Die britische Konservative Partei hat auf ihrem Parteitag in Birmingham ein umfassendes Luftverteidigungssystem namens „Britannia Shield“ angekündigt. Für rund zehn Milliarden Pfund über zehn Jahre soll das Projekt das Vereinigte Königreich, seine souveränen Territorien und britische Stützpunkte im Ausland vor Drohnen und Raketen schützen, finanziert durch Einsparungen im Sozialbereich und Verteidigungsmehrausgaben.”
Das Vorhaben wurde am Dienstag von der Parteivorsitzenden Kemi Badenoch auf dem Parteitag der Tories im britischen Birmingham vorgestellt. Die Pläne sehen ein mehrschichtiges System vor, das nach Angaben der Befürworter als eine Art britisches Pendant zum israelischen Iron Dome
dienen soll. Im Zentrum stehen dabei die Bedrohungen durch moderne Waffensysteme. Parteichefin Kemi Badenoch erklärte hierzu, dass moderne Konflikte im Nahen Osten zeigten, wie günstige Drohnen und Raketen Städte, Militärbasen und kritische Infrastruktur bedrohen können, was früher nach Science-Fiction klang, und betonte, dass man keine zweite Chance habe, wenn eine solche Waffe auf Großbritannien abgefeuert werde.
Drei Komponenten für die britische Luftverteidigung
Das System setzt sich aus drei zentralen Elementen zusammen, die den Schutz des Luftraums gewährleisten sollen. Dazu gehören fortschrittliche Radarsysteme zur Frühwarnung, verbesserte Befehls- und Kontrollstrukturen sowie neue Abfangraketen und spezielle Abwehrmittel gegen Drohnen. Die Architektur ähnelt konzeptionell dem bereits existierenden Sky Sabre
-System der britischen Armee. Dieses System kam Anfang des Jahres bei Verteidigungshandlungen gegen Angriffe aus dem Iran im Nahen Osten zum Einsatz.

Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen.
James Cartlidge erklärte laut Politics: „Heute gebe ich bekannt, dass die nächste konservative Regierung das bedeutendste Upgrade der britischen Luftverteidigung seit Generationen liefern wird. Es nennt sich ‚Britannia Shield‘ – ein vollständig integriertes, mehrschichtiges Raketenabwehrsystem, das in der Lage ist, unsere Nation vor Drohnen- und Raketenangriffen zu schützen.
Finanzierung über Sozialreformen und Kontroversen um die Prioritätensetzung
Die veranschlagten Kosten von zehn Milliarden Pfund sollen nach Angaben der Konservativen über einen Zeitraum von zehn Jahren fließen. Die Mittel dafür sollen aus einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2030 bereitgestellt werden. Gegenfinanziert werden soll dieses Ziel unter anderem durch Reformen im Sozialbereich, wie etwa die Wiedereinführung der Obergrenze für Kindergeld und Umstrukturierungen bei den Wohnbeihilfen.
Die politische Opposition reagierte scharf auf die Ankündigung. Die Labour-Regierung verwies auf die Bilanz der früheren konservativen Regierungen und warf den Tories vor, die Streitkräfte während ihrer Regierungszeit stark geschwächt zu haben. Ein Regierungssprecher erklärte, dass Labour bereits den größten anhaltenden Anstieg der Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg umsetze.
Ein Labour-Sprecher teilte laut Politics mit: „Kemi Badenochs Konservative haben unsere Streitkräfte ausgetrocknet und unsere Armee auf die kleinste Größe seit der napoleonischen Ära schrumpfen lassen. Ihre düstere Regierungsbilanz spricht für sich selbst, und man sollte ihnen niemals wieder die Verantwortung dafür übertragen, unser Land sicher zu halten.

Zugleich betonten Regierungsvertreter, dass Labour darauf abziele, die Verteidigungsausgaben bis zum Jahr 2035 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Premierminister Andy Burnham steht derweil unter Druck, genaue Schritte zu benennen, wie das NATO-Ziel von 3,5 Prozent bis 2035 erreicht werden soll, nachdem in diesem Jahr schätzungsweise 2,6 Prozent erreicht werden.
Experteneinordnung und offene Fragen zum Schutzumfang
Aus der Rüstungsindustrie und von unabhängiger Seite gibt es gemischte Einschätzungen zur Machbarkeit und zu den tatsächlichen Anforderungen. Prof. Steven Barrett, Geschäftsführer von Cambridge Aerospace, bezeichnete das finanzielle Volumen als einen significant commitment
, gab jedoch zu bedenken, dass eine lückenlose Abdeckung des gesamten Staatsgebietes unrealistisch sei.
Prof. Steven Barrett erklärte gegenüber der BBC: „Es wäre für das System nicht praktikabel, jeden Quadratmeter des britischen Territoriums zu verteidigen, und ein plausiblerer Aufbau würde weite Teile der Bevölkerung in wichtigen Ballungsräumen abdecken.
Er wies zudem darauf hin, dass ein Schwerpunkt auf dem Schutz der kritischen nationalen Infrastruktur liegen müsse, da Rechenzentren von Transport- und Gesundheitssystemen bei Angriffen massiven Schaden erleiden könnten. Die Liberaldemokraten meldeten ebenfalls scharfe Kritik an. Deren verteidigungspolitischer Sprecher James MacCleary warf den Konservativen im Zusammenhang mit dem Vorhaben eine Wirtschaftspolitik im Stile von Liz Truss vor und erklärte, die Pläne basierten auf gezielten Kürzungen bei den ärmsten und bedürftigsten Kindern.
MacCleary forderte die Konservativen auf, entweder ihre fehlerhaften Rechnungen zu überprüfen oder offenzulegen, welche Landesteile durch ihren Schutzschild nicht abgedeckt würden.
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