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US-Vizepräsident JD Vance relativiert Watergate und warnt vor Deep State

US-Vizepräsident JD Vance hat bei einem Auftritt in der Richard Nixon Presidential Library in Kalifornien den Watergate-Skandal relativiert. Er zog Parallelen zwischen den Bemühungen gegen Richard Nixon und den Herausforderungen von Donald Trump durch einen angeblichen „Deep State“. Vance deutete zudem seine eigene politische Karriere und eine mögliche Präsidentschaftskandidatur für 2028 an.

Die Entwertung historischer Skandale

Während eines Gesprächs in der Richard Nixon Presidential Library im US-Bundesstaat Kalifornien äußerte sich der Vizepräsident JD Vance ungewöhnlich provokant über eines der bedeutendsten politischen Ereignisse der US-Geschichte. Er bezeichnete die Vorstellung, dass ein Skandal in der Größenordnung von Watergate heute noch eine Präsidentschaft zu Fall bringen könnte, als „verrückt“. Wie STERN.de berichtete, behauptete Vance im Hinterzimmer eines Gesprächs, dass die heutige Medienlandschaft die Schlagkraft solcher Affären massiv reduziert habe.

„Wenn Watergate morgen passieren würde, wäre das zwölf Stunden lang eine Story“, sagte Vance.

Die Entwertung historischer Skandale
JD Vance, via STERN.de Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zur historischen Realität der Watergate-Affäre. Der Skandal, der 1972 mit dem Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten im Watergate-Hotel begann, führte nach den Versuchen von Präsident Nixon, die Vorfälle zu vertuschen, schließlich 1974 zum Rücktritt des ersten US-Präsidenten, der jemals ein Amt niederlegte. Historiker bewerten den Fall bisher als Beleg für die Funktionsfähigkeit der demokratischen Kontrollmechanismen in den USA – eine Sichtweise, die von Trump und seinen Verbündeten zunehmend untergraben wird.

Der „Deep State“ als verbindendes Narrativ

Vance nutzte die Bühne in Yorba Linda nicht nur zur historischen Einordnung, sondern auch, um eine Brücke zwischen der Ära Nixon und der Amtszeit von Donald Trump zu schlagen. Dabei griff er gezielt auf das Narrativ des sogenannten „Deep State“ zurück. Laut einer Meldung von T-Online behauptete der US-Vizepräsident, dass die Institutionen, die Richard Nixon zu Fall gebracht hätten, dieselben seien, die auch versucht hätten, Donald Trump während seiner ersten Amtszeit zu schaden.

„Wenn man sich anschaut, wie der ‚Deep State‘ Richard Nixon zu Fall gebracht hat, dann unterscheidet sich das nicht allzu sehr von dem, was dieselben Gruppen und Institutionen während der ersten Amtszeit Donald Trumps versucht haben. Es gibt eine Parallele“, sagte der Republikaner.

Der „Deep State“ als verbindendes Narrativ
JD Vance, via T-Online Experten ordnen diesen Begriff jedoch als Verschwörungserzählung ein. Der „Deep State“ beschreibt nach dieser Theorie ein geheimes Netzwerk innerhalb des Staates, das politische Entscheidungen im Verborgenen steuert. Für die Existenz eines solchen Netzwerks gibt es nach aktuellem Stand keinerlei Belege. Vance lieferte bei seinen Ausführungen keine Beweise für seine Behauptungen.

Nixons Erbe und Vances eigene Ambitionen

Trotz der harten Kritik an den Kontrollmechanismen der US-Regierung zeigte sich Vance gegenüber der Person Richard Nixon positiv gestimmt. Er bezeichnete Nixon als „politisches Genie“ und plädierte dafür, dessen außenpolitische Leistungen stärker zu würdigen. Insbesondere die Annäherung an China und die Bemühungen um ein Ende des Vietnamkriegs seien Teil eines Vermächtnisses, das derzeit eine „kleine Renaissance“ erlebe. Dabei suchte der Vizepräsident auch die Nähe zu seiner eigenen Biografie. In einem Moment der Selbstinszenierung zog er eine direkte Verbindung zwischen seinem Werdegang und dem von Nixon.

„Junger Senator. Vizepräsident. Schreibt Bestseller. Wird von den Medien gehasst – das klingt irgendwie nach JD Vance“, sagte er.

Nixons Erbe und Vances eigene Ambitionen
Photo: STERN.de
Nixons Erbe und Vances eigene Ambitionen
Photo: T-Online
JD Vance, via Spiegel Diese rhetorische Verbindung ist politisch hochgradig aufgeladen. Beobachter sehen in Vances Auftreten eine gezielte Vorbereitung auf die politische Zukunft. Wie Spiegel berichtet, wird weithin angenommen, dass Vance eine Präsidentschaftskandidatur für das Jahr 2028 anstrebt, um die Nachfolge von Donald Trump anzutreten. Da Trump aufgrund der geltenden Gesetze nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren kann, positioniert sich Vance als der natürliche Erbe der MAGA-Bewegung. Die Kombination aus der Relativierung historischer Skandale, der Nutzung von Verschwörungstheorien und der direkten Selbstvergleichung mit einem Präsidenten, der trotz massiver Kontroversen eine loyale Basis hinterließ, verdeutlicht Vances Strategie. Er baut nicht nur ein Narrativ gegen die bestehenden Institutionen auf, sondern konstruiert gleichzeitig das Profil eines Anführers, der sich als Opfer desselben „Systems“ sieht, das schon Nixon herausforderte.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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