Die US-Regierung hat ein monumentales Gemälde des bekannten Künstlers Kehinde Wiley aus der US-Botschaft in der Dominikanischen Republik entfernt und prüft nun einen möglichen Verkauf. Die von Kulturbeauftragten als sehr woke kritisierte Kunstaktion markiert einen weiteren Schritt der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, politische und konservative Vorstellungen in staatlichen Kulturprogrammen durchzusetzen.
Das umstrittene Botschaftsgemälde von Kehinde Wiley
Das im Zentrum der diplomatischen Auseinandersetzung stehende Werk trägt den Titel Young Artists After Siamesas 1960 und stammt aus dem Jahr 2015. Das grossformatige Gemälde, das mit öffentlichen Mitteln finanziert und im Sommer 2015 in der US-Botschaft in Santo Domingo installiert wurde, misst mehr als zwölf Fuss in der Breite und fast neun Fuss in der Höhe. Es zeigt vier dominikanische Kunststudierende vor einem ornamentalen floralen Hintergrund, wobei der Künstler auf lokale Kunstgeschichte wie Werke von Gilberto Hernández Ortega und Celeste Woss y Gil zurückgreift. Das US-Aussenministerium untersucht derzeit, wie ein Detailbericht von The Art Newspaper am 25. August 2026 darlegt, ob das Werk aus den Beständen des Programms Art in Embassies deakzessioniert und verkauft werden kann.
Die Demontage des Bildes wurde von der US-Botschafterin in der Dominikanischen Republik, Leah Campos, in einem Video auf Instagram im August 2026 inszeniert. Darin wird das Gemälde von Arbeitern, nachdem eine Grosse Plane mit US-Muster entfernt wurde, abgenommen und face-down auf den Boden gelegt, während im Hintergrund das Lied We're Not Gonna Take It
läuft. In der Bildunterschrift begründete Campos den Schritt mit den Worten: In the Trump Administration and under my leadership we are turning away from globalist and woke ideologies and instead embracing American patriotism and the beauty of our great country!
Erin Scavino, die im Jahr 2025 ernannte Leiterin des Art in Embassies-Programms im Aussenministerium, bezeichnete das Kunstwerk als sehr woke und ästhetisch beängstigend.
Kritik des Aussenministeriums und der politische Umbau
Die Kritik der US-Behörden richtet sich nicht nur gegen das Werk selbst, das 2013 vom Aussenministerium in Auftrag gegeben wurde, sondern auch direkt gegen den Künstler. Kehinde Wiley, der durch sein 2018 entstandenes Porträt des früheren US-Präsidenten Barack Obama weltweite Bekanntheit erlangte, sieht sich neben der Entfernung des Botschaftsbildes auch mit Vorwürfen zu früheren Arbeiten und gegen seine Person konfrontiert. Das Aussenministerium kritisierte Wiley für ein anderes Gemälde, das er als a play on the 'kill whitey' thing
charakterisierte, sowie für Vorwürfe wegen sexueller Nötigung, die von dem Künstler Joseph Awuah-Darko erhoben wurden und die Wiley bestreitet.
The work of an individual with such violent and racist words and depictions has no place in the America First State Department
Sprecher, US-Aussenministerium
Die Neuausrichtung des Kulturprogramms geht mit personellen Veränderungen einher. Erin Scavino, die als ehemalige Kandidatin in Trumps Reality-Show „The Apprentice“ bekannt ist, wurde von Trump im Jahr 2025 zur Leiterin des Programms ernannt. Laut Aussagen, die von The Art Newspaper zitiert wurden, bestätigte ein leitender Beamter des Aussenministeriums, dass die Rechtsvertretungen prüfen, ob das Gemälde verkauft werden kann. Erin Scavino erklärte im Interview mit Journalist Nate Freeman für Vanity Fair, dass the same review and process would apply to other works of art for which similar concerns arise.

Kehinde Wileys Werke in aktuellen US-Museumsausstellungen
Trotz der diplomatischen Kontroverse in Santo Domingo bleiben Arbeiten von Kehinde Wiley weiterhin in grossen US-Museumsausstellungen präsent. So lief vom 18. April bis zum 9. August 2026 die Gruppenausstellung Giants: Art from the Dean Collection of Swizz Beatz and Alicia Keys im Museum of Contemporary Art San Diego, die vom Brooklyn Museum organisiert wurde und 37 großformatige Werke von afroamerikanischen und diasporischen Künstlern zeigte, darunter seine Porträts von Swizz Beatz und Alicia Keys. Parallel dazu präsentierte das Arlington Museum of Art in Texas in der Schau More Than a Match: Art of the Game vom 2. Mai bis zum 30. August 2026 ein ledernes Fussballobjekt des Künstlers mit dem Titel Osei, womit Wileys Auseinandersetzung mit Ornamentik, Sport und Repräsentation gewürdigt wird.