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Abgang von Dompfarrer Toni Faber offenbar fix

Erzbischof Josef Grünwidl bestätigte am 23. Mai 2026 die Pensionierung des Wiener Dompfarrers Toni Faber für den Sommer 2027. Faber, der seit 1997 im Amt des St. Stephan ist, tritt mit Erreichen seines 65. Geburtstags zurück. Die Entscheidung folgt auf anhaltende interne Kritik an seinem öffentlichen Auftreten in Begleitung einer Partnerin.

Nach drei Jahrzehnten an der Spitze einer der sichtbarsten Pfarreien der Welt endet eine Ära. Wie Die Presse berichtet, hat Erzbischof Josef Grünwidl den Abgang von Toni Faber offiziell bestätigt. Faber, der im Sommer 2027 das reguläre Pensionsalter erreicht, wird sein Amt als Dompfarrer von St. Stephan niederlegen. Damit stellt er einen Rekord von 30 Dienstjahren ein. Trotz des Rücktritts aus der Führungsposition bleibt Faber der Kirche erhalten. Laut Angaben von Der Standard wird er als Pfarrer weiterhin tätig sein, eine Praxis, die aufgrund des Mangels an Geistlichen in vielen Gemeinden mittlerweile üblich ist. Faber selbst sieht seine Zukunft weiterhin im kirchlichen Dienst, wobei er insbesondere seine Funktion als Brückenbauer zwischen Glaube, Politik, Wirtschaft und Kultur fortsetzen möchte. Als konkrete Option nannte er die Cityseelsorge.

Der Konflikt um das Zölibat und Natalie Nemec

Der Konflikt um das Zölibat und Natalie Nemec
cluster (priority): Der Standard
Der Abgang ist jedoch weit mehr als ein routinemäßiger Ruhestand. Hinter den Kulissen tobte ein Machtkampf zwischen progressiven Ansätzen und konservativem Druck. Wie der Kurier analysiert, spürt die Erzbischöflichkeit massiven Druck aus dem konservativen Lager. Auslöser waren die offensiven öffentlichen Auftritte Fabers mit seiner Freundin Natalie Nemec. Obwohl Erzbischof Grünwidl selbst als progressiv gilt und in Fragen wie dem Zölibat eine ähnliche Linie wie Faber vertritt, erwies sich die Position des Dompfarrers als zu exponiert. Die Kritik an seinem Lebensstil war innerhalb der Kirche bereits lange vor der aktuellen Entscheidung präsent, weit bevor er öffentlich für einen liberaleren Umgang mit dem Zölibat eintrat. Letzteres wird von Grünwidl als wenig relevant für den forcierten Abgang gewertet; im Zentrum steht die Sichtbarkeit seiner privaten Beziehung. Die öffentliche Auseinandersetzung über Fabers Privatleben löste heftige Reaktionen aus. Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler plädierte in einem Gespräch mit Katholisch.de dafür, dass Priester ein Recht auf ein Privatleben hätten. Schießler verteidigte insbesondere Fabers Präsenz auf dem Wiener Opernball mit einer Tanzpartnerin und bezeichnete den Ball als dessen „Pfarrfasching“. „Das sind alles meine Menschen.“ Toni Faber, zitiert von Rainer Maria Schießler

