NASA-Forscher analysierten mit dem Rover Perseverance den Marsstein „Cheyava Falls“ und entdeckten organische Verbindungen sowie markante helle Flecken. Diese Merkmale könnten auf vergangene mikrobielle Lebensformen hindeuten. Eine endgültige Bestätigung ist jedoch erst nach der Rückführung der Probe zur Erde möglich, wie die NASA in offiziellen Berichten mitteilte.
Chemische Signaturen im Stein Cheyava Falls
Der Rover Perseverance identifizierte im Gebiet Neretva Vallis eine Gesteinsprobe, die Wissenschaftler als „Cheyava Falls“ bezeichnen. Das Gebiet liegt im Jezero-Krater, einer Region, die aufgrund ihrer Geologie als ehemaliges Flussdelta ausgewählt wurde, da solche Umgebungen auf der Erde organische Materialien effizient konservieren.
Die Analyse durch das Instrument SHERLOC (Scanning Habitable Environments with Raman & Luminescence for Organics & Chemicals) ergab das Vorhandensein organischer Moleküle. SHERLOC nutzt die Raman-Spektroskopie und Fluoreszenz, um Moleküle durch die Anregung mit einem tiefen UV-Laser zu identifizieren. Diese Verbindungen enthalten Kohlenstoff, ein Grundbaustein des Lebens, wie die NASA in ihren technischen Zusammenfassungen dokumentiert.
Zusätzlich zu den organischen Molekülen wiesen die Messungen chemische Reaktionen auf, die auf die Nutzung von Energiequellen hindeuten. Auf der Erde nutzen Mikroben ähnliche chemische Gradienten, um Energie zu gewinnen. Die Forscher fanden Hinweise auf die Oxidation von Eisen, ein Prozess, der oft mit biologischer Aktivität einhergeht, aber auch durch rein geologische Abläufe entstehen kann.
Die Bedeutung der sogenannten Leopardenflecken
Ein besonderes Merkmal von Cheyava Falls sind kleine, helle Flecken mit dunklen Rändern, die in der Fachwelt als „Leopardenflecken“ bezeichnet werden. Diese Strukturen sind für die Forschung von besonderem Interesse, da sie auf der Erde in Gesteinen vorkommen, in denen Mikroben chemische Energie aus ihrer Umgebung bezogen haben – ein Prozess, der als Chemolithotrophie bekannt ist.
In diesen Mustern finden sich oft konzentrierte Mineralien, die auf Redoxreaktionen hindeuten. Die NASA betont jedoch, dass diese Muster nicht automatisch einen biologischen Ursprung haben. Geochemische Prozesse, wie die Interaktion von Wasser mit bestimmten Mineralien, können ähnliche Strukturen erzeugen, ohne dass Lebewesen involviert sind. Die Kombination aus organischen Molekülen und den visuellen Mustern macht die Probe jedoch zu einem der bisher vielversprechendsten Funde der Mission.
Es ist eine überzeugende Probe, aber wir können nicht sagen, dass es sich um eine Biosignatur handelt, ohne weitere Analysen durchzuführen.
NASA-Projektteam
Notwendigkeit der Mars Sample Return Mission
Trotz der hochentwickelten Instrumente an Bord von Perseverance stoßen die Analysen vor Ort an ihre technischen Grenzen. Die Sensoren des Rovers können zwar organische Verbindungen nachweisen, aber nicht die exakte Struktur der Moleküle bestimmen, um sie eindeutig als biologisch zu identifizieren. Die Unterscheidung zwischen abiotischen organischen Verbindungen (die etwa durch vulkanische Aktivität oder Meteoriteneinschläge entstehen) und biologischen Biosignaturen erfordert eine weitaus höhere Präzision.
Für eine verifizierte Aussage über außerirdisches Leben ist die Mars Sample Return (MSR) Mission entscheidend. Dabei arbeitet die NASA mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zusammen, um ein komplexes System aus einem Aufstiegsmodul und einem Rückkehr-Orbiter zu entwickeln. Nur in terrestrischen Laboren können die Proben mit hochauflösenden Massenspektrometern und Elektronenmikroskopen untersucht werden.
Die NASA plant, die in Cheyava Falls gesammelte Probe zusammen mit anderen Kernen zur Erde zu transportieren, um die Herkunft der organischen Signaturen zu klären. Dieser Prozess ist technisch anspruchsvoll, da die Proben steril und unverändert vom Mars zur Erde gebracht werden müssen, um eine Kontamination durch irdische Organismen auszuschließen.
Vergleich mit früheren Funden auf dem Mars
Die Entdeckung in Cheyava Falls unterscheidet sich von früheren Funden des Curiosity-Rovers im Gale-Krater. Während Curiosity ebenfalls organische Moleküle in Sedimentgesteinen nachwies, fehlte dort die Kombination mit spezifischen mineralischen Mustern wie den Leopardenflecken, die direkt auf einen energetischen Stoffwechsel hindeuten könnten.

Ein Vergleich der Daten zeigt, dass Cheyava Falls in einem Bereich liegt, der früher wasserreich war. Die Anwesenheit von flüssigem Wasser, verfügbaren Energiequellen und organischen Bausteinen erfüllt die drei Grundvoraussetzungen für bewohnbare Umgebungen. Während frühere Funde oft nur eine dieser Komponenten bestätigten, vereint dieser Stein mehrere Indikatoren in einer einzigen Probe, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass hier Bedingungen für Leben herrschten.
Offene Fragen und wissenschaftliche Skepsis
Innerhalb der Forschungsgemeinschaft bleibt die Interpretation der Daten ein Thema intensiver Debatten. Kritiker weisen darauf hin, dass die Identifizierung organischer Moleküle durch SHERLOC anfällig für Interferenzen sein kann. Zudem könnten die beobachteten Oxidationsprozesse durch die Interaktion von Wasser und Mineralien, wie etwa bei der Serpentinisierung, ohne biologischen Einfluss entstanden sein.
Die aktuelle Datenlage erlaubt keine definitive Schlussfolgerung. Die Wissenschaftler stufen den Fund als „hochinteressant“ ein, vermeiden jedoch den Begriff des Beweises. Bis die Proben physisch in Laboren auf der Erde ankommen, bleibt die Theorie über mikrobielles Leben in Cheyava Falls eine Hypothese, die auf starken, aber nicht beweisenden Indizien beruht.
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