BASF schließt im Juni 2026 den Verkauf seiner Coatings-Sparte an Carlyle und die Qatar Investment Authority für einen Unternehmenswert von 7,7 Milliarden Euro ab. Der Deal bringt dem Konzern rund 5,8 Milliarden Euro an Vorsteuer-Liquidität, die zur Bilanzstärkung und zur Finanzierung strategischer Transformationen innerhalb der „Winning Ways“-Initiative eingesetzt werden soll.
Der Milliarden-Deal mit Carlyle und Qatar
cluster (priority): Börse ExpressDer bevorstehende Abschluss des Coatings-Verkaufs markiert den bedeutendsten Portfolioschritt im laufenden Jahr für den Chemiekonzern. Laut Berichten von Boerse Express wird BASF im Juni einen Vorsteuerzufluss von etwa 5,8 Milliarden Euro erwarten. Das Unternehmen plant dabei, eine Eigenkapitalbeteiligung von 40 Prozent am neuen, eigenständigen Unternehmen zu behalten.Diese Transaktion ist weit mehr als ein reiner Kapitalzufluss. Betrachtet man den bereits vollzogenen Verkauf des Dekorfarbengeschäfts mit, beläuft sich der Gesamtwert der Coatings-Sparte auf 8,7 Milliarden Euro. Dies entspricht einem EBITDA-Multiple von rund 13-mal für das Jahr 2024. Um die Übernahme zu finanzieren, haben Banken bereits Hochzinsanleihen im Gegenwert von rund 1,95 Milliarden Euro platziert.Für die neue Struktur wurde Jens Luehring bereits als künftiger CEO benannt. Während BASF einen signifikanten Teil der Erlöse zur Stärkung der Bilanz nutzen möchte, steht der Konzern unter dem Druck, Kapital effizient zu verteilen. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,5 Milliarden Euro läuft im Juni aus, doch die langfristige Strategie ist ambitionierter: Bis 2028 will BASF mindestens 4 Milliarden Euro in Rückkäufe investieren.
Automatisierung als Antwort auf den Fachkräftemangel
Parallel zum Verkauf der Sparte treibt BASF eine technologische Offensive im Bereich der Automobil-Reparaturlackierung voran. Das Ziel ist nicht der Bau von Robotern, sondern deren intelligente Integration. Durch die Verknüpfung der digitalen Plattform Refinity mit robotergestützten Systemen will BASF die Branche vor der Herausforderung des zunehmenden Fachkräftemangels bewahren.Das Unternehmen positioniert sich hierbei als Integrationspartner für Erstausrüster und Werkstattbetreiber. Wie BASF in einer Pressemitteilung erläuterte, liegt der Fokus auf der Verbindung von digitalem Farbmanagement und der physischen Lackapplikation, um Wiederholbarkeit und Qualität in realen Werkstattumgebungen sicherzustellen.
„Robotik verbindet digitales Farbmanagement und physische Applikation zu einem durchgängigen, vernetzten Prozess“, sagt Chen Liu, Global Head of Technology Automotive Refinish Coatings.
cluster (priority): Börse ExpressDie ersten Anwendungen konzentrieren sich auf die standardisierte Applikation von Grundierungen, Basislacken und Klarlacken auf kompletten Fahrzeugteilen. Dabei stehen Durchsatz, Materialeffizienz und eine hohe Wiederholgenauigkeit im Vordergrund, um die Wirtschaftlichkeit in Reparaturprozessen zu steigern.
Technologische Effizienz und der Sustainability Award 2026
BASF schließt Deutschland, baut für €10 Mrd in ChinaDie Innovationskraft des Konzerns wurde jüngst auch durch externe Anerkennung bestätigt. BASF erhielt den „Sustainability Award in Automotive 2026“ für die sogenannte overspray-freie Applikation (OFLA). Diese Technologie, bekannt unter dem Namen ColorSharp, ermöglicht eine präzise zweifarbige Lackierung ohne den Einsatz von Abklebematerialien.Laut AD HOC NEWS bietet dieses Verfahren erhebliche ökologische und ökonomische Vorteile. Ein Beispiel hierfür ist das Renault-Werk in Maubeuge, wo der Prozess folgende Einsparungen erzielt:
Etwa 1,7 Gigawattstunden Energieersparnis pro Jahr
Reduktion der CO2-Emissionen um rund 300 Tonnen
Einsparung von etwa 200 Gramm Lack pro Fahrzeug
Diese Entwicklungen sind Teil der „Winning Ways“-Strategie, die darauf abzielt, die Profitabilität im Kerngeschäft durch technologische Überlegenheit zu sichern.
Gespaltene Analystenmeinungen und Marktdruck
cluster (priority): AD HOC NEWSTrotz der technologischen Fortschritte und des bevorstehenden Milliarden-Closings zeigt sich die BASF-Aktie am Markt verhalten. Während die Aktie seit Jahresbeginn ein Plus von gut 13 Prozent verzeichnet, notiert sie aktuell bei etwa 50,60 Euro und liegt damit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.Die Analysten sind in ihrer Einschätzung tief gespalten, was die Komplexität der aktuellen Lage verdeutlicht. Eine Übersicht der aktuellen Einschätzungen zeigt die Diskrepanz:
Institut
Empfehlung
Kursziel
Begründung
Citibank
Buy
58 Euro
Schnellere Normalisierung der asiatischen Margen
JPMorgan
Underweight
40 Euro
Strukturelle Überkapazitäten in der Branche
Die Citibank senkte ihr Kursziel zwar von 61 auf 58 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Im Gegensatz dazu bleibt JPMorgan skeptisch und verweist auf die Überkapazitäten im Sektor. Das erste Quartal 2026 lieferte ein gemischtes Bild: Während das Ergebnis je Aktie auf 1,06 Euro stieg (gegenüber 0,91 Euro im Vorjahr), sank der Umsatz um knapp acht Prozent auf 16,02 Milliarden Euro.
Strategische Weichenstellungen bis 2029
Der Blick nach vorne ist geprägt von einem massiven Umbauprogramm. Neben der Kapitalbeschaffung durch Verkäufe steht das „CoreShift“-Programm im Fokus, das darauf abzielt, die Sachanlagenkosten bis 2029 um 20 Prozent auf insgesamt 13 Milliarden Euro zu senken.Anleger sollten jedoch auch die makroökonomischen Risiken im Auge behalten. Der VCI hat vor einem „geopolitischen Hamstern“ gewarnt, das das Wachstum in einigen Sparten künstlich aufbläht, ohne echte Stärke zu signalisieren. Zudem belastet die aktuelle Kapazitätsauslastung der deutschen Chemieindustrie mit 75,1 Prozent die Rentabilität.Die nächsten entscheidenden Termine für die Bewertung des Turnarounds sind der Abschluss des Silikat-Geschäfts an PQ sowie die Veröffentlichung der Q2-Zahlen im Juli 2026. Erst dann wird sich zeigen, ob die Kombination aus Portfolio-Bereinigung und technologischer Automatisierung ausreicht, um den gegenwärtigen Marktdruck dauerhaft zu überwinden.
David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.
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