Am 20. Mai 2026 fand vor dem Landgericht Hamburg der 50. Verhandlungstag im Prozess gegen die Steakhouse-Erbin Christina Block (53) statt. Die Zeugin Keren Tennenbaum, Codename Olga
, widersprach darin den Aussagen Blocks über eine angebliche enge Freundschaft zwischen ihnen. Block wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.
Die Aussage von Keren Tennenbaum markiert einen kritischen Punkt in der Beweisaufnahme des Landgerichts Hamburg. Tennenbaum, die unter dem Decknamen Olga
auftritt und als rechte Hand des mutmaßlichen Hauptentführers David Barkay gilt, lieferte heute Zeugenaussagen, die das Bild der Angeklagten Christina Block massiv erschüttern. Während Block in ihren bisherigen Statements eine innige Freundschaft
zu Tennenbaum schilderte, zeichnete die Zeugin ein gegenteiliges Bild.
Widersprüchliche Aussagen zur Beziehung zwischen Block und Tennenbaum
Im Zentrum des heutigen Verhandlungstages stand die Frage, in welchem Verhältnis die Steakhouse-Erbin zu den Personen stand, die die Entführung operativ durchführten. Die Verteidigungsstrategie von Christina Block basierte unter anderem auf der Darstellung einer persönlichen Nähe zu Keren Tennenbaum. Diese Schilderung sollte vermutlich die Natur der Kommunikation und die Motivation hinter den Kontakten erklären.
Die Zeugin Tennenbaum widersprach diesen Darstellungen jedoch deutlich. Die Diskrepanz zwischen der von Block behaupteten emotionalen Bindung und der tatsächlichen Wahrnehmung der Zeugin könnte für das Gericht ein Indiz für die Glaubwürdigkeit der Angeklagten sein. Wenn eine behauptete innige Freundschaft
von der anderen Seite nicht bestätigt wird, rückt die Frage in den Fokus, welche Absichten Block mit der Konstruktion dieser Beziehung verfolgte.
Der Vorwurf der beauftragten Kindesentführung
Der Kern des Prozesses, der bereits am 12. Juli 2025 begann, ist die mutmaßliche Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block in der Silvesternacht 2023/2024. Die Kinder, die zum Zeitpunkt des Vorfalls 10 und 13 Jahre alt waren, lebten bei ihrem Vater in Dänemark. Der Anklage zufolge soll Block die Aktion in Auftrag gegeben haben, um die Kinder aus Dänemark zurückzuholen.
Block bestreitet diese Vorwürfe konsequent. Ihr Verteidiger Otmar Kury wies bereits zu Prozessbeginn zurück, dass seine Mandantin jemals einen Auftrag zur Rückholung der Kinder erteilt habe. Die Anklage gegen Block und sechs Mitangeklagte stützt sich auf die Annahme, dass die finanziellen Mittel und die organisatorische Planung der Erbin die Grundlage für die Tat bildeten.
Die Verteidigungsstrategie: Die verzweifelte Mutter
Die Verteidigung setzt auf eine psychologische und situative Einordnung der Ereignisse. Ingo Bott, ein weiterer Anwalt von Block, zeichnete vor Gericht das Bild einer verzweifelten Mutter
, der ihre Kinder entzogen und entfremdet worden seien. Diese Argumentation zielt darauf ab, Block nicht als kriminelle Energie getriebene Auftraggeberin, sondern als Opfer einer emotionalen Ausnahmesituation darzustellen.
Ein wesentlicher Teil der Verteidigung richtet sich gegen den Vater der Kinder, den 51-jährigen Stephan Hensel. Otmar Kury erhob schwere Vorwürfe gegen Hensel und behauptete, dieser habe Block über Jahre hinweg den Kontakt zu ihrer Tochter und ihrem Sohn rechtswidrig verweigert. Die Verteidigung geht sogar so weit, die ursprüngliche Zurückhaltung der Kinder in Dänemark selbst als eine Form der Entführung zu bezeichnen.
Zudem wurde die Rolle der öffentlichen Wahrnehmung thematisiert. Da Christina Block die Tochter des Gründers der gleichnamigen Steakhouse-Kette, Eugen Block, ist, steht sie im Fokus der Boulevardmedien. Ihr Anwalt sprach in diesem Zusammenhang von einer Schlammlawine
der Berichterstattung über den jahrelangen Sorgerechtsstreit, was den Druck auf die Beteiligten erhöht habe.
Alternative Szenarien und Mitangeklagte
Neben der Theorie der beauftragten Entführung brachte die Verteidigung ein alternatives Szenario ins Spiel. Aufgrund des Vermögens der Familie Block hätten sich verschiedene Sicherheitsfirmen an die Familie gewandt und Hilfe angeboten. Die Verteidigung äußerte die Vermutung, dass die Entführung eine nicht abgesprochene Aktion
einer solchen Firma gewesen sein könnte, die eigenmächtig handelte, um sich einen Auftrag zu sichern oder ihre Kompetenz zu beweisen.
Dieser Ansatz versucht, die kausale Verbindung zwischen dem Wunsch der Mutter, ihre Kinder zurückzuerhalten, und der tatsächlichen Durchführung der Tat durch David Barkay und seine Mitstreiter zu kappen. Dass nun Keren Tennenbaum als Schlüsselfigur der operativen Gruppe aussagt, ist für die Klärung dieses Punktes entscheidend.
Ausblick auf den weiteren Prozessverlauf
Mit dem 50. Verhandlungstag hat der Prozess eine beträchtliche Dauer erreicht, was die Komplexität der Beweisführung und die Anzahl der Zeugen widerspiegelt. Neben Christina Block und den sechs Mitangeklagten bleibt die Rolle von Personen wie Gerhard Delling, dem Lebensgefährten von Block und ehemaligen Sportmoderator, relevant, da auch er beabsichtigte, sich persönlich zum Geschehen zu äußern.
Die kommenden Verhandlungstage werden zeigen, ob die Aussagen von Tennenbaum ausreichen, um die Verteidigungslinie von Block zu Fall zu bringen oder ob die Argumentation der verzweifelten Mutter
und die Vorwürfe gegen Stephan Hensel genügend Zweifel an der strafrechtlichen Verantwortung der Erbin säen. Das Landgericht Hamburg muss nun abwägen, ob die Entführung eine koordinierte Operation unter der Führung von Block war oder ob die Tat ohne ihr explizites Wissen und Zutun erfolgte.