Die Weltorganisation für Meteorologie warnt vor einem historisch starken El-Niño-Phänomen für die Jahre 2026 und 2027. Mehr als 347 Millionen Kinder in fast 100 Ländern und Gebieten sind von den drohenden Extremwetterereignissen wie Dürren und schweren Überschwemmungen akut betroffen.
Rekordwerte im Pazifik und die Warnung von UNICEF
Das US-Klimavorhersagezentrum CPC beziffert die Chance auf den stärksten El Niño seit 1950 auf 75 Prozent, während die Weltwetterorganisation WMO es für nahezu sicher hält, dass er bis Februar 2027 anhält. Laut dem Klimainstitut IRI der Columbia University lag die Meerestemperatur im wichtigsten El-Niño-Messfeld Mitte September bereits 3,0 Grad über dem Normalwert. Noch dramatischer stellt sich die Lage unter der Wasseroberfläche dar, wo Messgeräte stellenweise Abweichungen von mehr als 8 Grad über dem Normalwert registrierten. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass die bislang stärksten El-Niño-Ereignisse 1997/98 und 2015/16 im kommenden Winter übertroffen werden könnten.
Angesichts dieser Entwicklung hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF vor massiven Gefahren für Minderjährige gewarnt. Zwischen Oktober und Dezember leben voraussichtlich mehr als 347 Millionen Kinder in Regionen, die von ungewöhnlich trockenen oder extrem regenreichen Bedingungen betroffen sein werden. UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell warnt vor den Folgen weit über extremes Wetter hinaus, von Hunger und Wassermangel bis zu Vertreibung und Schulschließungen, zumal weltweit schon rund 1,1 Milliarden Kinder mit mindestens drei sich überschneidenden Klimigefahren leben.

Mit über 347 Millionen Kindern, die in Risikogebieten leben, müssen wir jetzt handeln, um die Gemeinschaften zu schützen.
Catherine Russell, UNICEF-Exekutivdirektorin
Besonders betroffen sind demnach Kinder in Asien und im Pazifikraum, wo rund 190 Millionen Mädchen und Jungen vor extremen Wetterbedingungen stehen. Im östlichen und südlichen Afrika sowie in Lateinamerika und der Karibik sind jeweils rund 41 Millionen Kinder gefährdet. Weitere Millionen Kinder leben in gefährdeten Regionen Europas, Zentralasiens, des Nahen Ostens, Nordafrikas sowie West- und Zentralafrikas.
Globale Hitzewellen und ökonomische Schäden durch den Super-El-Niño
Das Phänomen, in Medien und von politischen Vertretern teilweise als Godzilla-El-Niño
oder Super-El-Niño
bezeichnet, treibt die Temperaturen weltweit in die Höhe. Das internationale Klimaforschungsinstitut IRI der Columbia University teilte mit, dass die Schwelle zu einem sehr starken Ereignis bereits erreicht sei. Auch der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres warnte bereits Anfang September, dass El Niño vor unseren Augen auf Übergröße getrimmt werde und sich der Planet in völlig unbekannten Gewässern befinde.

Weltweit könnten allein durch die Hitzeextreme schätzungsweise rund 451.000 Menschen zusätzlich sterben, wobei das Climate Impact Lab unlängst vor diesen rund 450.000 zusätzlichen Hitzetoten im kommenden Jahr warnte. Unter den betroffenen Staaten leiden besonders bevölkerungsreiche Länder wie Indonesien mit prognostizierten 19.300 Hitzetoten, die Philippinen, Vietnam, Thailand und Kambodscha mit jeweils 19.400 sowie Indien mit 15.800 zusätzlichen Todesfällen. In Südamerika ist Brasilien mit 13.300 Hitzetoten am stärksten betroffen, während die tödlichsten Folgen in vier Staaten der Sahelzone Afrikas – Nigeria, im Sudan, im Tschad und in Niger – mit insgesamt rund 66.800 zusätzlichen Hitzetoten erwartet werden.
Auch auf die globale Wirtschaft hat die Klimaschwankung spürbare Auswirkungen. Eine Untersuchung des Allianz Climate Risk Tracker zeigt, dass das Phänomen die untersuchten Volkswirtschaften im Jahr 2027 weltweit rund 392 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung kosten könnte. China, die USA und Indien würden dabei fast 60 Prozent der Bruttoverluste tragen, während den 27 EU-Staaten ein Nettoverlust von rund 21 Milliarden Euro droht. Für Deutschland allein wird ein potenzieller Verlust von rund 5,5 Milliarden Euro errechnet.
Risiken für die Landwirtschaft und die humanitäre Lage in Simbabwe
In der Landwirtschaft sorgt der Klimawandel in Kombination mit El Niño für schwere Ernteausfälle und steigende Rohstoffpreise. Investmenthäuser und Analysen weisen darauf hin, dass Kakaoanbauländer wie die Elfenbeinküste und Ghana erneut unter Hitze und Trockenstress leiden könnten, während beim Kaffee vor allem die Sorte Robusta in Vietnam und Indonesien gefährdet ist. Zudem warnt das Welternährungsprogramm, dass El Niño knapp 50 Millionen Menschen zusätzlich in akute Nahrungsmittelknappheit treiben könnte.
Besonders dramatisch stellt sich die Situation in afrikanischen Binnenländern dar. In Simbabwe, wo die Provinz Masvingo zu den trockensten des Landes zählt, waren während der Hungerzeit von Jänner bis März 2024 laut UN geschätzt 1,2 Millionen Kinder von Ernährungsunsicherheit betroffen, während landesweit mehr als 2,7 Millionen Menschen nicht genug zu essen hatten und der Staat den Katastrophenzustand ausrief. Das Hilfswerk CARE weist jedoch darauf hin, dass CARE Zimbabwe innerhalb nur eines Jahres einen Budgetrückgang von rund 57 Prozent von 15,8 auf 6,8 Millionen Dollar verzeichnete.
Ohne diese Gelder erwarten wir, dass die Auswirkungen größer sein werden als während des ‚El Nino‘ von 2023 und 2024.
Takawira
Kleinbäuerinnen in Regionen wie Masvingo wie Munyamani Mageleza oder Laini Makwindi versuchen sich durch den Anbau trockenheitsresistenter Getreidesorten wie Perlhirse und die Bewirtschaftung von Gemeinschaftsgärten auf die drohende Dürre vorzubereiten. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und Hilfsorganisationen betonen, dass gezielte Anpassungsmaßnahmen und hitzeresistente Sorten entscheidend sind, um den Hunger und die akute Ernährungsunsicherheit in den betroffenen Regionen zu begrenzen.