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Technik und Wissenschaft

47 Millionen Jahre altes Eulenfossil war ein Tagjäger

Die Grube Messel hat ein 47 Millionen Jahre altes Geheimnis preisgegeben: Die Art Masillastrix blattophaga stellt das Bild der Eule als klassischer Nachtjäger infrage. Das Skelett belegt, dass diese urzeitlichen Vögel vermutlich bei Tageslicht auf die Jagd gingen.

Beweise im Magen der Ur-Eule

Der Fund liefert handfeste Indizien für eine tagaktive Lebensweise. Wissenschaftler fanden im Mageninhalt des Fossils Überreste, die auf eine Jagdstrategie im Hellen hindeuten. Damit verschiebt sich der Zeitpunkt, zu dem Eulen ihr heutiges nächtliches Verhalten in der Entwicklungsgeschichte annahmen, deutlich weiter nach hinten.

Anatomie gegen den lautlosen Flug

Der Körperbau von Masillastrix blattophaga unterscheidet sich grundlegend von heutigen Eulen. Es fehlen die für moderne Nachtjäger charakteristischen ausgefransten Kanten an den Schwungfedern, die für lautloses Fliegen sorgen. Auch die dunklen Querbänder auf Flügel- und Schwanzfedern sind nicht erkennbar.

Ein Blick auf die Knochenstruktur untermauert diesen Befund: Der Oberarmknochen war kürzer und kräftiger. Diese Bauweise widerspricht einer Spezialisierung auf die lautlose Jagd, die erst bei nächtlichen Beutezügen zur Überlebensnotwendigkeit wurde.

Offene Fragen zum Evolutionssprung

Warum Eulen später den Wechsel zur Nachtaktivität vollzogen, bleibt ungeklärt. Gängige Theorien – etwa die Vermeidung von Konkurrenz mit tagaktiven Greifvögeln oder die Jagd auf spezifische Nagetiere – greifen zeitlich zu kurz. Diese Tiergruppen breiteten sich erst vor etwa 20 bis 25 Millionen Jahren stärker aus, lange nachdem Masillastrix blattophaga lebte.

Vom Waldkauz bis zum Uhu

Heute sind in Deutschland zehn Eulenarten heimisch, wie der Naturschutzbund Cuxhaven berichtet. Während der Waldkauz und die Waldohreule die häufigsten Vertreter sind, besetzt der Uhu als größte Art die Nische in Wäldern, Gebirgen oder Steinbrüchen. Selbst urbane Räume werden erschlossen; in Hamburg etwa ist der Uhu auf dem Ohlsdorfer Friedhof anzutreffen.

Die Jagdtechnik heutiger Eulen ist hochspezialisiert. Der WWF berichtet, dass ein Raufußkauz eine Maus aus bis zu 70 Metern Entfernung orten kann, selbst unter einer halben Meter dicken Schneedecke. Gesichtsfedern leiten dabei Geräusche gezielt zum Gehör – ein evolutionäres Merkmal, das der fossilen Eule aus Messel noch fehlte.

Unser früherer Bericht: Forscher entdecken 115 Millionen Jahre altes Dinosaurierblut

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.