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Technik und Wissenschaft

Universität Genf bezweifelt Zuverlässigkeit von Mpox-PCR-Tests im Kongo

Eine Studie der Universität Genf stellt die Zuverlässigkeit von Mpox-PCR-Tests in der Demokratischen Republik Kongo infrage. Laut den im Fachjournal «The Lancet Infectious Diseases» veröffentlichten Ergebnissen könnten 35 Prozent der positiven Proben falsch-positive Ergebnisse sein, da geringe Virusmengen auf Umweltkontaminationen in Behandlungszentren hindeuten.

Die Analyse von mehr als 2700 PCR-Tests aus den kongolesischen Städten Goma, Kamituga, Kinshasa und Uvira zeigt eine problematische Verteilung der Viruslast. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Genf (Unige) stellte fest, dass sich die positiven Ergebnisse in zwei distinkte Gruppen teilen, anstatt eine kontinuierliche Verteilung aufzuweisen, wie es bei natürlichen Infektionsverläufen zu erwarten wäre.

CT-Werte und die Gefahr der Umweltkontamination

Die Forscher stützten ihre Analyse auf den sogenannten Cycle Threshold (CT-Wert). Dieser gibt an, wie oft das genetische Material in der PCR-Methode vervielfältigt werden muss, bis es erkennbar ist. Ein niedriger CT-Wert signalisiert eine hohe Viruslast und somit eine aktive Infektion. Die zweite, problematische Gruppe von Proben lag jedoch genau an der Nachweisgrenze.

„Die erste Gruppe umfasst niedrige Werte, was auf eine hohe Viruslast und somit auf eine aktive Infektion hindeutet“, so Azman. „Die zweite Gruppe lag genau an der Nachweisgrenze, was auf eine extrem niedrige Viruslast hindeutet – untypisch für eine echte Infektion, aber typisch für eine Restvirusspur.”

Andrew Azman, Universität Genf

Andrew Azman von der Universität Genf führte die Untersuchung zusammen mit Kollegen des Tropeninstituts in Antwerpen (Belgien) und des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung (DRK) durch. Azman betonte, dass diese klare Trennung zwischen den beiden Gruppen an allen vier Standorten nahezu identisch auftrat, was wohl kein Zufall sein dürfte.

Um die Ursache für diese potenziellen Fehlalarme zu finden, untersuchten die Wissenschaftler Oberflächen in zwei Behandlungszentren. Dabei fanden sie an zahlreichen Stellen Mpox-DNA. Proben, die zum Vergleich außerhalb der Behandlungsräume genommen wurden, waren dagegen negativ. Da das Virus-Erbgut sehr stabil ist und laut den Forschenden mehrere Wochen auf Oberflächen oder sogar in der Luft überleben kann, könnten diese Spuren versehentlich in die Proben gelangt sein.

Fehldiagnosen bei 89 Prozent der Verdachtsfälle

Zur Absicherung der Ergebnisse untersuchten die Forscher Blutproben der Betroffenen. Bei 89 Prozent der Personen, bei denen das Modell eine falsch-positive Diagnose vermutete, konnten keine Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Zudem fanden die Wissenschaftler in einer separaten Untersuchung bei vielen Personen mit Mpox-Verdacht andere Viren als Ursache für die Hautausschläge, darunter Masern- und Varizellenviren.

Risiken für Patienten und das Gesundheitssystem

Die Folgen dieser Fehlinterpretationen sind laut der Studie gravierend. Personen könnten unnötig hospitalisiert, behandelt oder in Mpox-Behandlungszentren isoliert werden. In diesen Einrichtungen besteht zudem das Risiko, dass fälschlicherweise positiv getestete Personen tatsächlich mit dem Virus infiziert werden. Neben der individuellen Stigmatisierung belasten die unnötigen Maßnahmen die ohnehin knappen Ressourcen des kongolesischen Gesundheitssystems.

Auch die epidemiologische Überwachung leidet unter den Daten. Falsch-positive Tests verzerren die Einschätzung des Infektionsgeschehens, was direkte Auswirkungen auf die Planung von Impfungen und die Festlegung von Maßnahmen hat. Dies ist besonders relevant, da sich der Erreger Monkeypox virus (MPXV) von der Demokratischen Republik Kongo aus in afrikanische Nachbarländer ausgebreitet hatte und die WHO nach dem Ausbruch im August 2024 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausrief.

Forderungen nach neuen Teststandards

Um die Genauigkeit der Diagnosen zu erhöhen, schlagen die Forscher vor, künftig nur noch Tests mit einem stärkeren Virusnachweis als positiv zu werten. Langfristig fordern sie bessere Schulungen für das Laborpersonal, damit ungewöhnliche Testmuster frühzeitig erkannt werden können. Die Studie umfasst Tests aus dem Zeitraum von April 2024 bis April 2026.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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