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Wedgewood Polls räumt Fälschung von US-Umfragedaten ein

Ein angebliches Meinungsforschungsinstitut hat im US-Wahlkampf über Monate hinweg erfundene Wahldaten verbreitet und namhafte Medien sowie Wahlkampf-Teams getäuscht. Der Betrug fiel auf, als Unstimmigkeiten in den Daten auftauchten. Dies führte zu Kritik und wirft Fragen über die Integrität von Prognosen vor den Zwischenwahlen am 3. November auf.

Das Geständnis von Wedgewood Polls nach Hinweisen von FiftyPlusOne

Der Skandal kam ans Licht, nachdem der Umfrageaggregator FiftyPlusOne Unstimmigkeiten bei den Erhebungen festgestellt und das Institut kontaktiert hatte. Daraufhin räumte Wedgewood Polls in den sozialen Medien ein, dass der Großteil seiner veröffentlichten Zahlen frei erfunden war. Die Betreiber löschten den Account kurz darauf. Neben der Website schienen auch die Auftritte auf X und der Veröffentlichungsplattform Substack nicht mehr online zu sein. Das Unternehmen hatte sich mit verschiedenen Erhebungen in wichtigen Wahlkämpfen mehrerer US-Bundesstaaten positioniert.

In einer Stellungnahme begründete das Unternehmen das Vorgehen als vermeintliches Experiment. Man habe herausfinden wollen, wie einfach es für ein völlig erfundenes Meinungsforschungsinstitut sein könnte, Fuß zu fassen und ernst genommen zu werden, wie unter anderem die Nachrichtenagentur AFP und WELT berichteten. Demoskopie- und Rechtsexperten werteten dieses vorgebliche soziale Experiment jedoch primär als Schutzbehauptung, um drohenden rechtlichen Konsequenzen zu entgehen.

Betroffene Kandidaten und Reaktionen aus der US-Politik

Die gefälschten Zahlen betrafen umkämpfte Wahlrennen in mehreren Bundesstaaten. Die Erhebungen präsentierten in zahlreichen entscheidenden Wahlkämpfen demokratische Kandidaten in ausgesprochen günstiger Position gegenüber ihren republikanischen Konkurrenten. Die „New York Times“ teilte in einer redaktionellen Anmerkung mit, dass ihre Datenbank zwischen Juni und Oktober insgesamt 15 Umfragen von Wedgewood Polls enthalten habe, die inzwischen alle von den Seiten entfernt worden seien. Auch andere Medienangebote wie Newsweek hatten die Zahlen übernommen. Zudem veröffentlichte der Account eine Umfrage, die die demokratische Sozialistin Francesca Hong bei der Vorwahl zur Gouverneurskandidatur in Wisconsin in Führung sah, obwohl sie die Vorwahl tatsächlich verlor.”

Wedgewood Polls räumt Fälschung von US-Umfragedaten ein
Foto: WELT
Wedgewood Polls räumt Fälschung von US-Umfragedaten ein
Foto: Spiegel

Besonders schwer traf der Vorfall die demokratische Senatsanwärterin Mallory McMorrow aus Michigan, die sich um die Nominierung beworben hatte. Durch eine im Juni veröffentlichte Wedgewood-Umfrage mit lediglich einstelligen Zustimmungswerten seien Spender abgesprungen, freiwillige Wahlkampfhelfer am Boden zerstört und Reporter dazu übergegangen, sie mit Anrufen zu bedrängen, ihre Kandidatur aufzugeben. „Es hat uns das Genick gebrochen“, schrieb McMorrow auf X. Schließlich musste sie eine Niederlage einstecken, während sich Abdul El-Sayed bei den Demokraten durchsetzte. Auch der demokratische Stratege und frühere Berater von Kamala Harris, Mike Nellis, äußerte sich gegenüber Fox News extrem scharf zu den Vorgängen und warf den Verantwortlichen Betrug vor. „Diese Leute sind absolute Dreckskerle, sagte Nellis und fügte hinzu, sie könnten versuchen, moralische Überlegenheit für sich zu beanspruchen, hätten aber über ihre Umfragedaten gelogen und seien dabei ertappt worden.”

Auch auf republikanischer Seite sorgte der Skandal für Reaktionen. Donald Trump griff die Enthüllung auf seiner Plattform Truth Social auf und kritisierte die Beteiligung von Medien, wie die Hamburger Abendblatt berichtete.

Wachsende Sorgen vor Manipulationen durch Künstliche Intelligenz

Fachleute warnen, dass der Fall von Wedgewood Polls kein Einzelfall ist. Der Vorsitzende der US-Kommunikationsaufsicht FCC, Brendan Carr, warnte vor einer Zunahme gefälschter Umfragen, wobei FCC-Kommissarin Anna Gomez betonte, dass wer vorsätzlich Daten fälsche, zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Zugleich betonte die American Association for Public Opinion Research durch ihre Präsidentin Mary Losch gegenüber AFP, dass moderne Werkzeuge wie Künstliche Intelligenz die Erstellung und Verbreitung gefälschter Daten erheblich erleichtern und das Vertrauen in die öffentliche Meinung untergraben, wie Der Standard und weitere Medien zusammenfassend darlegten. Neben Wedgewood sorgten auch Berichte über andere Institute wie SoCal Strategies für Alarm, und auf Prognosemärkten wie Polymarket und Kalshi wurden ungewöhnliche Bewegungen der Wettquoten registriert.

Wedgewood Polling Scandal: Fake Polls Hit Election Models and Betting Markets
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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