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Saarland-Universität: Forscher identifizieren neuen Krebs-Abwehrmechanismus

Forscher der Universität des Saarlandes haben unter der Leitung von Dr. Hsin Fang Chang und PD Dr. Elmar Krause einen körpereigenen Abwehrmechanismus gegen Krebszellen identifiziert. Das Team entdeckte, dass Immunzellen das Molekül Interferon-gamma in zytotoxischen Granula speichern, um Krebszellen gezielt und hocheffektiv direkt an der Kontaktstelle zu bekämpfen.

Identifizierung eines neuen zellulären Abwehrmechanismus

Krebs stellt in westlichen Ländern die zweithäufigste Todesursache dar. Während die Medizin bereits erfolgreich verschiedene Strategien zur Bekämpfung von Tumoren entwickelt hat, konzentriert sich die aktuelle Forschung verstärkt auf die Entschlüsselung der körpereigenen Verteidigungssysteme. Eine Forschungsgruppe des Zentrums für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin (CIPMM) an der Universität des Saarlandes hat nun einen weiteren Mechanismus identifiziert, der eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Krebszellen spielen könnte.

Die Arbeiten wurden von Dr. Hsin Fang Chang und PD Dr. Elmar Krause geleitet. Das Projekt wurde unter Beteiligung internationaler Kooperationspartner aus Großbritannien, Italien, Spanien und Taiwan durchgeführt. Im Zentrum der Untersuchung steht die Funktion des Moleküls Interferon-gamma (IFNγ), das in der Immunologie seit langem als zentraler Regulator von Entzündungsreaktionen bekannt ist.

Speicherung von Interferon-gamma in spezialisierten Strukturen

Die Wissenschaftler des CIPMM konnten jedoch zeigen, dass die Rolle dieses Moleküls weit über die reine Signalsteuerung hinausgeht. Das Team entdeckte, dass ein erheblicher Anteil des von Immunzellen produzierten Interferon-gamma nicht frei in der Zelle zirkuliert, sondern in spezialisierten Strukturen gespeichert wird.

Funktionsweise des lytischen Interferon-gamma

Die entscheidende Entdeckung der saarländischen Forscher betrifft die Art und Weise, wie Immunzellen ihre molekularen Werkzeuge bereitstellen. Das Team bezeichnet das gefundene Molekül als „lytisches IFNγ“. Dieses wird nicht unkontrolliert freigesetzt, sondern direkt in den sogenannten zytotoxischen Granula gespeichert, die als „Munitionsdepots“ der Immunzelle fungieren.

Durch diese Speicherung in den Granula kann die Zelle ein hochkonzentriertes Schlagvolumen entwickeln. Das lytische IFNγ wird dort gemeinsam mit anderen direkt zellabtötenden Proteinen, wie etwa Granzym B, verpackt. Dies ermöglicht es der Immunzelle, einen gezielten Angriff exakt an der Kontaktstelle zur Tumorzelle auszuführen.

Diese präzise Lokalisation bietet einen signifikanten biologischen Vorteil: Sie verhindert, dass das Molekül frei im Gewebe diffundiert. Eine unkontrollierte Diffusion würde andernorts Entzündungssignale auslösen, was für den Organismus schädlich sein kann. Stattdessen wirkt das IFNγ lokal zusammen mit anderen Proteinen, um die Tumorzelle direkt zu bekämpfen.

Potenzial für die moderne Immunonkologie

Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für neue therapeutische Ansätze bilden. In der aktuellen Krebsbehandlung sind Therapien, die auf monoklonalen Antikörpern oder sogenannten CAR-T-Zellen basieren, bereits etablierte Methoden, die auf dem Prinzip der gezielten Immunaktivierung beruhen. Die Identifizierung des lytischen IFNγ-Mechanismus eröffnet nun weitere Wege, wie die körpereigene Abwehr effizienter gegen Tumore eingesetzt werden kann.

Indem die Mechanismen der zytotoxischen Granula besser verstanden werden, könnte die Forschung Wege finden, die Effektivität dieser „Munitionsdepots“ künstlich zu verstärken oder die gezielte Freisetzung von lytischen Proteinen zu optimieren. Dies könnte dazu beitragen, die Bekämpfung von Krebszellen zu verbessern, ohne die systemischen Nebenwirkungen unkontrollierter Entzündungsreaktionen in Kauf nehmen zu müssen.

Konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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