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Gesundheit

Parkinson-Prozesse im lebenden Gehirn mit Tomographie sichtbar machen

Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Tübingen, des Max-Planck-Instituts und des Unternehmens MODAG entwickelte den PET-Tracer [11C]MODAG-005, der krankhafte Alpha-Synuclein-Ablagerungen im lebenden Gehirn sichtbar macht. Die am 27. Mai 2026 in Science Translational Medicine veröffentlichten Ergebnisse ermöglichen eine frühere Diagnose von Parkinson und Multisystematrophie sowie eine präzisere Steuerung künftiger Therapien.

Die Diagnose neurodegenerativer Erkrankungen glich lange Zeit einer retrospektiven Analyse. Bei Parkinson oder der Multisystematrophie (MSA) konnten die für diese Krankheiten charakteristischen Proteinablagerungen oft erst spät oder in vielen Fällen erst nach dem Tod durch eine Autopsie zweifelsfrei nachgewiesen werden. Dieser Zeitverzug behinderte nicht nur die frühe Intervention, sondern erschwerte auch die Überprüfung neuer Medikamente, da es kein direktes Instrument gab, um die Wirkung auf die Proteinablagerungen im lebenden Patienten zu messen.

Mit der Entwicklung des neuen PET-Tracers [11C]MODAG-005 ändert sich diese Dynamik. Ein Tracer ist eine schwach radioaktive Substanz, die nach der Injektion gezielt an krankhafte Gewebestrukturen bindet. In diesem Fall fixiert der Tracer Alpha-Synuclein-Ablagerungen, die als zentrale Biomarker für den Untergang von Nervenzellen gelten.

Die Visualisierung von Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn

Der Durchbruch basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen klinischer Forschung, Grundlagenwissenschaft und Biotechnologie. Prof. Dr. Kristina Herfert vom Werner Siemens Imaging Center am Universitätsklinikums Tübingen leitete die Studie gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Giese und Prof. Dr. Christian Griesinger. Die chemische Optimierung des Tracers erfolgte in mehreren Schritten unter Einsatz von Tiermodellen, bevor erste Untersuchungen an Patienten durchgeführt wurden.

Die Visualisierung von Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn
Gehirn Patienten

"Mit diesem neuen Verfahren können wir krankhafte Prozesse erstmals direkt im Gehirn beobachten – und weitere Arbeiten werden zeigen, ob dies auch gelingt, bevor klinische Symptome eindeutig sind" Prof. Dr.

Die Visualisierung von Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn
cluster (priority): AD HOC NEWS

Diese Fähigkeit, Prozesse im Gehirn zu beobachten, bevor die motorischen Symptome voll ausgeprägt sind, ist der entscheidende Hebel für die Präzisionsmedizin. Wenn Ärzte die räumliche Verteilung der Ablagerungen sehen können, lässt sich die Diagnose nicht mehr nur auf klinischen Beobachtungen aufbauen, sondern auf einer biologischen Evidenz.

"Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühere und genauere Diagnose." Prof. Dr.

Die Komplexität der Entwicklung unterstreicht Prof. Dr. Christian Griesinger, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, indem er betont, dass die Kombination aus Chemie, biochemischen Tests und Tierexperimenten nur durch Teamarbeit möglich war.

Differenzialdiagnostik: Parkinson von der Multisystematrophie abgrenzen

Eine der größten Herausforderungen in der Neurologie ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen von Synukleinopathien. Parkinson und die Multisystematrophie (MSA) weisen oft ähnliche Symptome auf, erfordern aber unterschiedliche therapeutische Ansätze. Erste klinische Tests des [11C]MODAG-005 an drei Patienten deuten darauf hin, dass verschiedene Krankheitsformen durch charakteristische Muster im Gehirn unterscheidbar sind.

