Brand im Höhlenkloster: Ein Schlag gegen das kulturelle Erbe

In den frühen Morgenstunden des Montags gerieten Teile des Kiewer Höhlenklosters in Flammen. Laut Tagesschau war vor allem die Maria-Entschlafens-Kathedrale betroffen, deren Dach Feuer fing. Die Löscharbeiten waren massiv: Über hundert Einsatzkräfte und 30 Fahrzeuge des Katastrophenschutzes waren im Einsatz, um die Flammen zu bezwingen. Während das Feuer gelöscht wurde, zeigten Aufnahmen am Tag schwere Schäden an der Außenfassade und der Kuppel; im Inneren der Kirche tropfte Löschwasser von der Decke.
Die Zerstörung trifft eine Anlage von globaler Bedeutung. Das Kloster, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aufgrund der russischen Offensive wurde es bereits 2023 auf die Liste des gefährdeten Menschheitserbes gesetzt. Die Anlage gilt als eines der wichtigsten Zentren der ostslawischen Orthodoxie und ist ein zentraler Pilgerort.
„Das ist zweifellos ein Angriff auf unsere Geschichte. So etwas gibt es in Russland nicht. Russland tut alles, damit wir so etwas auch nicht haben. Ja, für uns ist das eine Herausforderung. Wir werden zweifellos alles wiederherstellen. Wir werden zweifellos alles verteidigen.“
Präsident Wolodymyr Selenskyj
Metropolit Epiphanius, das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, bezeichnete den Vorfall als ein russisches Verbrechen „gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum“.
Drohnen oder Abwehrraketen: Der Streit um die Brandursache
Wie es zu dem Brand kam, ist Gegenstand gegensätzlicher Berichte. Die ukrainische Seite macht eine russische Shahed-Drohne für den Treffer am Dach der Kathedrale verantwortlich.
Moskau dementierte diesen Angriff am Montagmorgen. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, behauptet der Kreml, nicht russische Geschosse, sondern eine US-amerikanische Patriot-Abwehrrakete habe die Kathedrale getroffen und den Brand ausgelöst.
Dieser Informationskrieg spiegelt die strategische Dimension des Angriffs wider. Für die Ukraine ist die Zerstörung ein Beweis für einen gezielten Krieg gegen die eigene Kultur. Die ukrainische Regierung kündigte an, bei der UNESCO eine angemessene Antwort auf diese „Staatsbarbarei“ zu erwirken.
Diskrepanzen bei den Opferzahlen in Kiew und Charkiw
Die menschlichen Kosten der Angriffe am Montagmorgen variieren je nach Quelle, was die Schwierigkeit der Lagefeststellung im Einsatzgebiet unterstreicht. In Kiew berichten die Quellen über unterschiedliche Todeszahlen: Während die Tagesschau von fünf Toten spricht, meldet die DIE ZEIT zwei Todesopfer im Stadtzentrum, während die NZZ von vier Toten ausgeht. In allen Berichten wird eine Zahl von etwa 30 Verletzten in der Hauptstadt genannt.
In anderen Regionen ist das Bild eindeutiger. In Charkiw wurden fünf Rettungskräfte getötet und vier weitere Menschen verletzt. Die Grausamkeit dieser Taktik wurde von offizieller Seite hervorgehoben.
„Der Feind hat einen doppelten zynischen Schlag durchgeführt. Zuerst gab es Angriffe mit Shahed-Drohnen, danach richtete er gezielt mehrere Raketenangriffe gegen unsere Rettungskräfte, gegen die Menschen, die die Folgen der Angriffe beseitigen.“
Offizielle Stellungnahme
Auch auf russischem Boden gab es Opfer. Im Gebiet Tula wurden drei Menschen durch ukrainische Drohnenangriffe getötet, drei weitere verletzt.
Die Auswirkungen auf die Infrastruktur waren massiv. Zehntausende Kiewer waren zeitweise ohne Strom, während in drei Stadtteilen Einschläge registriert wurden.
Religiöse Spannungen und historische Zerstörung
Die Maria-Entschlafens-Kathedrale hat eine Geschichte der Zerstörung und Wiedergeburt. Im Jahr 1941 wurde sie von sowjetischen Truppen gesprengt, die das Kloster vermint hatten, bevor sie vor dem deutschen Vormarsch zurückwichen. Zwischen 1999 und 2000 wurde die Kirche im Stil des ukrainischen Barocks wieder aufgebaut.
Heute ist das Kloster nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisches Symbol. Ein Teil der Anlage wird weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, sich inzwischen jedoch von Moskau losgesagt hat. Der Angriff auf das „Herz eines der größten christlichen Heiligtümer“, wie es der Militärgouverneur von Kiew, Tymur Tkatschenko, nannte, verschärft diesen ideologischen Konflikt.
Während die religiösen und kulturellen Symbole angegriffen werden, bleibt die humanitäre Not der Zivilbevölkerung bestehen. Laut SRF sammelt die Glückskette weiterhin Spenden für Betroffene, die oft ohne verlässlichen Zugang zu Strom, Heizung oder medizinischer Versorgung leben.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die UNESCO neue Schutzmaßnahmen für die gefährdeten Stätten einleiten kann oder ob die systematische Zerstörung kultureller Identitätsstifter ein dauerhaftes Instrument in diesem Krieg bleibt.
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