Es ist ein Geständnis, das in der Schweizer Eishockey-Welt für heftige Erschütterungen sorgt – und das ausgerechnet jetzt, wo die Vorfreude auf die Heim-WM ihren Höhepunkt erreicht. Patrick Fischer, der Mann, der die Schweizer Nationalmannschaft über fast ein Jahrzehnt prägte, räumt ein, 2022 mit einem gefälschten Corona-Zertifikat bei den Olympischen Spielen in Peking angetreten zu sein. Dass dieser Fehler erst jetzt, kurz vor seinem Abschied von der Trainerbank, an die Öffentlichkeit dringt, verleiht der Angelegenheit eine beinahe dramatische Ironie.
Ein Fehltritt im Schatten der Ringe
Die Fakten sind nackt und unmissverständlich. Der 50-jährige Nationalcoach reiste 2022 unter Verwendung eines nicht gültigen Impfnachweises nach China ein. Fischer beschreibt seine damalige Entscheidung heute als Resultat einer „außergewöhnlichen persönlichen Notlage“, da er sich gegen eine Impfung entschieden hatte. Es war ein riskantes Spiel gegen die bürokratischen Hürden der Pandemie-Zeit, das er im Geheimen führte. Weder die Swiss Ice Hockey Federation noch Swiss Olympic oder sein engstes Umfeld wussten von diesem Täuschungsmanöver.
„Ich erkenne, dass ich in dieser Angelegenheit einen schweren Fehler gemacht habe“, so Fischer in einer offiziellen Mitteilung. Er übernimmt die volle Verantwortung für sein Handeln. Es ist das klassische Dilemma eines Mannes, der beruflich auf höchstem Niveau funktioniert, privat aber in eine Sackgasse geriet.
Die Reaktion des Verbands: Pragmatismus statt Prinzipien?
Normalerweise führt eine solche Täuschung im Leistungssport zu harten Sanktionen oder zumindest zu einer öffentlichen Distanzierung. Doch die Swiss Ice Hockey Federation wählt einen anderen Weg. Verbandspräsident Urs Kessler sieht von weiteren Konsequenzen ab. Er bezeichnet den Schritt, den Fehler nun öffentlich einzugestehen, als „anerkennenswert“. Für den Verband ist die Sache erledigt.

Diese Entscheidung ist vermutlich deshalb so pragmatisch, weil die rechtliche Seite bereits geklärt ist. Fischer wurde bereits 2023 als Privatperson für sein Fehlverhalten verurteilt. Er hat die rechtlichen Folgen getragen, bevor die Öffentlichkeit überhaupt davon erfuhr. Dass der Verband nun nicht nachsteuert, könnte man als Vertrauensvotum lesen – oder als den Wunsch, die Aufmerksamkeit nicht vom sportlichen Ziel der Heim-WM abzulenken.
Das Timing vor dem großen Finale in Zürich
Das Timing dieses Geständnisses ist bemerkenswert. Vom 15. Bis 31. Mai findet die Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg statt. Es sind Fischers letzte Titelkämpfe als Nationalcoach. Er lässt die Bombe platzen, bevor er die Bühne verlässt. Vielleicht wollte er die Last dieses Geheimnisses nicht mit in seinen Ruhestand nehmen, oder er wollte verhindern, dass die Geschichte durch einen Leak an Dritte ans Licht kommt, was die Dynamik der Berichterstattung völlig verändert hätte.
Für die deutsche Nationalmannschaft, die am 18. Mai in Zürich auf die Schweiz trifft, ist dies eher eine Randnotiz. Für die Schweizer Fans hingegen ist es ein Test ihrer Loyalität. Kann man die sportlichen Erfolge – drei Silbermedaillen in sechs Jahren – von einem moralischen Fehltritt trennen? Im Eishockey geht es oft um Härte und Ehrlichkeit auf dem Eis; nun wird diese Ehrlichkeit abseits des Spiels gefordert.
Was genau ist Patrick Fischer gestanden?
Er hat zugegeben, dass er für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking ein gefälschtes Corona-Impfzertifikat verwendet hat, um einreisen zu können, da er sich nicht impfen lassen wollte.
Welche rechtlichen Folgen hatte das Fehlverhalten?
Der Trainer wurde bereits im Jahr 2023 als Privatperson für diese Tat verurteilt und hat die daraus resultierenden Konsequenzen bereits vollumfänglich getragen.

Wie reagiert der Schweizer Eishockey-Verband auf das Geständnis?
Der Verband sieht von weiteren sportlichen oder beruflichen Konsequenzen ab. Präsident Urs Kessler lobte die Offenheit von Fischer und erklärte die Angelegenheit damit für abgeschlossen.