Die Hoffnung auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat am Montag, den 25. Mai 2026, die Ölpreise auf den niedrigsten Stand seit über zwei Wochen gedrückt. Die Nordseesorte Brent sank um 4,55 Prozent auf 98,83 Dollar je Barrel, während die US-Sorte WTI um 4,73 Prozent auf 92,03 Dollar nachgab. Doch trotz dieser kurzfristigen Entlastung bleibt die globale Energiekrise ungelöst – und die Reisezeit steht bevor.
Widersprüchliche Signale aus Washington
US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag noch eine „weitgehend ausgehandelte“ Absichtserklärung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz verkündet – ein entscheidender Engpass für den weltweiten Öltransport. Doch bereits am Sonntag dämpfte er die Erwartungen: Die US-Blockade iranischer Schiffe bleibe bestehen, bis ein Vertrag unterzeichnet sei. Diese widersprüchlichen Signale halten die Märkte in Atem. Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung ist zwar gestiegen, doch die Realität bleibt komplex. Teheran fordert das Ende der US-Angriffe und eine Beilegung des Libanon-Konflikts, während Israel seine Handlungsfreiheit gegen die Hisbollah-Miliz betont. „Trotz aller verbleibenden Vorbehalte und Risiken gibt es nun Licht am Ende des Tunnels“, sagte der Analyst Saul Kavonic von MST Marquee. Doch selbst wenn ein Abkommen zustande kommt, wird der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz frühestens 2027 wieder das Vorkriegsniveau erreichen – so die Warnung des Chefs der nationalen Ölgesellschaft von Abu Dhabi.


Die Blockade hat bereits konkrete Folgen: Erstmals seit Monaten verließen am Montag wieder Tanker die Meerenge. Ein mit Flüssigerdgas beladenes Schiff machte sich auf den Weg nach Pakistan, ein Supertanker mit irakischem Rohöl steuerte China an. Doch die Auswirkungen auf die globale Handelsschifffahrt bleiben massiv – rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports liefen vor dem Konflikt über diese Route. Die Frage ist nicht nur, ob die Blockade endet, sondern auch, wie schnell die Märkte die verlorene Kapazität ersetzen können.
Die Reisezeit als zweiter Risikofaktor
Während die Hoffnung auf ein Abkommen die Ölpreise kurzfristig drückt, droht ab Juni eine neue Belastung: die Reisezeit. „Wenn das Frühjahr beginnt, fahren die Menschen wieder mehr in den Urlaub – das beginnt schon im April um Ostern herum, verstärkt sich im Mai und zieht sich bis in den Sommer hinein“, erklärt Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. In den USA wird diese Phase als „Driving Season“ bezeichnet, grob von Ende Mai bis Anfang September. Mehr Autofahrten, mehr Flüge – und damit mehr Nachfrage nach Benzin, Kerosin und Diesel. In diesem Jahr trifft die Nachfragespitze auf einen ohnehin angespannten Markt: Die weltweiten Ölreserven sind seit Beginn des Konflikts um 378 Millionen Barrel gesunken, wie die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet. „Die Lagerbestände nähern sich kritischen Niveaus“, warnt Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment.

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„Die Lagerbestände am Ölmarkt nähern sich schon den kritischen Niveaus.
Die Situation erinnert an historische Preisschübe: Anfang April erreichte die Nordseesorte Brent mit 126 Dollar je Barrel den höchsten Stand seit vier Jahren – noch unter dem Rekord von 139 Dollar im März 2022, als der Ukraine-Krieg die Märkte erschütterte. Damals, im Sommer 2008, stiegen die Preise sogar auf rund 147 Dollar – inflationsbereinigt wären das heute etwa 220 bis 225 Dollar. Die aktuelle Krise ist zwar weniger extrem, aber die Kombination aus geopolitischen Risiken und saisonaler Nachfrage könnte die Preise erneut in die Höhe treiben. Besonders betroffen wäre Asien, wo die Nachfrage nach Flugbenzin und Schiffsdiesel bereits jetzt stark steigt.
Was die Märkte wirklich bewegen wird
Die Ölpreise schwanken derzeit zwischen Hoffnung und Skepsis. Zwar haben die jüngsten Aussagen aus Washington und Teheran die Märkte beruhigt, doch die zentralen Streitpunkte – vor allem die Hoheit über die Straße von Hormuz – sind noch nicht gelöst. „Hoffnungen auf ein Abkommen haben die Ölpreise zwar unter Druck gesetzt, aber letztlich hat sich der Preis für Brent deutlich über 100 Dollar etabliert“, sagt Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Die Anleger beobachten die Entwicklung im Nahen Osten genau: „Je länger die Straße von Hormuz geschlossen bleibt, desto mehr müssen die Lagerbestände herhalten.“ Doch selbst wenn die Blockade endet, wird die Erholung der globalen Ölversorgung Monate dauern. Die Frage ist, ob die Märkte bis dahin stabil bleiben – oder ob die Reisezeit im Sommer zu einem neuen Preisschub führt.

Ein weiterer Faktor ist die globale Nachfrage: Die IEA warnt vor einer möglichen Knappheit bei Flugbenzin und Schiffsdiesel, gerade in Asien. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Lagerbestände bereits jetzt knapp sind. „Dann dürften wir an einigen Stellen des Ölmarktes echte Knappheiten bekommen“, sagt Benedix. Die Reisezeit könnte also genau dann zuschlagen, wenn die Märkte ohnehin unter Druck stehen. Die aktuelle Preisentwicklung ist daher nur ein kurzfristiger Hoffnungsschimmer – die eigentliche Herausforderung steht noch bevor.
Was kommt als Nächstes?
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Sollte das Friedensabkommen tatsächlich unterzeichnet werden, könnte der Ölpreis weiter sinken – doch die Erholung der globalen Lieferketten wird Zeit brauchen. Selbst wenn die Straße von Hormuz wieder vollständig geöffnet wird, wird der Schiffsverkehr frühestens 2027 sein normales Niveau erreichen. Bis dahin bleibt die Weltwirtschaft abhängig von den verbleibenden Reserven. Die Reisezeit im Sommer könnte dann zum Testfall werden: Werden die Märkte die Nachfrage bewältigen – oder droht ein neuer Preisschub?
Eines ist klar: Die aktuelle Lage zeigt, wie fragil die globale Ölversorgung ist. Die Hoffnung auf ein Abkommen ist real – doch die Risiken bleiben. Die Märkte beobachten jede Entwicklung genau, und die Reisezeit könnte den entscheidenden Unterschied machen. Wer jetzt plant, sollte die Preisentwicklung genau im Auge behalten.