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Hantavirus: Experten rechnen mit Ausbruch im Kreis Höxter

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 7. Mai 2026 einen begrenzten Ausbruch des Andesvirus auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius bestätigt. Bisher wurden fünf Infektionen nachgewiesen, wovon drei Personen starben, darunter eine deutsche Staatsbürgerin. Experten betonen, dass es sich nicht um den Beginn einer Pandemie handelt.

Der Ausbruch auf der Hondius hat in mehreren Ländern Besorgnis ausgelöst, da das betroffene Virus eine Besonderheit innerhalb der Hantaviren aufweist. Das Schiff, an Bord dessen sich rund 150 Personen befanden, lag tagelang vor Kap Verde vor Anker, bevor es Kurs auf den Hafen von Granadilla auf Teneriffa nahm. Die WHO und nationale Gesundheitsexperten arbeiten derzeit an der Einordnung des Ereignisses, um eine unnötige Panik zu vermeiden.

Andesvirus-Ausbruch auf der Hondius

Die medizinische Analyse der Fälle auf dem Kreuzfahrtschiff ergab, dass die Infektionen durch das in Südamerika heimische Andesvirus hervorgerufen wurden. Bisher wurden fünf Fälle labortechnisch bestätigt, während drei weitere Personen als Verdachtsfälle eingestuft werden. Die Sterblichkeitsrate in dieser kleinen Gruppe ist mit drei Todesfällen hoch; die Opfer sind ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Frau.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Situation in Genf kommentiert und eine Gleichsetzung mit früheren globalen Gesundheitskrisen zurückgewiesen.

Maria Van Kerkhove, Nothilfekoordinatorin der WHO

Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, ergänzte in einem Interview mit tagesschau24, dass das Hantavirus weit weniger ansteckend sei als SARS-CoV-2 oder Influenza-Viren. Eine Übertragung erfordere einen deutlich engeren Kontakt zwischen den betroffenen Personen. Aufgrund einer langen Inkubationszeit von sechs Wochen schließt die WHO weitere Fälle unter den Passagieren und der Crew nicht aus, obwohl zum Zeitpunkt der Berichterstattung niemand an Bord Symptome aufwies.

Übertragungswege und Besonderheiten des Andesvirus

Hantaviren werden primär durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen, insbesondere durch Urin, Kot oder Speichel. In der Regel geschieht dies durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub. Das Andesvirus unterscheidet sich jedoch fundamental von den in Europa vorkommenden Stämmen.

Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das Andesvirus medizinisch deshalb auffällig, weil in seltenen Fällen eine Übertragung von Mensch zu Mensch beschrieben wurde. Diese Möglichkeit könnte auch bei dem Ausbruch auf der Hondius eine Rolle gespielt haben. Das FLI betont jedoch, dass die natürlichen Reservoirwirte des Andesvirus, bestimmte Zwergreisratten, auf Südamerika beschränkt sind und das Virus in Europa nicht natürlich vorkommt.

Im Gegensatz dazu sind die in Europa verbreiteten Hantaviren, wie das Puumala-Virus, dessen Wirt die Rötelmaus ist, nicht für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bekannt. Weitere in Deutschland nachgewiesene Stämme sind das Dobrava-Belgrad-, Tula- und Seoul-Virus. Bei diesen handelt es sich in der Regel um Einzelinfektionen durch Nagetierkontakt; Infektionsketten zwischen Menschen treten hier nicht auf.

Aktuelle Gesundheitslage in Deutschland

Trotz der Meldungen über den Kreuzfahrt-Ausbruch bewertet das FLI die Situation für Deutschland als unverändert. Es handelt sich bei dem Ereignis auf dem Schiff um ein sehr seltenes und lokal begrenztes Ereignis.

Die Daten aus den Bundesländern stützen die Einschätzung, dass derzeit kein außergewöhnlicher Anstieg der heimischen Hantavirus-Infektionen vorliegt. In Baden-Württemberg wurden seit Jahresbeginn 2026 insgesamt 16 Fälle übermittelt. Experten gehen derzeit nicht davon aus, dass das aktuelle Jahr ein starkes Hantavirus-Jahr in Deutschland wird.

Die Prävention bleibt dennoch zentral, da gegen Hantavirusinfektionen kein Impfstoff zur Verfügung steht. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Vermeidung des Kontakts mit Ausscheidungen infizierter Kleinsäuger.

Symptomatik und klinischer Verlauf

Hantaviren verursachen weltweit zwei Hauptsyndrome. In der westlichen Hemisphäre, einschließlich Nord- und Südamerika, führt die Infektion häufig zum Hantavirus-Lungen-Syndrom (HPS), einer schweren und potenziell tödlichen Erkrankung der Lunge. In Europa und Asien ist hingegen das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) verbreitet, das primär die Nieren betrifft.

Die Symptome des HPS entwickeln sich laut CDC in der Regel ein bis acht Wochen nach dem Kontakt mit einem infizierten Nagetier.

  • Müdigkeit und Fieber
  • Muskelschmerzen, insbesondere in den Oberschenkeln, Hüften, im Rücken und gelegentlich in den Schultern
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen

Vier bis zehn Tage nach dieser initialen Phase treten die späten Symptome auf, die durch Husten und Kurzatmigkeit geprägt sind und den kritischen Verlauf der Lungenerkrankung markieren.

Die WHO und nationale Gesundheitsbehörden betonen, dass der Ausbruch auf der Hondius unter Kontrolle gebracht werden kann, sofern die Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit konsequent umgesetzt werden und die betroffenen Länder solidarisch zusammenarbeiten.

Bei Verdacht auf eine Infektion oder dem Auftreten der genannten Symptome nach Kontakt mit Nagetieren oder Reisen in betroffene Gebiete ist umgehend ein Arzt oder Gesundheitsdienstleister zu konsultieren.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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