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Technik und Wissenschaft

Plasma könnte Raketenantriebe für die Raumfahrt revolutionieren

Die The Aerospace Corporation hat gemeinsam mit der University of Southern California (USC) und der Naval Postgraduate School (NPS) ein Konzept für Feststofftriebwerke entwickelt. Durch Nanosekunden-gepulse Plasmaentladungen (NPPD) wird es erstmals möglich, den Schub von Feststoffraketen präzise zu regulieren und das Triebwerk mehrfach zu zünden.

NPPD: Die Steuerung des unsteuerbaren

NPPD: Die Steuerung des unsteuerbaren
cluster (priority): scitechdaily.com

Feststofftriebwerke gelten als die zuverlässigsten Antriebe der Raumfahrt, da sie auf komplexe Pumpen oder Ventile verzichten, die bei Flüssigtreibstoffen oft fehleranfällig sind. Ihr fundamentaler Nachteil war bisher die mangelnde Kontrolle: Einmal gezündet, brennt der Treibstoff vollständig ab. Wer Schub regulieren oder ein Triebwerk wiederzünden wollte, musste auf Flüssigsysteme ausweichen.

Das neue Konzept der Nanosecond Pulsed Plasma Discharge (NPPD) löst dieses Problem durch den Einsatz von Niedertemperatur-Plasma. Dabei handelt es sich um ein ionisierten Gas, das aus energiereichen, heißen Elektronen und kühleren, schweren Gasteilchen besteht.

Die Zündung erfolgt über extrem kurze Hochspannungsblitze, die weniger als 100 Nanosekunden dauern. Diese hochenergetischen Impulse verhindern, dass der Feststoff sofort vollständig verbrennt. Durch die Steuerung der Anzahl dieser Blitze lässt sich der Schub drosseln; stoppt man die Impulse komplett, wird die chemische Reaktion unterbrochen und das Triebwerk erlischt.

Ionische Flüssigpolymere als Treibstoff-Alternative

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Damit diese präzise Steuerung funktioniert, ist ein spezieller Treibstoff erforderlich: ionische Flüssigpolymere. Der Begriff Flüssig bezieht sich hierbei lediglich auf die Bausteine, die bei Zimmertemperatur schmelzen, bevor sie zu einem stabilen Feststoff verkettet werden.

Dieser neue Treibstoff kann ähnlich wie der standardmäßig verwendete Ammoniumperchlorat-Verbundtreibstoff (APCP) eingesetzt werden. Laut Projektleiter Alejandro Briseno bleibt das Material über eine breite Temperaturspanne stabil und behält seine elektrochemische Aktivität bei.

Strategische Vorteile für Satelliten und Raumschiffe

Die Implikationen dieser Technologie reichen weit über schwere Trägerraketen hinaus. Insbesondere für Satelliten bietet das NPPD-System eine effiziente Alternative zu den derzeitigen Ionen- oder Flüssigkeitstriebwerken.

Die Fähigkeit zur Schubregulierung ist im All kritisch für zwei Hauptszenarien:

  • Das Ausweichen vor gefährlichem Weltraumschrott.
  • Das gezielte Manövrieren in den sogenannten Friedhofsorbit am Ende einer Mission.
  • The Kombination aus der Zuverlässigkeit eines Feststoffantriebs und der Flexibilität eines Flüssigtriebwerks könnte die Lebensdauer und Sicherheit orbitaler Infrastrukturen signifikant erhöhen.

    Die Physik hinter dem vierten Aggregatzustand

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    cluster (priority): my.clevelandclinic.org

    Um die Funktionsweise dieser Antriebe zu verstehen, muss man die Natur des Plasmas betrachten. Es bildet etwa 99 % der sichtbaren Materie im Universum, vor allem in Sternen und im interstellaren Raum. Plasma entsteht, wenn Elektronen von Atomen getrennt werden, wodurch positiv geladene Ionen und freie Elektronen entstehen.

    Im Gegensatz zu Gasen kann Plasma Strom leiten. In Laborumgebungen wird dieser Zustand durch Hochspannung, Laser oder elektromagnetische Felder erzeugt. In der Astrophysik geschieht dies durch extreme Hitze oder hochenergetische Photonen, wie etwa Gammastrahlen.

    Man unterscheidet dabei zwischen Hochtemperatur-Plasmen, die über 10.000 Grad Fahrenheit heiß sein können und vollständig ionisiert sind, und Niedertemperatur-Plasmen. Letztere sind nur teilweise ionisiert und können sogar Raumtemperatur aufweisen – eine Eigenschaft, die sie für die präzise Zündung in NPPD-Triebwerken prädestiniert.

    Ein biologischer Kontrast: Plasma im menschlichen Körper

    Während die Physik das Plasma als hochenergetischen Zustand der Materie definiert, nutzt die Medizin den Begriff für den flüssigen Teil des Blutes. Dieser biologische Kontext zeigt die enorme Bandbreite des Begriffs: Hier ist Plasma keine ionisierte Gaswolke, sondern eine strohfarbene Flüssigkeit, die etwa 55 % des gesamten Blutvolumens ausmacht.

    Die Zusammensetzung unterscheidet sich fundamental von der astrophysikalischen Form:

    Komponente Anteil / Funktion Wasser ca. 90 % bis 92 % Proteine Albumin (Flüssigkeitsbalance), Fibrinogen (Blutgerinnung), Globuline (Immunabwehr) Sonstige Hormone, Vitamine, Salze und Enzyme

    In der Medizin ist dieses Plasma lebensrettend. Durch Verfahren wie die Plasmapherese wird die Flüssigkeit vom Blut getrennt und zur Herstellung von Medikamenten für Patienten mit Immunschwächen oder Gerinnungsstörungen verwendet. Während das physikalische Plasma also die Grenzen der Raumfahrt verschiebt, sichert das biologische Plasma die grundlegenden Funktionen des menschlichen Organismus.

    Die Entwicklung der NPPD-Technologie markiert einen Wendepunkt in der Antriebstechnik. Die Fähigkeit, die Unberechenbarkeit von Feststoffverbrennungen durch nanosekundengenaue Plasma-Impulse zu zähmen, könnte die Architektur künftiger Raumschiffe grundlegend verändern.

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    Clara Vogt

    Über den Autor

    Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

    Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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