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Unternehmen

50Hertz vergeben Milliardenauftrag für 2-Gigawatt-Offshore-Plattform

Der Netzbetreiber 50Hertz hat einen Milliardenauftrag für den Bau einer Offshore-Konverterplattform an das Konsortium Neptun Smulders und Siemens Energy vergeben. Das Projekt, das etwa 200 Kilometer westlich von Sylt entstehen soll, markiert den ersten Einsatz des neuen 2-Gigawatt-Standards durch eine deutsche Werft und stärkt die industrielle Basis in Rostock-Warnemünde.

Technischer Meilenstein: Der neue 2-Gigawatt-Standard

Technischer Meilenstein: Der neue 2-Gigawatt-Standard
Photo: tagesschau.de
Die Energiewende in der Nordsee erreicht eine neue Dimension der Skalierung. Mit dem Auftrag für das Projekt North Sea Connector 2 setzt 50Hertz auf eine Technologie, die den Transport von Windstrom über weite Strecken effizienter macht. Die geplante Offshore-Konverteranlage wird den auf See erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln, um die Übertragungsverluste auf dem Weg zum Festland zu minimieren. Die Dimensionen der Anlage sind gewaltig. Laut heise online wird die etwa 20.000 Tonnen schwere Plattform die erste ihrer Art nach dem neuen 2-Gigawatt-Standard sein, die überwiegend in Deutschland gebaut wird. Dies stellt einen massiven technologischen Sprung im Vergleich zu früheren Anlagen dar, die zuletzt im Jahr 2018 mit einer Kapazität von bis zu 900 Megawatt gefertigt wurden. Die technische Komplexität spiegelt sich vor allem in den Komponenten wider. Die Transformatoren allein wiegen mehr als 500 Tonnen. Um diese Lasten und die Anforderungen der Hochspannungstechnik zu bewältigen, liefert der DAX-Konzern Siemens Energy die entscheidenden elektrischen Komponenten.
Technische Spezifikation Detailwert
Leistungskapazität 2 Gigawatt
Plattformgewicht ca. 20.000 Tonnen
Gewicht der Transformatoren über 500 Tonnen
Installationsort ca. 200 km westlich von Sylt

Wirtschaftliche Stabilisierung für die Meyer Werft

Wirtschaftliche Stabilisierung für die Meyer Werft
Photo: heise online
Für die Meyer Werft ist dieser Zuschlag weit mehr als nur ein technisches Projekt; er ist ein entscheidender Faktor für die finanzielle Genesung des Unternehmens. Die Tochtergesellschaft Neptun Werft in Rostock-Warnemünde wird durch den Auftrag langfristig ausgelastet. Wie NDR berichtet, ist die langfristige Auslastung der Rostocker Werft ein zentrales Ziel für die Geschäftsführung, um die wirtschaftliche Stabilität des gesamten Konzerns zu gewährleisten. Die Bedeutung dieses Auftrags lässt sich nur vor dem Hintergrund der jüngsten Krise des Mutterkonzerns verstehen. Um eine Insolvenz abzuwenden, mussten Bund und Land im Jahr 2024 als Anteilseigner einspringen. Seitdem befindet sich die Meyer Werft in einem intensiven Sanierungsprozess. Der Einstieg in das neue Geschäftsfeld der Offshore-Konverterplattformen bietet nun eine dringend benötigte Diversifizierung. Niedersächsischer Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) begrüßt die Entwicklung und sieht darin die Chance, die Werft wirtschaftlich zu stabilisieren. Während die zusätzlichen Arbeitsplätze primär in Mecklenburg-Vorpommern entstehen werden, sichert der Auftrag die strategische Ausrichtung der gesamten Meyer-Gruppe.

Aufteilung der Fertigung zwischen Rostock und den Niederlanden

Aufteilung der Fertigung zwischen Rostock und den Niederlanden
Photo: FAZ
Die Umsetzung des Projekts folgt einer arbeitsteiligen Struktur, die internationale Expertise mit regionaler Fertigung kombiniert. Das Konsortium Neptun Smulders Offshore Renewables fungiert dabei als technischer Kern der Ausführung.
  • Smulders (Niederlande): Das belgische Unternehmen, eine Tochter der Group Eiffage, übernimmt die Fertigung der stählernen Unterkonstruktion.
  • Neptun Werft (Rostock): Die Rostocker Werft baut die Aufbauten der Plattform, in denen die hochkomplexe Technik untergebracht wird.
  • Siemens Energy: Das Unternehmen verantwortet die gesamte Hochspannungstechnik und die elektrischen Komponenten.
Diese Verteilung stellt sicher, dass ein Großteil der Wertschöpfung in Deutschland verbleibt. Wie tagesschau.de ausführt, könnten durch diese und weitere Projekte langfristig mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern entstehen. Dies betrifft sowohl die beteiligten Unternehmen als auch deren Zulieferer in der Region.

Geostrategische Bedeutung für den deutschen Industriestandort

Die Vergabe des Auftrags markiert eine Zäsur in der deutschen Offshore-Strategie. Lange Zeit wurden solche milliardenschweren Projekte an ausländische Unternehmensverbünde vergeben, was zu einem Know-how-Verlust bei heimischen Kapazitäten führte. Deutschland holt sich die Kompetenz zum Bau dieser entscheidenden Infrastruktur nun schrittweise zurück. Diese Entwicklung hat eine klare politische und geostrategische Komponente. Laut FAZ ist der Aufbau von Kompetenzen in der Energie-Infrastruktur aus geostrategischen Gründen unumgänglich. In einer Zeit, in der die industrielle Basis des Landes unter Druck steht, stärkt dieser Auftrag die heimische Wertschöpfung in einem hochspezialisierten Sektor.

„Dass heimische Werften mittlerweile wettbewerbsfähige Angebote abgeben können“, erklärte 50Hertz-Chef Stefan Kapferer, via tagesschau.de.

Geostrategische Bedeutung für den deutschen Industriestandort
Photo: WELT
Auch die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wertete den Zuschlag als ermutigendes Signal für den Standort Deutschland. Da weltweit nur wenige Anbieter in der Lage sind, diese 2-Gigawatt-Plattformen zu bauen, sichert sich Deutschland einen Platz in einem exklusiven globalen Markt.

Ausblick: Ein potenzielles 2,5-Milliarden-Euro-Volumen

Der aktuelle Auftrag ist erst der Anfang einer größeren Expansionsphase. 50Hertz bestätigt, dass bereits Verhandlungen über einen zweiten Auftrag laufen. Dieser betrifft das System für das Offshore-Netzanbindungsprojekt North Sea Connector 1. Sollten diese Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden, würde sich das Auftragsvolumen allein für Neptun Smulders auf rund 2,5 Milliarden Euro summieren. Die landseitige Konverteranlage für dieses zweite Projekt soll ebenfalls in einem neuen Umspannwerk bei Mühlenbeck nahe Schwerin entstehen. Das gesamte Projekt North Sea Connector 2 soll bis Ende 2034 vollständig in Betrieb genommen werden. Wie WELT analysierte, bedeutet dieser Prozess eine Rückgewinnung der industriellen Souveränität über die kritische Infrastruktur der Windkraft. Die Fähigkeit, solche Giganten der Energiewende im eigenen Land zu fertigen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für die kommenden Jahrzehnte.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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