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ESA erwartet Aurora Borealis in Mitteleuropa durch Solarzyklus 25

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) erwartet ab dem 23. Juni 2026 eine Zunahme geomagnetischer Stürme, die das Erscheinen der Aurora Borealis in weiten Teilen Mitteleuropas ermöglichen könnten. Diese Phase korrespondiert mit dem Höhepunkt des Solarzyklus 25, was die Sichtbarkeit des Nordlichts in Breitengraden wie Deutschland statistisch wahrscheinlicher macht als in den letzten zehn Jahren.

Der Solarzyklus 25 und die Sonnenaktivität

Die aktuelle Phase der Sonnenaktivität erreicht laut Daten der ESA nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Der Solarzyklus 25, der die periodischen Schwankungen der Sonnenaktivität beschreibt, zeigt eine deutlich höhere Intensität als sein Vorgänger, der Solarzyklus 24. Dieser Prozess folgt einem etwa elfjährigen Rhythmus, der die Sonne von einem solaren Minimum zu einem solaren Maximum führt. Während der Zyklus 24 durch eine vergleichsweise geringe Anzahl an Sonnenflecken und weniger heftige Eruptionen geprägt war, verzeichnet die ESA für den aktuellen Zeitraum eine signifikante Zunahme koronaler Massenauswürfe.

Das Erreichen des solaren Maximums bedeutet, dass die magnetischen Felder der Sonne komplexer werden und die Häufigkeit von Eruptionen auf einem Höchststand liegt. Diese Eruptionen schleudern geladene Teilchen in den interplanetaren Raum. Wenn diese Teilchen auf das Magnetfeld der Erde treffen, lösen sie geomagnetische Stürme aus. Die Intensität dieser Stürme entscheidet darüber, wie weit die Aurora Borealis von den Polargebieten nach Süden wandern kann. Wissenschaftler der ESA gehen davon aus, dass die derzeitige Konzentration der Sonnenaktivität die Bedingungen schafft, unter denen die Aurora auch in mittleren Breiten sichtbar wird.

Der physikalische Prozess der Lichtbildung

Diese Teilchenströme interagieren direkt mit der Erdatmosphäre. Wenn die hochenergetischen Teilchen auf die Gase in der oberen Atmosphäre treffen, regen sie diese an und setzen dabei Energie in Form von Licht frei. Das charakteristische Leuchten der Aurora Borealis ist das Resultat dieser atomaren Anregung. Die Farben der Erscheinung hängen dabei maßgeblich von der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre und der Höhe der Interaktion ab. Während Sauerstoffatome in geringeren Höhen typischerweise das bekannte grüne Licht erzeugen, können Sauerstoffatome in größeren Höhen auch rötliche Töne verursachen. Stickstoffmoleküle tragen hingegen oft zu blauen oder violetten Farbtönen bei.

Messwerte der geomagnetischen Indizes

Um die Intensität dieser Ereignisse zu bewerten, nutzen Experten das Space Weather Prediction Center (SWPC). Eine zentrale Kennzahl ist dabei der Kp-Index, der die Stärke geomagnetischer Störungen auf einer Skala von 0 bis 9 misst. Das SWPC, welches als Teil der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) agiert, nutzt diese Daten auch, um die Auswirkungen auf die Erde zu klassifizieren. Für eine Sichtung in Deutschland oder anderen Teilen Mitteleuropas sind Werte von Kp 6 oder höher erforderlich.

Die aktuellen Prognosen des SWPC deuten darauf hin, dass die geomagnetische Aktivität in der kommenden Woche mehrfach diese Schwelle überschreiten könnte. Im Vergleich zu den Beobachtungen aus dem Jahr 2024, als die Aktivität noch moderat blieb, zeigt die aktuelle Datenlage eine steilere Kurve bei der Häufigkeit starker geomagnetischer Stürme. Wissenschaftler beobachten dabei insbesondere die koronalen Löcher der Sonne, aus denen hochenergetische Teilchenströme austreten. Diese Ströme sind die primäre Ursache für die für die Aurora verantwortlichen geomagnetischen Störungen.

Technologische Auswirkungen und Risiken

Die Zunahme der Sonnenaktivität bringt über das visuelle Spektakel hinaus auch technologische Herausforderungen mit sich. Starke geomagnetische Stürme können die Ionosphäre der Erde beeinflussen, was die Genauigkeit von GNSS-Signalen (Global Navigation Satellite Systems), wie beispielsweise GPS, beeinträchtigen kann. Zudem können die durch die Stürme induzierten magnetischen Veränderungen elektrische Ströme in langen Leitern, wie etwa Stromnetzen, hervorrufen. Auch die Funktionsfähigkeit von Satelliten im Erdorbit kann durch die erhöhte Teilchenstrahlung während der Phasen des solaren Maximums beeinflusst werden.

Bedingungen für die Beobachtung in Deutschland

Trotz der erhöhten Wahrscheinlichkeit bleibt die Sichtung der Aurora Borealis in Deutschland an spezifische meteorologische und astronomische Bedingungen geknüpft. Die ESA und lokale Wetterdienste betonen, dass eine klare Sicht auf den Nordhimmel zwingend erforderlich ist. Bewölkung, insbesondere in den höheren Schichten der Atmosphäre, verhindert die Sichtbarkeit der Lichtphänomene, selbst wenn die geomagnetische Aktivität hoch ist. Die Sichtbarkeit hängt zudem davon ab, wie weit das sogenannte „Auroral Oval“ – der Ring aus Polarlichtern, der sich um die magnetischen Pole legt – während eines Sturms nach Süden verschoben wird.

Bedingungen für die Beobachtung in Deutschland

Zusätzliche Faktoren für eine erfolgreiche Beobachtung sind:

  • Eine geringe Lichtverschmutzung durch den Rückzug in ländliche Regionen.
  • Eine dunkle Umgebung, da die Aurora bei starkem künstlichem Licht schwer auszumachen ist.
  • Ein Blick in Richtung Norden, um den direkten Einfluss der magnetischen Feldlinien zu erfassen.

Die Vorhersagbarkeit der genauen Zeitpunkte bleibt eine Herausforderung. Während die ESA die großräumigen Trends der Sonnenaktivität bestimmen kann, hängen die punktgenauen Sichtungsfenster von der Geschwindigkeit der Teilchenströme ab, die erst nach dem Verlassen der Sonne präzise berechnet werden können. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die prognostizierten Stürme die nötige Intensität erreichen, um die Aurora in die gemäßigten Breiten zu tragen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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