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Welt

35 Jahre MINURSO: UN-Westsahara-Mission nach Veto beendet

Nach einem harten Veto Russlands im UN-Sicherheitsrat ist die 35-jährige Friedensmission MINURSO in der Westsahara beendet. Während Marokko das Aus des Mandats als diplomatischen Erfolg feiert, warnt die UN vor steigenden Spannungen in dem umstrittenen Wüstengebiet.

Die jahrzehntelange internationale Beobachtung des Konflikts in der Westsahara hat am Wochenende ein abruptes Ende gefunden. Nach dem Scheitern einer Resolution im UN-Sicherheitsrat begann am 1. November 2026 die offizielle Liquidationsphase der Mission MINURSO. Die Vereinten Nationen hatten die Truppe ursprünglich im Jahr 1991 ins Leben gerufen, um einen Waffenstillstand zu überwachen und ein Referendum über den politischen Status des Territoriums vorzubereiten.

Nachdem Marokko das Gebiet 1975 nach dem Abzug spaniens annektiert hatte, eskalierte der Streit zu einem mehr als 15 Jahre währenden bewaffneten Konflikt, der nach Angaben des französischen Senats auf beiden Seiten mehr als 16.000 Menschenleben forderte. Die Polisario Front rief 1976 die unabhängige Demokratische Arabische Republik Sahraui aus. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen unterzeichneten die Polisario Front und Marokko 1991 einen Waffenstillstand. Die Mission war zuletzt in Laayoune sowie an neun Teamsites und einer Verbindungsstelle in Tindouf präsent.

UN – Western Sahara: Polisario Welcomes Russian Veto, Rejects US Plan as MINURSO Mandate Expires

Das Veto im UN-Sicherheitsrat und das Ende der Mission

Auslöser für das Aus war ein diplomatischer Zusammenstoß zwischen den USA und Russland im UN-Sicherheitsrat. Am Freitag stimmten elf der 15 Ratsmitglieder für einen von den Vereinigten Staaten eingebrachten Resolutionsentwurf. Dieser sah vor, den Begriff referendum aus dem Namen der Mission zu streichen und den marokkanischen Autonomievorschlag als alleinige Grundlage für künftige Verhandlungen festzulegen, wie Al Jazeera berichtete.

Russland legte jedoch ein Veto gegen den US-Entwurf ein. Der russische Delegierte bezeichnete den Text als Versuch, einseitige Lösungen aufzuzwingen, und sprach von einer gewissermaßen lebensrettenden Veto-Entscheidung, wie die Manila Times dokumentierte. Ein von Moskau als Gegenentwurf vorgelegter Text zur Verlängerung des Mandats um ein weiteres Jahr verfehlte im Anschluss die notwendige Mehrheit von neun Stimmen; er erhielt lediglich zwei Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und elf Enthaltungen.

35 Jahre MINURSO: UN-Westsahara-Mission nach Veto beendet
Foto: NPR

Rabat feiert das Mandatsende während die UN den Abzug regelt

Marokkos Königshaus begrüßte das Auslaufen des Mandats und erklärte, UN-Personal und -Ausstattung sollten das Gebiet in den kommenden Tagen verlassen.

Stéphane Dujarric erklärte, dass dieser 1. November 2026 den Beginn der Liquidationsphase markiert.

Western Sahara | Security Council, 10260th meeting

Ein kleineres Team der Abteilung für operative Unterstützung soll nun den geordneten Abtransport der Ausrüstung und der Vermögenswerte der truppenstellenden Länder organisieren. Dem Bericht zufolge verfügte die Mission über 155 militärische Mitarbeiter vor Ort; das Budget für den Zeitraum 2026 bis 2027 lag bei über 62 Millionen US-Dollar. Insgesamt kostete der dreieinhalb Jahrzehnte währende Einsatz das Leben von 20 MINURSO-Angehörigen. Der UN-Generalsekretär drückte dem Personal sowie dem Sondersprecher für die Westsahara, Alexander Ivanko, seinen tiefen Dank aus.

Sorgen um die regionale Sicherheit und die Reaktion der Polisario Front

Die pro-independistische Polisario Front, die von Algerien unterstützt wird, verurteilte das Ende des Mandats scharf als inakzeptable Entscheidung. Die Frente Polisario hatte sich bereits im Jahr 2020 aus dem Waffenstillstand zurückgezogen, nachdem es zu Zusammenstößen gekommen war. Seitdem gilt die Region als potenzieller Krisenherd für erneute Feindseligkeiten zwischen den regionalen Rivalen Marokko und Algerien. Algerien äußerte am Samstag sein Bedauern über das Aus der Mission und kritisierte die Haltung der USA.

35 Jahre MINURSO: UN-Westsahara-Mission nach Veto beendet
Foto: manilatimes.net

António Guterres erklärte, dass er weiterhin besorgt über die Sicherheitssituation im gesamten Territorium und das Risiko einer Eskalation der Feindseligkeiten ist, und forderte alle Beteiligten auf, äußerste Zurückhaltung zu üben.

Trotz des Endes der Blauhelmmission betonte UN-Generalsekretär António Guterres, dass die Vereinten Nationen durch ihren persönlichen Gesandten Staffan de Mistura weiterhin den Dialog und eine friedliche Lösung unterstützen werden. Beobachter wie der in Marokko ansässige Historiker Selim Balouati Lakhloufi gehen davon aus, dass Marokko seine territoriale und administrative Kontrolle in dem seit Jahrzehnten umstrittenen Gebiet weiter ausbauen wird.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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