In Berkeley, Kalifornien, bestätigten Gesundheitsbehörden im Juni 2026 den ersten menschlichen Leptospirose-Fall seit über einem Jahrzehnt, bei dem ein Mann im Mai starb. Die Infektionen traten bei einem Paar auf, das in einem stark von Ratten befallenen Wohnmobil lebte. Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung wird von den Behörden als extrem gering eingestuft.
Die Details dieses Falles zeichnen das Bild einer medizinischen und sanitären Extremsituation. Ein Paar in seinen 70ern lebte in einem Wohnmobil an der Ecke Fifth und Virginia Street, etwa eine Meile entfernt von einem bekannten Obdachlosenlager in der Harrison Street. Laut Berichten von The Berkeley Scanner wurden die beiden Personen am 5. Mai von Rettungskräften hospitalisiert, nachdem sie erst nach Wochen oder Monaten medizinische Hilfe gesucht hatten.
Die Umstände im Fahrzeug waren katastrophal. Die Bewohner hatten dort wilde Ratten gefangen, gefüttert und gezüchtet. Bei der Ankunft der Einsatzkräfte gaben die Betroffenen an, dass mindestens 100 Ratten im Inneren lebten.
„Beide Personen lebten zusammen in einem Wohnmobil, in dem sie wilde Ratten gefangen, gefüttert und gezüchtet hatten. Darüber hinaus war das Fahrzeug massiv von wilden Ratten befallen, die sich nicht in Käfigen befanden.“
Stadtverwaltung von Berkeley, via The Berkeley Scanner
Nachdem das Fahrzeug versiegelt worden war, entfernte die staatliche Schädlingsbekämpfung (Vector Control) fast 200 Ratten, bevor das Wohnmobil abgeschleppt und zerstört wurde. Einer der Bewohner starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus; die andere Person überlebte nach einer langwierigen Behandlung.
Die medizinische Gefahr: Warum eine behandelbare Krankheit tödlich wurde
Leptospirose wird primär durch den Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere, insbesondere Ratten, übertragen. Die Bakterien dringen über die Schleimhäute der Augen, der Nase, des Mundes oder über Hautverletzungen in den Körper ein. In der frühen Phase ähnelt die Erkrankung einem grippalen Infekt mit Fieber, Schüttelfrost und Muskelschmerzen. Unbehandelt kann sie jedoch zu Organversagen an Leber, Nieren und Lunge führen.
Dr. Peter Chin-Hong, ein Experte für Infektionskrankheiten an der UC San Francisco, betont gegenüber SFGATE, dass die schiere Menge an Nagetieren im Wohnmobil die Wahrscheinlichkeit einer Infektion massiv erhöht habe. Je mehr Ratten vorhanden sind, desto höher ist die Konzentration von infiziertem Urin in der Umgebung.
„Niemand sollte an Lepto sterben. Es ist ein Bakterium. Es ist behandelbar mit Antibiotika, die jedes Krankenhaus vorrätig hat.“
Photo: Berkeleyside
Dr. Peter Chin-Hong, UC San Francisco
Das Problem liegt laut Chin-Hong in der Seltenheit der Krankheit in der Bay Area, was oft zu Fehldiagnosen führt. Viele Ärzte begegnen der Krankheit in ihrer Praxis kaum, und Patienten suchen in den frühen Stadien oft keine Hilfe. Im Fall des Paares in Berkeley wird davon ausgegangen, dass der verzögerte Zugang zur medizinischen Versorgung maßgeblich zur Schwere der Erkrankung und letztlich zum Tod beigetragen hat.
Strategiewechsel der Stadt: Weg von Zonen, hin zu Bedingungen
Two deaths reported hours apart on UC Berkeley campus
Dieser Todesfall markiert einen Wendepunkt in der Reaktion der Stadt Berkeley. Zuvor hatte die Stadt im Januar Warnzonen (rote und gelbe Zonen) rund um den Harrison-Street-Korridor eingerichtet, nachdem die Krankheit bei Ratten und Hunden nachgewiesen worden war. Da die menschlichen Fälle jedoch außerhalb dieser geografischen Zonen auftraten, hat die Gesundheitsbehörde diese Strategie aufgegeben.
Wie die San Francisco Chronicle berichtet, konzentriert sich Berkeley Public Health nun auf die spezifischen Lebensbedingungen, die eine Übertragung begünstigen:
Massiver Rattenbefall in Wohnräumen oder Zelten
Stehendes Wasser und mangelnde sanitäre Einrichtungen
Enger Kontakt mit Rattenurin oder Kot
Unzureichende Müllentsorgung, die Nistplätze schafft
Die Stadt hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Population der Nagetiere zu senken. Seit Februar wurden etwa 40 Tonnen Müll aus dem Lager in der Harrison Street entfernt, wie Berkeleyside berichtet. Zudem wurden Flyer an Obdachlose und Bewohner von Fahrzeugen im Umkreis von 1,5 Meilen verteilt, die zur sicheren Lagerung von Lebensmitteln und zur Vermeidung von Kontakt mit Nagetieren aufrufen.
Risikoanalyse für die Bevölkerung und Haustiere
Trotz der dramatischen Einzelnachweise betonen die Behörden, dass das Risiko für die allgemeine, in Häusern lebende Bevölkerung „extrem gering“ bleibt. Die Bakterien können in typischen trockenen, sauberen Wohn- oder Geschäftsgebäuden nicht überleben.
Besonders gefährdet sind jedoch Haustiere, insbesondere Hunde. In der Vergangenheit wurden zwei Hunde positiv auf Leptospirose getestet. Forscher der UC Davis haben daraufhin 14 Hunde im Bereich des Harrison-Street-Lagers getestet; alle waren negativ, wobei den Besitzern kostenlose Impfungen angeboten wurden.
Faktor
Risiko für Anwohner
Risiko für exponierte Gruppen (Lager/RVs)
Infektionsrisiko
Extrem gering
Erhöht bei Rattenbefall
Übertragungsweg
Kaum Kontakt zu infiziertem Urin
Direkter Kontakt mit stehendem Wasser/Urin
Prävention
Hygiene in Wohngebäuden
Müllreduktion, Impfung für Hunde
Die Stadt bezeichnet die Situation als „dringendes Problem der öffentlichen Gesundheit“, da die Bakterien bis zu 30 Tage im Boden überleben können. Die Reinigungsmaßnahmen dauern daher entsprechend lange an.
Für medizinisches Personal hat Berkeley neue Leitlinien herausgegeben. Ärzte sollen Leptospirose nun aktiv in Betracht ziehen, wenn Patienten Symptome zeigen, die mit einer Rattenexposition in Verbindung stehen könnten. Dies soll verhindern, dass weitere Fälle aufgrund von Fehldiagnosen übersehen werden.
Hinweis: Diese Informationen dienen der Berichterstattung. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Bedenken oder Symptomen Ihren Arzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister.
Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.
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