Am 26. Oktober 2026 veröffentlichten vier führende medizinische Gesellschaften in den Vereinigten Staaten eine gemeinsame Richtlinie und ein neues Rahmenkonzept für die kardiovaskuläre Gesundheit von Mädchen und Frauen. Die American Heart Association, die American Academy of Pediatrics, die American College of Obstetricians and Gynecologists sowie die Society for Maternal-Fetal Medicine präsentierten drei Manuskripte in der Fachzeitschrift Circulation, um die geschlechtsspezifische Prävention und Behandlung von Herzerkrankungen grundlegend zu verändern.
Vier Lebensphasen und hormonelle Prägungen
Das neue Rahmenkonzept teilt das Leben von Frauen in vier biologische Phasen ein, in denen hormonelle Veränderungen die Herzgesundheit beeinflussen. Die erste Phase, Perimenarche genannt, deckt das Alter zwischen 8 und 15 Jahren ab und lenkt den Blick bereits bei pädiatrischen Untersuchungen auf Menstruationsmuster und den Lebensstil. Frühe Menstruation vor dem zehnten Lebensjahr sowie starke oder unregelmäßige Blutungen können laut den Fachgesellschaften auf ein höheres Risiko für Herzerkrankungen und auf Zustände wie das polyendokrine metabolische Ovarsyndrom hinweisen.
Die zweite Phase umfasst die reproduktiven Jahre von etwa 15 bis 44 Jahren, in denen Schwangerschaften als natürlicher Belastungstest für das Herz wirken. Komplikationen wie Bluthochdruck in der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes oder Präeklampsie signalisieren ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko für die kommenden Jahrzehnte.

Perimenopause und postmenopausale Risiken
In der dritten Phase, der Perimenopause zwischen dem 45. und 51. Lebensjahr, verändern sich Stoffwechsel und Cholesterinwerte spürbar. Die vierte Phase betrifft die Postmenopause ab dem 51. Lebensjahr, die bis zu 40 Prozent des Lebens einer Frau ausmachen kann. In diesem Abschnitt ereignen sich die meisten Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienzen. Laut Angaben der Fachgesellschaften lassen sich mehr als 80 Prozent dieser Ereignisse durch rechtzeitige Vorsorge verhindern. Zudem verdeutlichen Daten, dass eine Menopause vor dem 40. Lebensjahr das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 55 Prozent erhöht, während ein Eintritt zwischen 40 und 44 Jahren das Risiko um rund 30 Prozent anhebt.
Herzerkrankungen bleiben die häufigste Todesursache unter Frauen in den Vereinigten Staaten und fordern jährlich mehr als 400.000 Menschenleben. Dennoch erkennen laut Erhebungen der American Heart Association nur etwa 41 Prozent der Frauen Herzerkrankungen als ihre größte gesundheitliche Bedrohung an.

Forderung nach vernetzten Behandlungsstrukturen
Die beteiligten Organisationen kritisieren, dass die medizinische Versorgung von Frauen über verschiedene Fachbereiche hinweg häufig fragmentiert ist und Patientinnen oft erst nach den Wechseljahren den Weg zu kardiologischen Untersuchungen finden. Khan betont den Ansatz einer ganzheitlichen Versorgung. Frauen nehmen ihre medizinische Versorgung über verschiedene klinische Fachbereiche hinweg wahr, aber sie ist oft fragmentiert oder unzusammenhängend,
erklärt Khan. Konkret verbinden diese Berichte die Puzzleteile für Kliniker, für Patienten und über Gesundheitsbereiche hinweg, sodass die Versorgung ganzheitlich ist und in der Adoleszenz beginnt. Dabei wird anerkannt, dass die Herzgesundheit von Frauen einzigartig durch biologische Übergänge geprägt wird, die Männern fremd sind – Menstruation, Schwangerschaft, Perimenopause und Menopause.
Ergänzend dazu fordern die Fachgesellschaften den Aufbau koordinierter Zentren für die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen, in denen Kinderärzte, Gynäkologen, Geburtshelfer und Kardiologen interdisziplinär zusammenarbeiten, um Risiken frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen konsequent umzusetzen.
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