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Technik und Wissenschaft

Thelyson Orelien: Verlag und Preis streichen Roman

Der frankokanadische Autor Thelyson Orelien sieht sich nach Vorwürfen der KI-Nutzung für seinen preisgekrönten Roman C’etait ca ou mourir mit drastischen Konsequenzen konfrontiert. Während sein kanadischer Verlag Éditions du Boréal die Zusammenarbeit am 21. Oktober 2026 beendete, strich die Académie Goncourt das Werk von der Auswahlliste.

Der Literaturpreis Goncourt entfernte den Roman von seiner Auswahlliste, nachdem Tests mit dem KI-Detektor Pangram eine angebliche Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent ergaben, dass der Text computergeneriert ist. Der Präsident der Académie Goncourt, Philippe Claudel, erklärte, dass bei einer nächsten Zusammenkunft am 6. Oktober über das Schicksal des Buches beraten werde, falls unbestreitbare Informationen vorliegen. Claudel wies darauf hin, dass Fragen zur Autorenschaft von Künstlicher Intelligenz unumgänglich seien und eine Charta benötigt werde, um klar zu trennen, was von Menschenhand und was von einer Maschine erschaffen wurde.

Ermittlungen von Éditions du Boréal und Metadatennachweise

Der kanadische Verlag Éditions du Boréal zog im Oktober 2026 die Notbremse. Nach anfänglicher Unterstützung sah sich das Haus gezwungen, den Vertrag zu kündigen. Eine von dem Verlag beauftragte externe Untersuchung brachte gravierende Details ans Tageslicht, nachdem im September erstmals Vorwürfe aufgetaucht waren. Das Unternehmen erklärte, man wisse zwar nicht, in welchem Ausmaß KI tatsächlich eingesetzt wurde, da man hierauf vermutlich nie eine endgültige Antwort erhalten werde.

Boréal sammelte alle Arbeitsversionen des Romans und ließ sie von unabhängigen Experten prüfen. Dabei wurden nach Angaben des Verlags Spuren von KI-Tags in den Metadaten bestimmter Dokumente gefunden. Zuvor hatte der Verlag versucht, mit dem Autor zusammenzuarbeiten, um Beweise für dessen Unschuld zu finden. Diese Bemühungen blieben jedoch ergebnislos, nachdem der 38-jährige Orelien ankündigte, keine weiteren Informationen zur Verfügung zu stellen.

Reaktionen des Autors auf die Vorwürfe aus dem Internet

Ausgelöst wurde die Kontroverse im September 2026 durch einen Account auf der Plattform X namens Balance ton Claude. Orelien wies die Anschuldigungen zunächst entschieden zurück und sprach von rassistischen Angriffen, die ihn wütend machen. In einer Erklärung an AFP nannte er die Anschuldigungen Verleumdung und Ketzerei.

Ich habe Hilfsmittel für die Recherche genutzt, insbesondere für ausländische Redewendungen. Aber kein einziger Satz in diesem Buch wurde von einer Maschine erstellt, noch die Bedeutung oder die Struktur einer Geschichte, die aus meinem Inneren kommt.

Thelyson Orelien, Autor

Gegenüber der französischen Tageszeitung Libération erklärte der Autor zudem, er habe Künstliche Intelligenz lediglich im kreativen Prozess für historische Recherchen herangezogen. Er betonte, bereits Ende 2017 mit dem Schreiben des Buches begonnen zu haben, lange bevor KI-Dienste wie ChatGPT massenhaft verfügbar waren.

Hintergrund und Position des Verlags Grasset in Paris

Im Zentrum der Debatte steht Oreliens Romandebüt, das die Flucht und den Weg eines haitianischen Migranten nach Norden durch Lateinamerika und die Vereinigten Staaten nach Kanada beschreibt. Das Werk war für die Übersetzung in mehr als 20 Länder eingeplant, bevor der Skandal das Projekt erschütterte.

Thelyson Orelien: Verlag und Preis streichen Roman
Foto: reuters.com

Anders als der kanadische Partner zeigte sich der französische Verlag Grasset zunächst loyal. Grasset verurteilte die Anschuldigungen als tief verletztend für einen Autor mit einer außergewöhnlichen Karriere und betonte das absolute Vertrauen in den in Haiti geborenen Schriftsteller. Auch das kanadische Haus Boréal hatte sich anfangs hinter den Autor gestellt, bevor die neuen Erkenntnisse aus den Metadaten zu dem endgültigen Bruch führten.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.