In der Demokratischen Republik Kongo hat die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle am Montag, den 25. Mai 2026, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Marke von 900 überschritten, während die kongolesische Regierung von bereits 204 Toten seit Ausbruchbeginn berichtet. Die Lage in der Provinz Ituri, wo die Epidemie ihren Ursprung hat, verschärft sich durch Angriffe auf Behandlungszentren und tiefes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Gesundheitsbehörden.
Eine seltene Variante mit verheerenden Folgen
Der aktuelle Ausbruch wird durch den seltenen Bundibugyo-Virus-Typ verursacht, für den es weder eine zugelassene Impfung noch eine spezifische Therapie gibt. Während die WHO das Ansteckungsrisiko im Kongo auf „sehr hoch“ und in der gesamten Region auf „hoch“ einstuft, bleibt die globale Gefahr „gering“. Die Sterblichkeitsrate dieser Variante liegt bei etwa 30 bis 50 Prozent, was die Epidemie besonders gefährlich macht. Laut WHO wurden bisher 91 Infektionen laborbestätigt, davon zehn tödlich. Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und 21 Tagen, was die Früherkennung erschwert.
Im Gegensatz zu SARS-CoV-2 wird Ebola nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Erbrochenem oder Speichel. Dennoch ist die Übertragung in bevölkerungsdichten Regionen wie der Provinz Ituri besonders riskant. Die WHO warnt vor einer möglichen nationalen Ausbreitung im Kongo und einer hohen Dunkelziffer ungemeldeter Fälle.
Angriffe auf Gesundheitszentren und Misstrauen der Bevölkerung
Die humanitäre Lage in der betroffenen Region ist katastrophal. In der Stadt Mongbwalu, wo die ersten Verdachtsfälle gemeldet wurden, sind die Kapazitäten der Krankenhäuser erschöpft. Florent Uzzeni, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen, beschreibt die Situation als „katastrophal“: „Sehr viele Patienten mit Verdacht auf Ebola sind in verschiedenen Abteilungen untergebracht und warten auf Testergebnisse.
In den letzten Wochen kam es zu gewaltsamen Übergriffen auf Behandlungszentren, darunter Angriffe auf eine Klinik in Mongbwalu, bei denen Schüsse abgegeben wurden. Die Bevölkerung reagiert mit Misstrauen und Ablehnung gegenüber den Gesundheitsbehörden. Viele glauben, Ebola sei eine Erfindung der Regierung oder ein Mittel zur Profitmaximierung. Diese Stimmung erschwert die Aufklärung und die Eindämmung der Epidemie.
Francois Kasereka, ein Freiwilliger aus der Organisation der Pfadfinder, versucht in der Stadt Bunia, die Bevölkerung über die Gefahren von Ebola aufzuklären. „Wir arbeiten als Freiwillige, um die Leute vor Ebola zu warnen und sie darüber aufzuklären, wie sie sich vor Ansteckung schützen können“, erklärt er.
Die Freiwilligen stehen vor einer enormen Herausforderung: Sie müssen den Menschen erklären, was Ebola ist, ohne sie zu verängstigen oder zu verprellen. „Wir wollen das Ansteckungsrisiko in unserer Stadt und unserer Provinz so gering wie möglich halten“, sagt Kasereka. Doch die Arbeit der Helfer wird durch Falschinformationen und das tiefe Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Behörden zusätzlich erschwert.
Uganda im Visier: Erste Fälle über die Grenze
Die Epidemie hat bereits auf das Nachbarland Uganda übergegriffen. Die Gesundheitsbehörden in Uganda meldeten am Montag zwei neue Ebola-Fälle, die mit dem Ausbruch im Osten des Kongo zusammenhängen. Damit steigt die Zahl der bestätigten Fälle auf sieben. Uganda veröffentlicht keine Zahlen zu Verdachtsfällen, doch die Angst vor einer weiteren Ausbreitung ist groß. Präsident Yoweri Museveni rief die Bevölkerung dazu auf, auf Händeschütteln zu verzichten und anstehende Pilgerfeste zu verschieben.

Gesundheitsminister der Region trafen sich am Wochenende in der ugandischen Hauptstadt Kampala, um über ein koordiniertes Vorgehen zu beraten. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC warnt vor einer weiteren Ausbreitung in zehn Ländern der Region, darunter Südsudan, Ruanda, Kenia, Tansania und Angola. Die Gefahr einer internationalen Ausbreitung bleibt jedoch gering, da das Virus nicht luftgetragen ist.
Was kommt als Nächstes?
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Die Freiwilligen vor Ort kämpfen nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen Desinformation und Misstrauen. Ohne eine Impfung oder spezifische Therapie bleibt die Behandlung auf symptomatische Maßnahmen beschränkt: Flüssigkeitszufuhr, Elektrolyte und engmaschige Überwachung der Vitalwerte. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Frage, wie sie die betroffenen Länder am besten unterstützen kann.
Die Situation erinnert an frühere Ebola-Epidemien, etwa in Westafrika 2014–2016, doch die aktuelle Lage ist besonders brisant, da die Bundibugyo-Variante schwerer einzudämmen ist. Die internationale Gemeinschaft muss schnell handeln, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die betroffene Bevölkerung zu schützen. Die Frage ist nicht nur, wie viele Menschen noch erkranken werden, sondern auch, wie lange es dauern wird, bis das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Gesundheitsbehörden überwunden ist.
Eines ist klar: Die Epidemie wird die Region noch lange beschäftigen. Die Arbeit der Freiwilligen, die Aufklärungskampagnen und die internationale Unterstützung werden entscheidend sein, um die Ausbreitung von Ebola zu stoppen und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.