Faber als politischer Netzwerker und Machtfaktor

Faber als politischer Netzwerker und Machtfaktor
cluster (priority): Kronen Zeitung
Toni Faber war nie nur ein Seelsorger; er agierte als strategischer Knotenpunkt im Wiener Machtgefüge. Seine Fähigkeit, sich in Society-Kreisen zu bewegen und politische Allianzen zu schmieden, machte ihn zu einem wertvollen Partner für die Stadtpolitik. Besonders die SPÖ profitierte von dieser Verbindung. Ein prägnantes Beispiel für diese Synergie ereignete sich im Jahr 2020: Während einer Wahlkampftour von Bürgermeister Michael Ludwig durch den ersten Bezirk traf der Stadtchef „zufällig“ auf Faber. In einem medienwirksamen Moment pflichtete der Dompfarrer Ludwig in der Frage der Verkehrsberuhigung bei, indem er argumentierte, dass seine Gläubigen nicht der Entzug ihrer „spirituellen Tankstelle“ durch erschwerte Zufahrtswege drohen dürfe. Die Zusammenarbeit zwischen Ludwig und Faber erstreckte sich auf weitere Themen:
  • Sonntagsöffnung: Beide kämpften gemeinsam gegen die Einführung von Tourismuszonen.
  • Arbeitsfreier Sonntag: 2021 organisierte Faber einen Flashmob vor seinem Dom, um die Bedeutung des freien Sonntags zu unterstreichen.
  • Repräsentation: Faber diente der SPÖ oft als Beleg dafür, dass die Partei in Wien eine Position der Mitte einnimmt.
In politischen Kreisen wird Faber daher oft als „Verbinder“ bezeichnet, der in der Lage ist, gegensätzliche Welten zusammenzuführen.

Kritik an der kirchlichen Führung und interne Intrigen

Dompfarrer Toni Faber verliert sein Amt! ♥️ Zölibat gebrochen 😇 Im Wiener Stephansdom – Wien
Die Art und Weise des Abgangs wird von Kritikern als Symptom eines tieferliegenden Problems der katholischen Kirche gewertet. Der Wiener Medienmanager Rudi Klausnitzer sieht in der Entscheidung einen Beleg für das Versagen konservativer Repräsentanten. Laut Kronen Zeitung kritisierte Klausnitzer die Tendenz der Kirche, „Zukunftsorientierte abmontieren“ zu wollen, anstatt die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Klausnitzer argumentiert, dass die Kirche mehr Repräsentanten wie Faber benötige, die offen und sichtbar in der modernen Welt agieren, anstatt die Welt aus dem „Dunkel des Beichtstuhls“ heraus zu belehren. Er wertet die Vorgänge als interne Kirchenintrigen, die letztlich dazu beitragen, dass immer mehr Menschen sich von der Institution abwenden. Die Spannung zwischen Fabers Rolle als „Society-Star“ und den Anforderungen eines traditionellen Dompfarrers blieb über drei Jahrzehnte bestehen. Während seine Kritiker seine Inszenierung in den oberen Gesellschaftsschichten bemängelten, sahen seine Befürworter darin die einzige Möglichkeit, die Kirche in relevante Lebensbereiche zu tragen, in denen sie normalerweise nicht erwartet wird.

Die Zukunft nach dem Stephansdom

Die Zukunft nach dem Stephansdom
cluster (priority): news.google.com
Mit der offiziellen Bestätigung der Pensionierung im Sommer 2027 beginnt für die Wiener Dompfarre eine Phase der Neuausrichtung. Die Frage bleibt, ob ein Nachfolger die Rolle des „politischen Spielers“ und „Verbinders“ übernehmen kann oder ob die Erzbischöflichkeit eine Rückkehr zu einem diskreteren Profil anstrebt. Für Toni Faber selbst bedeutet der Schritt eine Befreiung von den administrativen und repräsentativen Zwängen des Dompfarrerschafts-Amtes, während er seine seelsorgliche Tätigkeit beibehalten kann. Ob er seine „vermittelnde Brückenfunktion“ auch ohne den formalen Machtapparat des Stephansdoms ausüben kann, wird zeigen, wie viel von seinem Einfluss auf seinem persönlichen Netzwerk und wie viel auf seinem Titel basierte. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die konservativen Kreise innerhalb der Diözese auf diesen Kompromiss reagieren. Für den Moment scheint der „Heilige Geist“, wie es in Wiener Kreisen ironisch formuliert wird, gewirkt zu haben, um eine Eskalation vor den Toren des Doms zu verhindern.
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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