Zum Inhalt springen
Nachrichten

CDC-Chef blockierte Covid-Impfstoff-Studie in JAMA veröffentlicht

Am 23. Juni 2026 wurde eine Studie über die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe für die Saison 2025–2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht. Die Untersuchung, die zuvor vom amtierenden Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC, Jay Bhattacharya, blockiert worden war, belegt eine signifikante Senkung der Hospitalisierungsraten durch die aktuelle Impfstoffformulierung.

Methodische Streitigkeiten um das Test-Negativ-Design

Methodische Streitigkeiten um das Test-Negativ-Design
Photo: CIDRAP
Der Kern des Konflikts zwischen der CDC-Führung und den beteiligten Wissenschaftlern liegt in der Wahl der Untersuchungsmethode. Die Studie nutzte ein sogenanntes „Test-Negativ-Design“ – ein Verfahren, bei dem die Impfstatus von Personen verglichen werden, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, mit denen, die negativ getestet wurden. Laut Berichten von Jay Bhattacharya, der die Veröffentlichung im wissenschaftlichen Bericht der CDC (MMWR) verhinderte, ist dieser Ansatz methodisch unzureichend. Bhattacharya plädierte stattdessen für longitudinale Kohortenstudien, die große Gruppen über einen längeren Zeitraum verfolgen. Er bezeichnete diesen Ansatz als „ein stärkeres Design“. Während solche Studien als präziser gelten, weisen Experten darauf hin, dass sie wesentlich zeitaufwendiger und teurer sind als die hier angewandte Methode. Die Autoren der Studie verteidigten ihr Vorgehen und bezeichneten das Test-Negativ-Design als ein „praktisches und effizientes Verfahren“, um Impfstoffe in realen Umgebungen schnell zu bewerten. Dennoch räumen Forscher ein, dass die Ergebnisse ungenau sein könnten. „Die Wirksamkeitsschätzungen, die dieses Verfahren liefert, könnten eine Über- oder Unterschätzung sein; es ist unmöglich, dies zu sagen,“ heißt es in der Analyse. Die Blockade innerhalb der Behörde löste Unmut aus.
„Es fühlt sich einfach seltsam an, dass dies darüber entscheidet, ob etwas im MMWR veröffentlicht wird oder nicht,“
äußerten Mitarbeiter der CDC gegenüber NBC News.

Daten zur Schutzwirkung der 2025–2026-Impfstoffe

Daten zur Schutzwirkung der 2025–2026-Impfstoffe
Photo: Gavi, the Vaccine Alliance
Trotz der methodischen Debatte liefern die Daten einen klaren Hinweis auf den Nutzen der aktuellen Impfstoffgeneration. Die Untersuchung analysierte die Daten von mehr als 110.000 Erwachsenen in sieben US-Bundesstaaten im Zeitraum von September bis Dezember 2025. Die Ergebnisse zeigen, dass die 2025–2026-Impfung einen erheblichen zusätzlichen Schutz bietet, selbst in einer Bevölkerung mit bereits bestehender Immunität.
Kategorie der Erkrankung Reduktion des Risikos (Gesamtbevölkerung)
Notaufnahme oder dringende medizinische Versorgung 50 %
Krankenhausaufenthalt 55 %
Notaufnahme (Personen ab 65 Jahren) 48 %
Krankenhausaufenthalt (Personen ab 65 Jahren) 53 %
Besonders für ältere Menschen bleibt die Impfung ein entscheidender Faktor. Obwohl die Hospitalisierungsraten in der ersten Phase der Saison 2025–26 niedriger waren als in den Vorjahren, bleibt die schwere COVID-19-Erkrankung ein relevantes Risiko. Die Forscher betonen in ihrer Publikation:
„Die Ergebnisse demonstrieren den zusätzlichen Nutzen der COVID-19-Impfung 2025–2026, ungeachtet des Schutzes, der durch eine vorherige COVID-19-Impfung oder eine SARS-CoV-2-Infektion vermittelt wird.“

Politische Spannungen und die Rolle des HHS

Politische Spannungen und die Rolle des HHS
Photo: NBC News
Die Entscheidung, die Studie intern zurückzuhalten, findet in einem politisch hochsensiblen Umfeld statt. Die CDC untersteht dem US-Gesundheitsministerium (HHS) unter der Leitung von Robert F. Kennedy Jr. dessen Geschichte des Impfstoff-Aktivismus ist bekannt; im Jahr 2021 bezeichnete er den COVID-19-Impfstoff als „den tödlichsten Impfstoff, der je hergestellt wurde.“ Kritiker sehen in der Blockade der Studie durch Bhattacharya eine Form politischer Einflussnahme oder einen Versuch, Beweise für die Sicherheit der Impfstoffe zurückzuhalten. Das HHS reagierte auf diese Vorwürfe mit einem Verweis auf wissenschaftliche Standards. „Die CDC schützt die öffentliche Gesundheit, indem sie genaue, transparente und vertrauenswürdige Informationen bereitstellt. Dies erfordert die Anwendung höchster wissenschaftlicher Standards, insbesondere wenn Ergebnisse klinische Entscheidungen wie Immunisierungen beeinflussen können. Sich Zeit zu nehmen, um sicherzustellen, dass Analysen methodisch fundiert und klar kommuniziert werden, ist immer vorzuziehen, als das Risiko eines Fehlers einzugehen,“ Emily Hilliard, Sprecherin des Gesundheitsministeriums (HHS)

Ein Blick auf europäische Vergleichswerte

Ein Blick auf europäische Vergleichswerte
Die Ergebnisse der US-Studie decken sich in ihrer Tendenz mit Beobachtungen aus Europa. Eine separate Untersuchung der VEBIS-Gruppe, die in Frankreich, Deutschland, Irland, Italien und Spanien durchgeführt wurde, untersuchte die Wirksamkeit der 2025–26-Impfstoffe bei älteren Erwachsenen. Diese europäische Analyse ergab, dass die Impfung das Risiko einer symptomatischen COVID-Infektion, die eine medizinische Behandlung erfordert, um 59 % senkte. Allerdings zeigten auch die europäischen Daten eine gewisse Unsicherheit in den Daten und einen leichten Rückgang des Schutzes über die Zeit. Ein gemeinsames Problem beider Studien ist die geringe Impfquote. In der CDC-geführten Untersuchung hatten nur 11 % der analysierten Patienten den 2025–26-Booster erhalten. Experten warnen, dass diese niedrige Beteiligung eine verpasste Chance darstellt, schwere Krankheitsverläufe in der Bevölkerung effektiv zu verhindern, insbesondere im Hinblick auf die Notaufnahme oder dringende medizinische Versorgung. Die Forscher stellen abschließend fest, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs im Kontext der vorhandenen Immunität betrachtet werden muss:
„Die Wirksamkeit des Impfstoffs sollte daher als der zusätzliche Nutzen der COVID-19-Impfung 2025–2026 in einer Bevölkerung mit hohen Werten an infektionsbedingter Immunität, impfbedingter Immunität oder beidem interpretiert werden.“
Die Forscher stellen abschließend fest, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs im Kontext der vorhandenen Immunität betrachtet werden muss:
„Die Wirksamkeit des Impfstoffs sollte daher als der zusätzliche Nutzen der COVID-19-Impfung 2025–2026 in einer Bevölkerung mit hohen Werten an infektionsbedingter Immunität, impfbedingter Immunität oder beidem interpretiert werden.“

Find more reporting in our Nachrichten section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.