Zum Inhalt springen
Gesundheit

Adenomyose: die seltene Krankheit, von der dennoch 20 % Frauen betroffen sind

Die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. definiert Adenomyose als eine Erkrankung, bei der Gewebeherde in der Muskelwand der Gebärmutter auftreten. Während Schätzungen die Betroffenheit von Menschen im gebärfähigen Alter auf 5 % bis 70 % beziffern, erfolgt die Diagnose oft erst zufällig nach einer Gebärmutterentfernung.

Die medizinische Einordnung der Adenomyose, auch Adenomyosis uteri genannt, hat in den letzten Jahren einen signifikanten Wandel erfahren. Lange Zeit wurde die Erkrankung lediglich als eine Unterform der Endometriose betrachtet und entsprechend als „Endometriose des Uterus“ unter dem Code N80.0 der internationalen medizinischen Klassifikation (ICD 10) geführt, so die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. Aktuelle Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Struktur der betroffenen Herde in der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) Unterschiede zu den klassischen Endometriose-Herden aufweist. Aus diesem Grund wird die Adenomyose mittlerweile als eine eigenständige Erkrankung eingestuft. Es ist möglich, dass die Adenomyose isoliert auftritt oder gemeinsam mit einer Endometriose vorliegt. Die betroffenen Herde können dabei lokal begrenzt oder diffus über die Muskelwand des Uterus verteilt sein.

Unklare Verbreitung und verzögerte Diagnosen

Unklare Verbreitung und verzögerte Diagnosen
Adenomyose Uterus
Ein zentrales Problem bei der Adenomyose ist der aktuelle Forschungsstand zur Verbreitung der Krankheit. Laut der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. ist die Datenlage hier weitaus unklarer als bei der klassischen Endometriose. Die Schätzungen zur Häufigkeit klaffen weit auseinander und reichen von 5 % bis zu 70 % aller Menschen mit Uterus im gebärfähigen Alter. Diese Unsicherheit resultiert primär aus der Schwierigkeit der Früherkennung. In vielen Fällen wurde die Erkrankung über Jahre hinweg nicht erkannt und erst zufällig diagnostiziert, nachdem eine Gebärmutterentfernung aus anderen medizinischen Gründen durchgeführt worden war.

Symptomatik und Überschneidungen

Die klinischen Anzeichen einer Adenomyose sind vielfältig und erschweren die Abgrenzung zur Endometriose, da sich die Symptome stark überschneiden. Zu den häufigsten Beschwerden zählen laut dem Verband:
  • Besonders starke Menstruationsblutungen
  • Starke Schmerzen während der Menstruation
  • Chronische Schmerzen im Unterbauch
  • Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit
Zudem werden häufig Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, eine verlängerte Dauer der Blutungen sowie azyklische Zwischenblutungen berichtet. Ein weiteres kritisches Merkmal ist eine erhöhte Rate an Frühgeburten und Fehlgeburten.

Diagnostische Verfahren und bildgebende Marker

Die Diagnose der Adenomyose unterscheidet sich grundlegend von der der Endometriose. Während eine Endometriose nach wie vor durch eine Gewebeprobe im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) gesichert werden muss, ist dies bei der Adenomyose nicht praktikabel. Die Ergebnisse von Gewebeproben sind in diesem Fall nicht eindeutig genug. Die Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Endometriose akzeptiert daher ausdrücklich die Diagnosestellung durch bildgebende Verfahren. Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte nutzen primär den vaginalen Ultraschall und die Magnetresonanztomografie (MRT). In diesen Untersuchungen achten Mediziner auf spezifische Merkmale, um eine Adenomyose zu identifizieren. Typische Anzeichen sind eine vergrößerte Gebärmutter sowie eine auffällig geformte Gebärmuttermuskelwand. Ein entscheidendes Kriterium ist die Verbreiterung der sogenannten Junktionalzone, welche die Zwischenschicht zwischen der Gebärmutterschleimhaut und der Muskelschicht bildet.

Therapeutische Ansätze der Schulmedizin

Innerhalb der evidenzbasierten Medizin stehen für die Behandlung der Adenomyose verschiedene Wege offen. Je nach Schweregrad der Symptome und den individuellen Lebensumständen der Patientinnen kommen medikamentöse Therapien oder operative Eingriffe zum Einsatz. Die Wahl der Therapie hängt maßgeblich von der Ausprägung der Symptome und dem Wunsch nach einer bestehenden oder zukünftigen Fruchtbarkeit ab. Bitte konsultieren Sie bei entsprechenden Symptomen oder Fragen zu dieser Erkrankung Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.