Die Grippesaison 2026/2027 hat in den Vereinigten Staaten ungewöhnlich früh begonnen. Gesundheitsbehörden und Experten registrieren an der Westküste deutlich höhere Infektionszahlen als im Vorjahr, angetrieben vor allem durch eine Mutation des Influenza-A-Stammes H1N1, die Fachleute genau beobachten.
Die diesjährige Grippewelle ist in Teilen der Vereinigten Staaten etwa zweieinhalb Monate früher angelaufen als üblich. Während die Aktivität in den vergangenen Saisons meist erst im Winter spürbar anstieg, zeigen klinische Labors bereits im Oktober deutlich steigende Infektionszahlen nach Berichten von The Guardian.
Frühstart an der Westküste und steigende Testraten
Besonders betroffen sind zunächst die westlichen Bundesstaaten. In Washington state fiel nach Angaben der Gesundheitsbehörden zuletzt etwa jeder zehnte Grippetest positiv aus laut CNN. Dr. Alex Greninger, Leiter der Diagnostik für Infektionskrankheiten an der University of Washington, sprach von Werten, die sonst erst im Januar erreicht werden. In Kalifornien lag die Positivrate von Influenzatests im frühen Oktober bei 9,65 Prozent, verglichen mit knapp über 1 Prozent in den beiden Vorjahren, wie Daten der kalifornischen Gesundheitsbehörde belegen. Auch in Texas meldeten staatliche Laboratorien in der zweiten Oktoberwoche mehr als 800 Grippefälle, während im Vorjahreszeitraum lediglich rund 15 Fälle erfasst worden waren berichtet Axios. Im Bundesstaat Utah wurden nach Angaben der Datenbank Germ Watch bis zum 11. Oktober 242 Influenza-A-Fälle verzeichnet, verglichen mit 10 Fällen im Vorjahreszeitraum, und auch in Teilen von Oregon kam es zu einem merklichen Anstieg.

Ähnliche Entwicklungen meldeten regionale Gesundheitsbehörden im Osten und Süden des Landes. In Virginia lag die Zahl der wöchentlichen Fälle Anfang Oktober bei rund 318 gemeldeten Infektionen, während der staatliche Gesundheitskommissar Dr. Cameron Webb betonte, dass der Zeitpunkt für Schutzmaßnahmen ideal sei. In Chicago wies Dr. Nadia Qureshi, eine pädiatrische Spezialistin für Infektionskrankheiten am Loyola University Medical Center, darauf hin, dass die Erhöhung der Fallzahlen bereits im Oktober ein ungewohntes Phänomen darstelle. Dr. Alex Sloboda, Medical Director und Deputy Commissioner of Emergency Preparedness and Immunization beim Chicago Department of Public Health, erklärte ergänzend, dass die Stadt bereits Anstrengungen unternommen habe, um kostenlose Impfungen unabhängig vom Versicherungsstatus anzubieten.
Die Rolle der H1N1-Mutation
Verantwortlich für den frühen Anstieg ist nach Einschätzung von Forschern eine genetische Veränderung des Influenzavirus. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht eine Mutation an einer Stelle namens G155E, erläuterte Medscape unter Berufung auf Fachleute. Der H1N1-Stamm geht auf das Jahr 2009 zurück. Die in Japan bereits im Mai 2026 entdeckte und von dort aus global verbreitete Variante wurde im Laufe des Spätsommers zunehmend zum Treiber der Infektionen. Samuel Scarpino wies darauf hin, dass dieser neue Stamm die frühe Welle maßgeblich auslöst.
Impfempfehlungen und Wirksamkeit im Winter
Die von der FDA im August zugelassenen Impstoffe für die Saison 2026/2027 decken neben Influenza B und H3N2 auch den H1N1-Erreger ab (The Guardian). Scott Hensley, Mikrobiologe an der University of Pennsylvania, erklärte per E-Mail, dass ein frühzeitiger Impfschutz angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens ratsam sei.

Ich würde die Grippeimpfung jedem empfehlen, der dafür in Frage kommt, einschließlich Kindern. Wenn sie ihre erste Grippeimpfung bekommen, müssen sie oft zwei im selben Abstand von etwa einem Monat erhalten. Und angesichts unseres Anstiegs der Grippeaktivität ist jetzt die beste Zeit, um sich impfen zu lassen. Ich würde nicht länger warten.

Ähnlich äußerten sich Ärzte in Chicago, Austin und Virginia. Dr. Desmar Walkes, Gesundheitsbehörde für Austin-Travis County, warnte in einer Erklärung davor, dass Rückkehrer in Schulen und Verwandtenbesuche das Risiko schwerer Komplikationen erhöhen können. Gesundheitsämter und städtische Kliniken, darunter das Department of Public Health in Chicago, haben inzwischen begonnen, Impfaktionen zu verstärken, während die nationale Impfquote im Vorjahr nach CDC-Angaben bei 41,9 Prozent der Erwachsenen lag (The Independent). Neil Maniar, Direktor des Programms für öffentliche Gesundheit an der Northeastern University, rief dazu auf, die Impfung rechtzeitig vor den kommenden Feiertagen einzuplanen, um den nötigen Schutz aufzubauen.
Betroffene, die gesundheitliche Beschwerden zeigen oder sich impfen lassen möchten, sollten sich an qualifizierte medizinische Fachkräfte, Hausärzte oder örtliche Gesundheitsbehörden wenden, um eine individuelle Beratung und die passenden nächsten Schritte zu besprechen.
Weiterlesen