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Unternehmen

VW verkauft Motorentochter für 7,4 Milliarden Euro

Der Volkswagen-Konzern plant den Verkauf von 51 Prozent seiner Tochter Everllence, einem weltweit führenden Hersteller von Schiffsmotoren, an einen Finanzinvestor. Die Bewertung des in Augsburg ansässigen Unternehmens liegt laut Medienberichten bei bis zu neun Milliarden Euro. Die Entscheidung des Vorstands und des Aufsichtsrats wird für diesen Mittwoch erwartet.

Bain, CVC und EQT: Wer die Mehrheit an Everllence will

Drei Bietergruppen stehen in der Endphase des Wettbewerbs um die Mehrheitsbeteiligung an Everllence. Neben dem US-Investor Bain Capital und dem luxemburgischen Rivalen CVC hat sich ein ungewöhnliches Konsortium gebildet: Der schwedische Finanzinvestor EQT tritt gemeinsam mit zwei der wichtigsten VW-Großaktionäre auf, der Porsche SE und dem Staat Qatar.

Bain, CVC und EQT: Wer die Mehrheit an Everllence will

Die Bewertung des Unternehmens ist im Laufe des Bieterprozesses kontinuierlich gestiegen. Während Beteiligte den Wert laut Berichten der FAZ auf acht bis neun Milliarden Euro taxieren, geht die Augsburger Allgemeine von einem Wert von bis zu neun Milliarden Euro aus. Für den Erwerb der 51-prozentigen Mehrheit müssen die Bieter etwa die Hälfte dieser Summe aufbringen.

Der Prozess, intern als Operation Nikolaus bezeichnet, wurde im Spätsommer vergangenen Jahres initiiert. Volkswagen mandatierte hierfür die Investmentbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan. Nachdem Anfang des Monats erste vorläufige Angebote zu Standorten und Arbeitsplätzen eingingen, wurden diese Woche die finalen Preisangebote vorgelegt.

Interessenkonflikte und die Macht der Arbeitnehmervertreter

Die Zusammensetzung des Aufsichtsrats schafft eine rechtlich und strategisch riskante Konstellation. Da Porsche SE und Qatar sowohl im Kontrollgremium vertreten sind als auch über das EQT-Konsortium als Bieter auftreten, steht der Vorwurf eines Interessenkonflikts im Raum. Sechs der zehn Vertreter der Kapitalbank – vier für Porsche SE und zwei für Qatar – werden voraussichtlich nicht an der Abstimmung teilnehmen.

Interessenkonflikte und die Macht der Arbeitnehmervertreter
Photo: Augsburger Allgemeine

Diese Vakanz verschiebt das Machtgefüge massiv. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erhalten dadurch einen Einfluss auf den M&A-Prozess, der in dieser Form nahezu beispiellos ist. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass die Arbeitnehmervertreter einer Empfehlung des Vorstands widersprechen, doch die rechtliche Absicherung des Prozesses ist deshalb besonders akribisch.

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, gibt es zudem Hintergründe, die von Nervosität und gegenseitigen Diskreditierungsversuchen geprägt sind. Gerüchte über mögliche rechtliche Schritte eines unterlegenen Bieters gegen VW kursierten in den letzten Wochen, auch wenn Experten dies aufgrund der zukünftigen Geschäftsbeziehungen zwischen VW und den Private-Equity-Häusern für unwahrscheinlich halten.

Umsatz von 4,9 Milliarden Euro und die Marktführerschaft in Augsburg

Everllence, ehemals MAN Energy Solutions, ist weit mehr als ein bloßer Zulieferer. Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer für Schiffsmotoren und produziert zudem Kraftwerksmotoren sowie Großwärmepumpen. Diese Produktpalette erlaubt es der Firma, massiv von der aktuellen Nachfrage nach neuer Energieinfrastruktur zu profitieren.

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Die wirtschaftliche Substanz des Augsburger Unternehmens ist beachtlich. Im vergangenen Jahr erzielte Everllence laut eigenen Angaben einen Umsatz von 4,9 Milliarden Euro bei einer Belegschaft von 16.200 Beschäftigten. Zwar gibt das Unternehmen keine offiziellen Gewinnzahlen bekannt, doch Branchenkenner schätzen das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für das letzte Jahr auf 700 bis 800 Millionen Euro.

Die strategische Entscheidung, 51 Prozent zu verkaufen und 49 Prozent zu behalten, folgt einem Muster der Risikominimierung und Kapitalbeschaffung, wie Handelsblatt berichtet. VW trennt sich damit von der Mehrheit, bleibt aber an der Wertentwicklung des Marktführers beteiligt.

Von MAN Diesel & Turbo zur Operation Nikolaus

Die Geschichte von Everllence ist eine Chronik von Umbenennungen und strategischen Neuausrichtungen. Ursprünglich als Teil des Münchner Konzerns MAN gestartet, ging die Sparte 2015 in der Nutzfahrzeugholding Traton auf. Im Herbst 2018 wurde die Einheit im Zuge des Börsengangs von Traton wieder vom restlichen Geschäft getrennt.

Von MAN Diesel & Turbo zur Operation Nikolaus
Photo: FAZ

Dies ist nicht der erste Versuch von Volkswagen, die Einheit zu veräußern. Bereits 2019 plante der Konzern einen Verkauf, der jedoch scheiterte. Dass der Prozess nun unter dem Codenamen Operation Nikolaus wiederbelebt wurde, unterstreicht die Dringlichkeit der Kapitalbeschaffung für den krisengeschüttelten Automobilriesen.

Die finanzielle Notwendigkeit ist ein zentraler Treiber. Der Verkauf von 51 Prozent an Everllence bringt zwar Milliarden ein, doch die Summe reicht bei weitem nicht aus, um die gesamten finanziellen Herausforderungen des Konzerns zu lösen. Für Private-Equity-Firmen ist dies ein Signal: Wer sich jetzt loyal zeigt, könnte bei weiteren anstehenden Desinvestitionen von VW im Vorteil sein.

Risiken des Zeitplans und strategische Implikationen

Der von Volkswagen gewählte Zeitplan ist extrem ambitioniert. Die Entscheidung des Vorstands soll am Mittwoch fallen, gefolgt von einer unmittelbaren Bestätigung durch den Aufsichtsrat am selben Abend. Ein Scheitern dieser Abstimmung würde den Abschluss des Deals um Monate verzögern – ein Szenario, das die Finanzwächter des Konzerns aufgrund des dringenden Kapitalbedarfs als fatal einstufen.

Die strategische Bedeutung des Deals liegt in der Transformation. Während VW seine Kernbereiche elektrifiziert, stößt es die kapitalintensive und konventionell geprägte Motorensparte teilweise ab, behält aber durch die Minderheitsbeteiligung einen Fuß in der Tür der Energieinfrastruktur.

Sollte die Entscheidung wie geplant fallen, wird die neue Eigentümerstruktur von Everllence zeigen, ob die strategische Allianz aus EQT, Porsche SE und Qatar überwiegt oder ob die reine Finanzkraft von Bain oder CVC den Ausschlag gibt. In jedem Fall markiert der Deal das Ende einer Ära für die Geburtsstätte des Dieselmotors in Augsburg.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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