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Welt

Speedaf plant großes Sortierzentrum

Der chinesische Logistikdienstleister Speedaf baut in der Schweiz ein eigenes Paketnetz auf und bereitet sich auf den Wettbewerb mit etablierten Zustellern wie der Post und DPD vor. Das im April gegründete Unternehmen setzt auf stark wachsende Importe aus China und plant ein grosses Sortierzentrum.

Die enorme Paketflut aus China, angetrieben durch Online-Riesen wie Shein und Temu, verändert den Schweizer Logistikmarkt rasant. Um diesen wachsenden Warenstrom direkt zu bewältigen, drängt nun ein neuer internationaler Akteur auf den Markt. Der chinesische Logistiker Speedaf errichtet derzeit eine eigenständige Infrastruktur für die Paketzustellung und fordert damit die etablierten Platzhirsche heraus.

Sortierkapazitäten in Zürich, Bern und Lausanne

Der im Jahr 2019 gegründete Konzern ist seit wenigen Monaten in der Schweiz aktiv und hat in den vergangenen Wochen bereits den operativen Betrieb aufgenommen. Das Unternehmen spezialisiert sich auf grenzüberschreitende Logistik und befördert international unter anderem die Sendungen der grossen chinesischen E-Commerce-Plattformen Shein, Temu und Aliexpress. Zu den Gründungsaktionären gehört der chinesische Paketriese ZTO Express.

Für den hiesigen Markt hat Speedaf konkrete Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht. Die Planungen sehen ein Areal von circa 4000 Quadratmetern für ein Sortierzentrum vor, das täglich bis zu 50’000 Einheiten bewältigen kann, ergänzt durch regionale Verteilknoten in Bern, Zürich und Lausanne. Mit diesen Kapazitäten will das Unternehmen den Transport von der internationalen Beschaffung bis zur letzten Meile in Eigenregie organisieren. International ist das Unternehmen bereits in mehr als 30 Ländern in Afrika, Südasien und dem Nahen Osten aktiv.

Konkurrenz für die Schweizerische Post und DPD

Die angepeilte Sortierleistung von bis zu 50’000 Paketen pro Tag gilt in der Branche für einen Neueinsteiger als substanziell. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht dies bei Vollauslastung rund 15 Millionen Paketen. Zum Vergleich: Der etablierte Mitbewerber DPD Schweiz verarbeitet jährlich etwa 25 Millionen Sendungen, während die Schweizerische Post auf rund 190 Millionen Pakete kommt. Auf dem Markt mischen zudem Anbieter wie Planzer und DHL mit.

In der Schweizer Zustellbranche wird der neue Marktteilnehmer daher ernst genommen. Ein führender Branchenvertreter warnte davor, das Unternehmen zu unterschätzen. Dank des direkten Zugangs zu riesigen Sendungsmengen aus China verfüge Speedaf über das Potenzial, innerhalb von ein bis zwei Jahren zu einem der grossen Anbieter im Schweizer Paketmarkt aufzusteigen. Speedaf könnte den dominierenden Logistikern auch preislich Druck machen. Über die Preisstrukturen könne man heute zwar erst wenig sagen, relativiert ETH-Experte Stephan Wagner, aber es könne sein, dass der Paketversand günstiger wird – wenn auch eher mittelfristig. Angesichts der Verhältnisse im expandierenden Sektor existiere durchaus Raum für einen weiteren schlagkräftigen Akteur, zumal die Volumina aus dem Reich der Mitte stark zunehmen und sich das Unternehmen zu Beginn exakt auf diesen Bereich konzentrieren wolle.

Zusammenarbeit mit lokalen Partnern für die letzte Meile

Um die hohen Kosten für den Aufbau einer eigenen Fahrzeugflotte und einer grossen Zahl von Zustellern zunächst zu umgehen, hält es ETH-Experte Wagner für sinnvoll, dass Speedaf für die letzte Meile auf lokale Zustellpartner setzen will. Dies ermögliche den Markteintritt. Für den Aufbau eines landesweiten Netzes sei die kompakte Geografie der Schweiz grundsätzlich von Vorteil. Mit einem Verteilzentrum und einigen Depots könne man hier schnell Fläche machen, während das in grösseren Ländern wie etwa Frankreich nicht so einfach sei.

Speedaf plant großes Sortierzentrum
Foto: nau.ch

Für die Auslieferung will Speedaf ein Netz lokaler Paketdienste, Flottenbetreiber und selbständiger Zustellpartner aufbauen. Diese sollen laut Firmenunterlagen auch Schweizer Onlinehändler, Detailhändler und KMU als Kunden gewinnen. Damit würde Speedaf über Importpakete hinaus direkt ins Inlandgeschäft der etablierten Paketdienste vorstossen. Sollte sich das Netzwerk als stabil erweisen und die Lieferung zuverlässig sein, könnten laut Einschätzung von Stephan Wagner auch Schweizer Versandhändler und KMU auf Speedaf umsteigen, was sicherlich eine Gefahr für die Post darstellen würde.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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