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25 Jahre nach Swissair-Pleite: Aufstieg und Fall der Tochterfirmen

Ein Vierteljahrhundert nach der verheerenden Pleite der Schweizer Luftfahrtikone Swissair im Oktober 2001 zeigt der Rückblick auf die damaligen Tochtergesellschaften ein vielschichtiges Bild. Während einstige Konzernteile wie Swissport und Gategroup zu weltweiten Giganten aufstiegen, kämpften andere Betriebe hart mit den Folgen der Konzernabhängigkeit und des plötzlichen Groundings.

Zehntausende Passagiere strandeten weltweit – insgesamt waren es rund 20’000 Reisende rund um den Globus, die auf ihre Verbindungen warteten, während auf den Anzeigetafeln in Kloten stundenlang nur der Status verspätet leuchtete und das Gepäck bei vielen bereits eingecheckt war. Die Insolvenz der SAirGroup im Herbst 2001 schickte Schockwellen durch die Schweizer Wirtschaft und markierte das jähe Ende einer 71-jährigen Luftfahrtgeschichte. Am 2. Oktober 2001 blieb die gesamte Flotte am Boden, nachdem das Unternehmen keinen Treibstoff mehr bezahlen konnte und die Lautsprecherdurchsage Aus finanziellen Gründen ist die Swissair nicht mehr in der Lage, Ihre Flüge durchzuführen am Flughafen Zürich das endgültige Aus besiegelte, wie Swissinfo berichtete.

Politische Weichenstellungen führen zur Hunter-Strategie

Der wirtschaftliche Niedergang wurzelte tief in den strukturellen Veränderungen nach dem Schweizer Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum im Dezember 1992. Dieses Votum blockierte ein bilaterales Luftverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, wodurch der Swissair der freie Marktzugang verwehrt blieb. Um dieses Problem zu umgehen, setzte der damalige Konzernchef Philippe Bruggisser auf eine aggressive Expansionsstrategie, bei der möglichst viele kleinere Fluggesellschaften übernommen werden sollten, um eine kritische Grösse zu erreichen. Ab 1997 wurde diese stetige Vergrösserung offiziell als «Hunter-Strategie» bezeichnet.

25 Jahre nach Swissair-Pleite: Aufstieg und Fall der Tochterfirmen
Foto: swissinfo.ch

Diese Einkaufspolitik führte jedoch zu einer massiven Verschuldung und band das Unternehmen an unrentable Partner wie die belgische Sabena oder die italienische Volare. Nach dem Rücktritt des gesamten Verwaltungsrates mit seinem Präsidenten Eric Honegger übernahm für kurze Zeit Crossair-Besitzer Moritz Suter das Ruder, gefolgt von dem damaligen Nestlé-Finanzchef Mario Corti als neuem Konzernchef. «Super-Mario» wurde dabei vor allem von der Swissair-Hausbank UBS unter der Führung von Marcel Ospel unter Druck gesetzt, wobei Corti den Bankchef später für das Grounding verantwortlich machen sollte.

Verflechtungen am Flughafen Zürich

Besonders dramatisch gestaltete sich die Situation für die zahlreichen Tochterunternehmen und flugnahen Betriebe, die eng mit der Muttergesellschaft verflochten waren. Gate Gourmet lieferte als Cateringunternehmen die Bordmahlzeiten, während SR Technics die Swissair-Maschinen wartete. Kritisch war die Situation insbesondere am Flughafen Zürich, wo der Betrieb stark mit den Swissair-Töchtern verknüpft war.

Im Vorfeld des Groundings hatte die Swissair noch um ein Darlehen beim Flughafen gebeten, zu dem es jedoch nicht mehr kam. Kurz vor dem Zusammenbruch versuchte gemäss Berichten noch ein Treuhänder vergeblich, der Swissair Millionen von Schweizer Franken zu überweisen, womit die Stillegung der Flotte zumindest für diesen Tag womöglich noch abwendbar gewesen wäre.

25 Jahre nach Swissair-Pleite: Aufstieg und Fall der Tochterfirmen
Foto: travelnews.ch

Nachlassstundung und historische Aufarbeitung

Die Betreibergesellschaften SAirGroup, SAirLines und Flightlease wurden schliesslich in Nachlassstundung geschickt. Bereits am Tag nach dem Grounding wurde per Notkredit ein reduzierter Betrieb aufgenommen, ehe am 1. April 2002 der letzte Swissair-Linienflug von São Paulo herkommend um 7.15 Uhr in Zürich landete und den Namen nach 71 Jahren Geschichte werden liess.

Angesichts der historischen Pleite stellt sich in der wirtschaftshistorischen Rückschau auch die Frage nach dem staatlichen Handeln. Tobias Straumann, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich, zeigt sich überzeugt, dass der Bund die Swissair heute nicht mehr so einfach in Konkurs gehen lassen würde, wie er mit Blick auf spätere Liquiditätsgarantien für andere Unternehmen in Notlagen betont.

Zum Jahrestag des Groundings widmen sich zahlreiche Veranstaltungen der Aufarbeitung dieser Epoche. So veranstaltet das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern im Rahmen seiner Air & Space Days unter anderem das Filmprogramm zu «Grounding – Die letzten Tage der Swissair», Podien mit ehemaligen Mitarbeitenden sowie Kabinettausstellungen, während Zeitzeugen wie der damalige Kuoni-Chef Hans Lerch oder TUI-Schweiz-Kommunikationschef Roland Schmid die dramatischen Stunden des Jahres 2001 bis heute unvergessen im Gedächtnis behalten haben.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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