Zum Inhalt springen
Nachrichten

Tiefkühlproduzent Ardo hält an den Plänen fest, sein Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich im August 2027 zu schließen

Tiefkühlgemüse-Produzent Ardo hält an den Plänen fest, sein Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich im August 2027 zu schließen. Nach einer zweiten Krisenrunde mit der österreichischen Politik lehnte der belgische Konzern sowohl finanzielle Hilfsangebote als auch den Verkauf an private Investoren ab.

Belgischer Konzern schlägt Staatshilfen in Wien aus

Nach einer zweiten Gesprächsrunde zwischen Vertretern des belgischen Konzerns und der österreichischen Regierungsspitze teilte das Unternehmen mit, dass an den im September verkündeten Schließungsplänen für 2027 nicht gerüttelt wird. Das Schicksal des Tiefkühlwerks im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf scheint besiegelt. Die Politik hatte zuvor ein Unterstützungspaket vorgelegt, um den Standort zu retten.

Bei dem geplanten Treffen am Mittwochvormittag nahmen nach offiziellen Angaben die belgischen Manager Rob Teunissen, Tijl Goens und Rudolf Steger, der Finanzchef der Ardo Austria Frost GmbH sowie Vertreter aus Politik und Landwirtschaft teil.

Das Management der Ardo-Gruppe erteilte diesen Hilfsangeboten eine klare Absage. In einer Aussendung betonte das Unternehmen, dass die wirtschaftlichen Probleme des Werkes zu tiefgreifend seien.

Subventionen oder jede andere Form direkter oder indirekter Unterstützung würden jedoch die strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Werks nicht beheben und das Unternehmen potenziellen rechtlichen und finanziellen Risiken aussetzen.

Tiefkühlproduzent Ardo hält an den Plänen fest, sein Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich im August 2027 zu schließen
Foto: Salzburger Nachrichten

Man sei der Auffassung, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagene umfangreiche Unterstützung einer Prüfung durch die Europäische Kommission nicht standhalten würde, verwies der Konzern zudem auf das europäische Wettbewerbsrecht.

Politik reagiert fassungslos auf das Treffen

Die Verhandlungsdelegation der Bundes- und Landespolitik, darunter Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Agrarlandesrat Stephan Pernkopf, reagierte fassungslos auf das Ergebnis des Treffens. Die Gespräche, an denen auch die belgischen Manager teilnahmen, sollen nach Angaben von Beobachtern frostig verlaufen sein.

In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigten sich die Regierungsvertreter verwundert über die Vorgehensweise des Konzerns. Für die Landespolitik ist der Kurs des Unternehmens inakzeptabel, da damit die regionale Versorgung mit heimischem Tiefkühlgemüse aufs Spiel gesetzt werde. Das Management sei auf keines der Hilfsangebote näher eingegangen und habe nicht einmal beziffert, welche konkreten Summen zur Absicherung nötig wären.

Bereits in der Vorwoche hatten Pernkopf, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Lorenz Mayr, gemeinsame Unterstützungsleistungen zum Erhalt des Standorts angeboten.

Investorenangebote und Standortherausforderungen im Vergleich

Zwei heimische Investoren hatten großes Interesse bekundet, das Werk mitsamt Liegenschaften, Beschäftigten und Lieferanten zu übernehmen. Ardo bestätigte zwar, von Interessenten kontaktiert worden zu sein, lehnte einen Verkauf jedoch ab.

Tiefkühlproduzent Ardo hält an den Plänen fest, sein Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich im August 2027 zu schließen
Foto: Diepresse

Die Kostenposition in Österreich sei deutlich weniger wettbewerbsfähig als in vergleichbaren Produktionsstätten in Mittel- und Osteuropa, verwies das Unternehmen zur Begründung auf gravierende Standortnachteile. Investitionen von über 100 Millionen Euro seien für den heimischen Markt zu hoch, da zudem jeder neue Eigentümer vor der Notwendigkeit stehe, den in die Jahre gekommenen Standort mit erheblichem Kostenaufwand zu modernisieren.

Nach Darstellung des Betriebsratsvorsitzenden Dietmar Breiner wurden in den vergangenen Jahren zwar bereits beträchtliche Beträge in die Modernisierung des niederösterreichischen Werks gesteckt, allerdings habe es sich dabei lediglich um das Notwendigste gehandelt. Der Vorschlag, direkt auf dem Werksgelände Photovoltaikanlagen zu errichten, sei von der Konzernleitung nicht weiterverfolgt worden.

Folgen für Angestellte und Bauern im Marchfeld

Von der Schließung im August 2027 sind direkt 190 Stammmitarbeiter sowie rund 50 Leiharbeitskräfte betroffen. Dabei wird nach Angaben des Betriebsrats, der auch von Kammerrat Breiner vertreten wird, ein besonderer Schwerpunkt auf Qualifizierungsmaßnahmen gelegt, um Angestellten mit Migrationshintergrund, die nicht perfekt Deutsch sprechen, neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Der Arbeiter:innenbetriebsrat unter der Leitung von Dietmar Breiner arbeitet parallel an den Verhandlungen für einen Sozialplan.

Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) verbindet rund 500 Mitgliedsbetriebe im Marchfeld, von denen im Jahr 2025 etwa 270 Bauern ihre Ernte an Ardo lieferten. Über das Werk hinaus blickt eine ganze Region in Ungewissheit. Lokale Landwirte kritisieren den Schritt als schweren Schlag für den heimischen Gemüseanbau, da die Abhängigkeit vom Weltmarkt und hohen Saatgutkosten ohne den verlässlichen regionalen Abnehmer stark zunimmt.

Ardo kündigte an, den Dialog mit der Erzeugerorganisation und Regierungsvertretern zu suchen, wie der Übergang für die lokalen Landwirte angesichts der geplanten Werksschließung erleichtert werden kann.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.