Gehirn – MRT Tomographie

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Parallel zur Bildgebung gibt es Fortschritte in der Labordiagnostik. Ein Team der Shanghai Jiao Tong Universität identifizierte das Protein TPPP/p25 als entscheidenden Biomarker in der Nervenflüssigkeit. Wie AD HOC NEWS berichtet, ermöglicht der neu entwickelte TPPP/p25-SAA-Test eine präzise Abgrenzung von Parkinson gegenüber der MSA, basierend auf der Analyse von über 200 Proben.

Während die PET-Bildgebung die räumliche Verteilung der Proteine im Gehirn visualisiert, bietet der laborchemische Ansatz eine ergänzende Methode zur frühen Differenzialdiagnose. Zusammen bilden diese Werkzeuge ein diagnostisches Netz, das die Unsicherheit bei der Erstdiagnose massiv reduziert.

Hybrid-Therapien und digitale Assistenzsysteme

Die verbesserte Diagnostik trifft auf eine neue Generation von Behandlungsansätzen. Im Jahr 2026 rücken sogenannte Hybrid-Therapien in den Fokus, die medikamentöse Behandlung mit digitalen Anwendungen kombinieren. Eine Phase-2a-Studie mit 41 Teilnehmern untersuchte die Kombination des Standardmedikaments Levodopa mit der App DopApp™.

Hybrid-Therapien und digitale Assistenzsysteme
cluster (priority): AD HOC NEWS
Gruppe Reduktion auf der MDS-UPDRS-Skala
Hybrid-Gruppe (Levodopa + DopApp™) 9,7 Punkte
Kontrollgruppe 1,95 Punkte

Bei 90 Prozent der Probanden dieser Hybrid-Gruppe trat eine klinisch relevante Verbesserung der Symptome ein. Funktionelle MRT-Aufnahmen belegten zudem eine gestärkte Vernetzung motorischer und limbischer Hirnkreisläufe. Laut Berichten von AD HOC NEWS ergänzen diese digitalen Ansätze weitere technologische Innovationen, wie eine textile Roboter-Neuroprothese des spanischen Centro de Automática y Robótica, die Tremor durch funktionelle Elektrostimulation (FES) bekämpft.

Auch im Bereich der nicht-invasiven Stimulation gibt es Fortschritte. Die transkranielle Temporal-Interference-Stimulation (TIs) zeigte in einer Studie in eBioMedicine bei 30 Patienten im frühen bis mittleren Stadium eine signifikante Wirkung: Rund 70 Prozent der Patienten berichteten nach einer einzigen 20-minütigen Sitzung über klinisch bedeutsame Verbesserungen, verglichen mit nur 15 Prozent in der Scheinbehandlungsgruppe.

Biochemische Marker und die Zukunft der Wirkstoffprüfung

Die Fähigkeit, Proteinablagerungen sichtbar zu machen, beschleunigt auch die Entwicklung neuer Medikamente. Wenn die Wirkung eines Wirkstoffs auf die Alpha-Synuclein-Ablagerungen messbar wird, können Pharmaunternehmen schneller entscheiden, ob ein Kandidat erfolgreich ist oder verworfen werden muss.

Ein aktuelles Beispiel für diesen Trend zur biochemischen Überwachung ist das Unternehmen Gain Therapeutics. In einer Phase-1b-Studie für den Wirkstoffkandidaten GT-02287 wurde ein spezifisches Lipid (GluSph) in der Nervenflüssigkeit gemessen. Nach 90 Tagen sank dieses Lipid bei den Probanden um 81 Prozent.

Diese Entwicklung markiert einen Paradigmenwechsel: Die Neurologie bewegt sich weg von der rein symptomatischen Behandlung hin zu einer therapeutischen Strategie, die direkt an den biochemischen Treibern der Krankheit ansetzt. Die Kombination aus PET-Bildgebung, flüssigkeitsbasierten Biomarkern und hybriden Therapien ermöglicht es erstmals, den Krankheitsverlauf in Echtzeit zu verfolgen und die Behandlung individuell anzupassen.

Hinweis: Diese Informationen dienen der Berichterstattung über aktuelle Forschungsergebnisse und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen immer Ihren behandelnden Arzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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