ernten zu retten, verschieben Landwirte ihre Arbeitszeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden. Heinz Rohner aus Balgach im Kanton St. Gallen beginnt seinen Arbeitstag bereits um fünf Uhr morgens.
Wir beginnen jetzt um fünf Uhr morgens, arbeiten bis zum Mittag, machen am Nachmittag je nach Möglichkeit etwas im Schatten oder drinnen und gehen am Abend nochmals raus. Wir machen jetzt Siesta wie die Italiener.
Heinz Rohner, Gemüsebauer, via 20 Minuten
Die Bewässerung erfolgt fast ausschliesslich nachts, da die Verdunstungsverluste am Tag zu hoch sind. Da die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen in vielen Regionen untersagt ist, weichen Bauern wie Rohner auf Grundwasser aus. Diese Lösung ist deutlich kostspieliger, bleibt aber derzeit die einzige tragbare Option.
Besonders kritisch ist die Situation beim Kartoffelanbau. Christoph Hagenbuch aus Oberlunkhofen berichtet, dass sich aufgrund der Trockenheit bereits unförmige Knollen bilden. Solche Qualitätsmängel machen die Kartoffeln für den normalen Markt unverkäuflich. Während Regionen wie das Zürcher Oberland teilweise besser dastehen, leiden trockenere Böden, etwa im aargauischen Fricktal, deutlich stärker.
Niedrigwasser in den Seen und Bewässerungsverbote
Der Bauer stirbt aus
Die landwirtschaftlichen Probleme sind Teil einer grossflächigen hydrologischen Krise. Am Bodensee und Walensee ist der Wasserstand so tief wie zu dieser Jahreszeit seit mindestens 30 Jahren nicht mehr, wie WetterOnline meldet.
Die Wasserknappheit hat bereits zu konkreten Einschränkungen geführt:
Viele Gemeinden rufen die Bevölkerung zum Wassersparen auf.
Erste Gemeinden haben offizielle Bewässerungsverbote verhängt.
Bäche in verschiedenen Regionen sind zu Rinnsalen geschrumpft.
Kurzfristige Entlastung ist kaum in Sicht. Zwar werden für die neue Woche Regen- und Gewittergüsse im Mittelland und der Nordwestschweiz erwartet, doch mit durchschnittlich 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter ist die Menge zu gering, um die tiefen Bodenreserven aufzufüllen. Experten gehen davon aus, dass die Trockenheit bis weit in den Juli hinein anhalten wird.
Sinken der nationalen Versorgungssicherheit auf 42 Prozent
Die lokalen Ernteausfälle spiegeln sich in einer alarmierenden Entwicklung der nationalen Statistiken wider. Michael Feitknecht, Geschäftsleiter der Fenaco Genossenschaft, warnt vor einer massiv sinkenden Ertragssicherheit in der Schweiz.
Die Versorgungssicherheit ist laut SRF von zuvor über 50 Prozent auf aktuell rund 42 Prozent gefallen. Besonders bei Kartoffeln seien die Schwankungen bei den Erträgen riesig geworden, obwohl die Anbauflächen stabil bleiben.
Diese Volatilität hat direkte Auswirkungen auf die Lieferketten und die Preise. Feitknecht rechnet damit, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte tendenziell steigen werden. Neben dem Wetter belasten zudem geopolitische Krisen die Branche, insbesondere durch volatile Energiepreise und angespannte Lagen bei Düngemitteln.
Um die Abhängigkeit von externen Faktoren zu verringern, setzt die Fenaco auf eine Strategie der Dezentralisierung. Dazu gehören Investitionen in Photovoltaik, Biogas und Pellets, um die Energieproduktion unabhängiger zu gestalten.
Die aktuelle Lage zeigt die Verwundbarkeit der Schweizer Gemüsekammer Seeland. Mit knapp einem Viertel des heimischen Gemüses, das hier produziert wird, haben Ernteausfälle in dieser Region unmittelbare Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und die Kosten von Grundnahrungsmitteln im gesamten Land.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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