Nach mehr als 20 Jahren militärischer Präsenz haben die letzten US-Soldaten den Irak vollständig verlassen. Wie das Pentagon mitteilte, markiert dieser Meilenstein das Ende eines jahrelangen Abzugsprozesses, der auf ein im Jahr 2024 vereinbartes Abkommen zwischen der damaligen US-Regierung unter Präsident Joe Biden und der irakischen Führung zurückgeht. Der formelle Entschluss war bereits in jenem Jahr besiegelt worden.
Das Ende einer Epoche: US-Truppen vollständig aus dem Irak abgezogen
Der Abzug der verbliebenen internationalen Koalitionskräfte erfolgte über den Stützpunkt Erbil in der autonomen Region Kurdistan. Laut Angaben des US-Verteidigungsministeriums spiegelt der Schritt den Erfolg einer zwölfjährigen Kampagne wider, durch die die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als organisierte militärische Bedrohung im Irak und in der Region besiegt wurde.
Historischer Rückblick: Von der Invasion bis zur Rückkehr gegen den IS
Die amerikanische Militärpräsenz im Irak begann im Jahr 2003 mit einer US-geführten Koalition und dem Sturz des langjährigen Diktators Saddam Hussein. Der damalige US-Präsident George W. Bush hatte zuvor im Zuge des sogenannten «Kriegs gegen den Terror» den Irak der Unterstützung des Terrorismus bezichtigt. Der Konflikt führte zu jahrelangen Aufständen und sch schweren Kämpfen, bei denen nach Angaben von USA Today fast 4.500 US-Soldaten und Zehntausende irakische Zivilisten getötet wurden.
Nachdem Präsident Barack Obama den Abzug der US-Truppen im Jahr 2011 vollendet hatte, kehrten amerikanische Einheiten im Juni 2014 im Rahmen der Operation Inherent Resolve zurück, da die IS-Miliz große Gebiete erobert und ein sogenanntes Kalifat ausgerufen hatte. Zu Hochzeiten des Krieges im Jahr 2007 waren zeitweise rund 170.000 US-Soldaten im Land stationiert gewesen. Zuletzt befanden sich noch etwa 2.500 beziehungsweise wenige Hundert Soldaten im Irak, die nach der territorialen Niederlage des IS im Jahr 2017 ausschließlich als Berater und Ausbilder tätig waren.
Neue Phase der Ungewissheit und veränderte Sicherheitslage
Die irakische Regierung trägt nun nach Angaben des Pentagon die Hauptverantwortung für die Bewältigung der verbleibenden Sicherheitsherausforderungen. Dazu zählen neben den verbliebenen Strukturen des IS auch mit dem Iran verbündete Milizen. Iraks Premierminister Ali al-Zaidi bezeichnete den Abzug als den Beginn einer neuen Ära, in der sich die Beziehungen zu den Partnern von einer militärischen zu einer wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit wandeln sollen.

Dennoch äußern Beobachter und Politiker erhebliche Sorgen hinsichtlich der Stabilität. Der Iran und mit ihm verbündete Milizen feiern den Abzug als Sieg, und Experten werten die Entwicklung als strategischen Gewinn für Teheran, das seit dem Sturz Saddam Husseins seinen Einfluss in Bagdad stark ausweiten konnte.
Umstrittene Entwaffnung von Milizen und Zukunftsperspektiven
Ein zentraler und hochgradig umstrittener Punkt im Irak bleibt die Frage der Bewaffnung. Premierminister al-Zaidi hat das Ziel ausgegeben, dass alle Waffen ausschließlich in den Händen staatlicher Institutionen liegen und die Regierung allein über Krieg und Frieden entscheidet. Die Frist zur Entwaffnung der zahlreichen, teils eng mit dem Iran verbundenen Milizen wurde jedoch bis Juni 2027 verschoben.
Trotz dieser Risiken entschied sich US-Präsident Donald Trump dafür, den Truppenabzug fortzuführen, und begründete dies damit, dass man die Militärpräsenz vor Ort nicht länger benötige.
Mehr zu Jahr
Verwandte Artikel