Österreichische Krankenhäuser kämpfen am 27. Juni 2026 mit extremer Hitze, wobei die Temperaturen in einigen Salzburger Patientenzimmern bis zu 40 Grad erreichen. Während Neubauten oft geschützt sind, leiden Patienten und Personal in Altbauten unter der Belastung. Die Kliniken setzen auf Hitzeschutzpläne, da mobile Kühlgeräte aus hygienischen Gründen verboten sind.
Temperaturspitzen bis 40 Grad: Die Belastung in Salzburger Kliniken
Photo: News.at
In den Salzburger Landeskliniken (SALK) führt die aktuelle Hitzewelle zu extremen Bedingungen in den Innenräumen. Besonders betroffen sind Gebäude in schlechtem baulichem Zustand, wobei einige Häuser im Kern bis zu 330 Jahre alt sind. Laut salzburg24 klettern die Temperaturen in Patienten- und Personalräumen in Spitzenzeiten auf bis zu 40 Grad.
Selbst jüngere Bauwerke bieten keinen vollständigen Schutz. Die Chirurgie West heizt sich aufgrund ihrer großen Glasfassade extrem auf, weshalb dort derzeit eine Sonnenschutzkonstruktion installiert wird.
„Die Hitze im Krankenhaus ist eine reale Belastung – sowohl für Patienten als auch für Mitarbeiter“
Christian Blaschke, Sprecher der Salzburger Landeskliniken (SALK)
Ein kritisches Problem stellt die Hygiene dar. In der direkten Umgebung der Patienten sind mobile Klimageräte oder Ventilatoren untersagt. Der Grund dafür ist, dass diese Geräte Keime aufwirbeln und im Raum verteilen könnten. Stattdessen setzen die Kliniken auf sogenannte „Cooling Zones“, gezielte technische Kühlung belasteter Bereiche und Hitzeschutzbeauftragte.
Im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach ist die Strategie differenziert: Während das Kinderspital vollständig klimatisiert ist, verfügen Operationssäle und Labore über Lüftungssysteme. In älteren Gebäuden wurden Kälteregister in die Ganglüftungen integriert, um auch die Patientenzimmer zu entlasten. Ein neues Gebäude, das Haus E, soll 2027 in Betrieb gehen und integriert Hitzeschutz von Beginn an in die Planung.
Wiener Strategie: Zwischen Nebelduschen und Fernkälte
Photo: salzburg24
In Wien verfolgt das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker einen zweistufigen Ansatz. Kurzfristige Maßnahmen konzentrieren sich auf die unmittelbare Linderung, etwa durch die Anpassung der Ernährung, den Verzicht auf Outdoor-Aktivitäten während der Mittagshitze und die Installation von Nebelduschen.
Langfristig setzt der Wiener Gesundheitsverbund auf bauliche Modernisierungen. Wie News.at berichtet, werden die Pavillon-Spitäler Ottakring, Hietzing und Favoriten derzeit als Zentralgebäude neu errichtet, wobei die Gebäudekühlung eine zentrale Rolle spielt.
Eine vollständige Klimatisierung aller Räume ist jedoch weder geplant noch möglich. Gründe hierfür sind der hohe Energieverbrauch, die Anforderungen an die Krankenhaushygiene sowie die Architektur offener Räume und häufig geöffneter Eingänge. Die Vollklimatisierung bleibt daher auf kritische Bereiche beschränkt:
Operationssäle und Intensivstationen
Untersuchungs- und Behandlungsräume
Labore und Röntgenbereiche
Apotheken und die Zentralküche
Zur Unterstützung werden in Wien Kühlsysteme auf Basis von Fernkälte, das Einblasen vorgekühlter Luft und sonnenstandgesteuerte Beschattungen eingesetzt.
Systemische Lücken und politische Forderungen
Keine Kühlung: Kommt jetzt die Zeitenwende bei Klimaanlagen? | quer vom BR
Trotz regionaler Maßnahmen weisen Experten auf strukturelle Mängel hin. Daniel von Langen von der Ärztekammer betonte gegenüber dem ORF, dass in vielen Spitälern die Stationen nicht ausreichend klimatisiert seien. Dies beeinträchtige insbesondere die Versorgung sehr junger und sehr alter Patienten sowie die Leistungsfähigkeit des Personals.
Ein massives Problem bei der Bewältigung der Krise ist das Fehlen einer nationalen Datenbasis. Aktuell gibt es keine genauen Daten darüber, wie viele Krankenhäuser in Österreich tatsächlich klimatisiert sind. Andrea Schmidt von Gesundheit Österreich führt dies unter anderem auf den Föderalismus zurück, räumte jedoch ein, dass eine entsprechende Erhebung in Arbeit sei.
Diese Informationslücke befeuert politische Forderungen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verlangt ein „Notfallpaket“ von Bund und Ländern, das unter anderem kostenlosen Zugang zu öffentlichen Bädern ab 35 Grad und Gratis-ÖPNV umfasst. Der WWF fordert ein Sonderbudget von einer Milliarde Euro für Städte und Gemeinden, um die Entsiegelung urbaner Räume voranzutreiben und einen nationalen Renaturierungsplan zu finanzieren.
Regionale Unterschiede: Von Warnstufe 4 bis zu modernen Neubauten
Die Situation variiert stark je nach Standort und Gebäudestruktur. In St. Pölten gilt aktuell die Hitzewarnstufe 4. Während die Stadt die Bürger zur gegenseitigen Unterstützung aufruft, zeigt sich das Uniklinikum St. Pölten zuversichtlich. Laut MeinBezirk.at sieht sich die Klinik aufgrund ihrer neuen Gebäudestruktur gut gegen sommerliche Überwärmung gerüstet.
Andere Bundesländer setzen auf spezifische technische Lösungen:
Region
Primäre Kühlmaßnahmen
Innsbruck
Kälteversorgung durch Brunnenwasser
Eisenstadt
Beschattung mit Außenjalousien
Kärnten / Oberösterreich
Kühlsysteme, Dämmung und bauliche Hitzeschutzmaßnahmen
Steiermark
Raumkühlungen gemäß den jeweiligen Errichtungsnormen
Die Herausforderung bleibt die Diskrepanz zwischen hochmodernen Neubauten und dem Bestand. Während in Salzburg bereits mehr als die Hälfte der 74 Seniorenwohnhäuser eigene Hitzeschutzpläne entwickelt hat, bleibt die aktive Kühlung in vielen Bestandsgebäuden ein improvisierter Prozess aus Lüften zu Randzeiten und dem Schließen von Jalousien.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.